11.02.2020, 10:55 Uhr

Leser fragen Was für Geräte liegen denn da auf Äckern und Wiesen?


Sie schauen ein wenig aus wie Tauchpumpen mit E-Steckern - aber wozu sind sie da?

Landkreis. Auf den Wiesen und Feldern rings um Kirchweidach, bis nach Burghausen, Burgkirchen, Halsbach und Mehring liegen die seltsamen Geräte derzeit herum und so mancher fragt sich, worum es sich dabei handelt. Weder sind es Vorbereitungen für Elektrozäune noch „wild entsorgte Elektrogeräte“.

Die Antwort findet sich in Kirchweidach, genauer bei der Kirchweidacher Energie GmbH (KiwE GmbH). Sie lässt auf dem sogenannten „Erlaubnisfeld 2“ mit Genehmigung der Regierung von Oberbayern seismische Messungen durchführen.

Obwohl entsprechende Info-Flyer verteilt wurden und die Messungen durch ein polnisches Unternehmen bereits Ende des Monats abgeschlossen sein sollen, wird im Landkreis viel gerätselt, was es wohl mit diesen Gerätschaften auf sich hat.

Als deutschsprachiger Messtruppleiter bei der Firma Geofizyka Torun kann Wolfgang Kessler die Fragen rund um das 3D Kirchweidach II Seismik-Projekt beantworten und verweist bezüglich der Funktionsweise auf das Infoblatt: Bei der 3D-Seismik wird, ähnlich wie beim Ultraschall beim Arzt, mit Hilfe Schallwellen ein Abbild des Untergrundes erzeugt. Als Anregungsquelle dienen drei über 22 Tonnen schwere Vibrator-Fahrzeuge.

An jedem der über 1800 Messpunkte wird mehrmals 14 Sekunden lang vibriert. Eine große Stahlplatte, auf der die Gesamtmasse des Fahrzeugs lastet, wird auf den Boden gedrückt und ein schwerer Block aus massiven Stahl in der Fahrzeugmitte wird hydraulisch in Schwingung gebracht. Diese „Rüttelei“ bewirkt, dass Schallwellen in einem bestimmten Frequenzbereich in den Untergrund gesendet werden. An geologischen Schichtgrenzen werden die Schallwellen zurückgeworfen oder gebrochen. Die reflektierten Schallwellen werden an der Erdoberfläche von Erdmikrophonen (Geophonen) aufgezeichnet. Jede einzelne der über 1800 ausgelegten Empfängerstationen besteht aus einem autonomen Datenrekorder mit angeschlossenem Kabel. An dem Kabel hängen 12 einzelne Geophone, deren Signale sich zu einem Messkanal summieren. Ein Geophon kann man sich als ein einzelnes Seismometer vorstellen. Es registriert die aller kleinsten Bewegungen und sendet diese Signale an die Datenrekorder.

Standort für neues Projekt Tiefengeothermie gesucht

Ziel der Messungen ist es, einen weiteren Standort zur Förderung der Tiefengeothermie zu finden. Die KiwE GmbH hat damit bereits viel Erfahrung, beispielsweise bei der Versorgung des Gewächshauses von Gemüsebau Steiner und des Kirchweidacher Gemeindegebietes.

Wolfgang Kessler erklärt: „Wenn die rollende ,Wanderbaustelle‘ durch das Messgebiet zieht, werden die Anwohner mehr durch den Motorlärm der Vibrator-Fahrzeuge gestört. Die Vibrationen der schweren Fahrzeuge spürt man nur im Umkreis von wenigen Metern.“

Bisher, so Kessler, seien die Messungen größtenteils reibungslos verlaufen und man liege gut im Zeitplan: „Die Messungen werden, wie gefordert, noch vor Monatsende abgeschlossen.“ Erkenntnisse zu den Messungen gibt es derzeit noch keine: „Vorher müssen die aufgezeichneten Daten im Processing-Center verarbeitet werden. Dies dauert erfahrungsgemäß einige Monate. Auch die genaue Standortwahl für das Geothermie-Projekt kann erst nach dem Daten-Processing und der geologischen Interpretation beginnen.“

Die Frage, ob die gewonnen Kenntnisse über die Geologie des Untergrundes auch anderweitig von Nutzen für den Landkreis sein können, beantwortet Wolfgang Kessler so: „Die Messdaten erlauben innerhalb des Messgebietes einen Blick in den Untergrund bis ca. 4000 Meter und zeigen die geologische Struktur des Untergrundes auf. Neben Informationen für die Geothermie können auch viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die regionale Geologie und Genese gewonnen werden.“

Wer der „rollenden Baustelle begegnet, kann sich bei Interesse an einen Mitarbeiter von IPS wenden, der ständig bei der Kolonne ist und Interessierte informiert. − pa –


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