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04.07.2012 Bayern

Übernachten auf Alpenvereinshütten:

Zehn Tricks für einen perfekten Hüttenaufenthalt

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Foto: Deutscher Alpenverein/Agnes Gram
Was bieten Alpenvereinshütten? Was muss man für eine entspannte Hüttenübernachtung beachten? Wie gestaltet man ein schönes Hüttenwochenende? Einsteiger in den Bergsport tun sich oft schwer bei der Beurteilung, welche Hütte für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse die richtige ist.

Tatsächlich sind die Angebote  auch sehr unterschiedlich. Eignen sich die einen Hütten eher für Mountainbiker, so sind  auf den anderen Familien gut aufgehoben; wiederum andere eignen sich für Genusswanderer oder für Bergsteiger am besten. Gemeinsam ist allen: Man sollte ein paar Dinge wissen und ein paar Tricks beherrschen, um ein perfektes Hüttenerlebnis zu haben.

 

1. Die richtige Hütte

Mit der Auswahl des passenden Zieles steht und fällt eine Tour in den Bergen. Welche Hütte für welche Ansprüche und Bedürfnisse geeignet ist, kann man gut unter www.dav-huettensuche.de herausfinden. Dort gibt es alle praktischen Infos wie Kontakt, Zustieg, Tourenmöglichkeiten, Anreise usw. Außerdem stehen dort viele Hintergrundinformationen zu den Hütten.

 

2. Reservieren

Besonders in den Ferien und an den Wochenenden empfiehlt es sich, vorab zu reservieren. Zwar wird niemand weggeschickt, der in den Abendstunden an einer Hütte ankommt. Allerdings müssen sich unangemeldete Gäste im Zweifelsfall mit einem wenig bequemen Notlager begnügen. Die Hüttenwirtsleute freuen sich, wenn gebuchte Übernachtungen bei Verhinderung frühzeitig storniert werden.

Eine Übernachtung auf einer Alpenvereinshütte ist übrigens nicht teuer. In der Regel fallen für ein Zimmerlager in einer Hütte der Kategorie I (also für eine Hütte, die mindestens eine Stunde Zustieg erfordert) 26 Euro pro Erwachsenem an. Alpenvereinsmitglieder zahlen die Hälfte. Schon bei wenigen Übernachtungen pro Jahr lohnt sich also eine Mitgliedschaft in einer der 355 DAV-Sektionen.


3. Mitbringen

Zusätzlich zur normalen Ausrüstung für Bergtouren sollte man für eine Übernachtung auf einer Alpenvereinshütte diese Dinge einpacken:

• Handtuch
• Hüttenschlafsack
• Hygieneartikel (Zahnbürste etc.)
• Stirnlampe
• Bargeld – auf vielen Hütten ist eine elektronische Bezahlung nicht möglich
• kleiner Müllsack für die eigenen Abfälle
• Ohrstöpsel


Wer mit einem Hund auf einer Alpenvereinshütte übernachten möchte, sollte sich vorab an den Hüttenwirt wenden. Nur er kann Auskunft geben, ob und wie man sein Haustier unterbringen kann.

 

4. Ankommen

Der erste Weg führt zum Hüttenwirt. Er gibt alle praktischen Infos von den Essenszeiten bis zur Schlafplatzverteilung. Nach dem  Verstauen des Gepäcks am Schlafplatz (und der Bergstiefel sowie sperriger Bergsteigerausrüstung im dafür vorgesehenen Raum) steht dem Genießen des Hüttenaufenthalts nichts mehr im Wege.

 

5. Essen und Trinken

Die Palette des kulinarischen Angebots auf Alpenvereinshütten ist sehr breit gefächert. In manchen Schutzhütten gibt es eine kleine Auswahl einfacher Gerichte, in anderen Hütten warten außergewöhnliche Speisen auf den Feinschmecker. Vegetarier finden in allen Hütten passende Speisen. Eine Besonderheit auf vielen Alpenvereinshütten ist die Kampagne „So schmecken die Berge“. Teilnehmende Hütten bieten ihren Gästen regionale Produkte und vor allem Produkte aus der umliegenden Landwirtschaft. Zudem wird oft eine reichhaltige, preiswerte Halbpension angeboten, die bereits bei der Reservation gebucht werden kann und sich im Durchschnitt auf 30 Euro beläuft.

 

6. Tief durchatmen und einfach da sein

Vielleicht ist es die exponierte Lage mitten in der Natur und weit weg von der Zivilisation. Vielleicht ist es auch die Einfachheit des alpinen Lebens und der Verzicht auf viele Dinge, die im Tal selbstverständlich sind. Fest steht: Auf Alpenvereinshütten herrscht eine besondere Atmosphäre, die zum Kräfte tanken und die Seele baumeln lassen einlädt.

 

7. Wenn mal was nicht klappt

Missverständnisse sollten am besten gleich direkt auf der Hütte geklärt werden, denn: Die Hüttenwirtsleute sind für ihre Gäste da. Im Gegenzug hoffen sie auf das Verständnis ihrer Gäste für die Schwierigkeiten des Hüttenwirtsalltags – und insbesondere dafür, dass auf einer Hütte nicht immer alles perfekt ablaufen kann. Wirte müssen improvisieren, wenn zum Beispiel der Strom ausfällt oder doppelt so viele Bergwanderer auf der Hütte übernachten als Anmeldungen vorlagen. Alpenvereinshütten sind keine Berghotels und möchten auch nicht als solche verstanden werden. Sie werden auf ehrenamtlicher Basis erhalten und sind neben den Wegen ein wichtiger Baustein der alpinen Infrastruktur.

 

8. Schlafen gehen

Am wichtigsten: Sofern man die letzte Nacht auf der Hütte verbringt, sollte man vor dem Schlafengehen bezahlen, denn in der Früh herrscht oftmals Hektik. Um 22 Uhr beginnt in vielen Hütten die Hüttenruhe. Einzelzimmer gibt es selten, oftmals aber Zwei- bis Vierbettzimmer. Außerdem bieten alle Hütten die klassischen Matratzenlager. Wo man schlafen möchte, sollte man bei der Reservierung bereits angeben.

 

9. Am Morgen

Wann es Frühstück gibt, hängt von den Tourenmöglichkeiten im Hüttenumfeld ab. Der Hüttenwirt informiert diesbezüglich gerne am Vorabend. Aus Sicherheitsgründen sollte sich jeder Gast ins Hüttenbuch eintragen und sein nächstes Ziel dort bekannt geben.

 

10. Nach der Tour

War es besonders schön auf der Hütte? Oder gab es begründeten Anlass zu Kritik? Unter huettentest.de können Gäste von Alpenvereinshütten ihre Erfahrungen anderen Hüttengästen weitergeben.

Für die aktuellen Verhältnisse der Bergtouren haben der Österreichische und der Deutsche Alpenverein sowie der Alpenverein Südtirol eine eigenständige Online-Plattform aufgesetzt: Unter www.alpine-auskunft.de können sich Bergsportler informieren und ihre eigenen Erfahrungen weitergeben.

 

Ob Ausflugsziel in Seilbahn- oder Talnähe, Schutzhütte in unwirtlicher Umgebung oder Schlafplatz mit viel „Luft“ unter den Betten – die
Charaktere der Alpenvereinshütten sind unterschiedlich. Eines haben die 325 Hütten des Deutschen Alpenvereins allerdings gemeinsam: Sie stehen allen Bergsportlern offen, bieten Verpflegung und Unterkunft und sind Anlaufstellen in Notfällen.

 

Die Hütten sind im Besitz der DAV-Sektionen und befinden sich in Bayern (65), Österreich (184), der Schweiz (1) und in den deutschen Mittelgebirgen (75). Den Bergsteigern und Wanderern stehen dort insgesamt rund 20.000 Schlafplätze und 24.000 Gastraumplätze zur Verfügung.

 

In die Instandhaltung und Sanierung seiner Hütten investiert der Deutsche Alpenverein jährlich etwa zehn Millionen Euro. Der größte Teil der Summe fließt in die umweltgerechte Ver- und Entsorgung. Vor allem im vergangenen Jahrzehnt wurden Energieversorgung und Abwasserbeseitigung vieler Hütten unter ökologischen Gesichtspunkten modernisiert. Beispiele sind die Otto-Mayr-Hütte der Sektion Augsburg in den Allgäuer Alpen, die Kaunergrathütte der Sektion Mainz in den Ötztaler Alpen, die Tegernseer Hütte der Sektion Tegernsee in den Bayerischen Voralpen oder auch die Olperer Hütte der Sektion Neumarkt/Oberpfalz in den Zillertaler Alpen.
 

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Autor: Andrea Obele
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