Die Wochenblatt App
04.05.2012 Salzburg

Zoo Salzburg:

Steinböcke fast hautnah erleben

Steinbock
Foto: Zoo Salzburg/Neumayr
Landeshauptmann-Stv. Mag. David Brenner und Bürgermeister Dr. Heinz Schaden eröffneten mit Zoo-Geschäftsführerin Mag. Sabine Grebner feierlich die neue Alpensteinbock-Anlage im Salzburger Zoo.

„Diese Anlage ist fantastisch! Es ist imposant, aus nächster Nähe zu erleben, wie diese mächtigen Tiere sich im Steilhang bewegen und von einem kleinen Felsvorsprung zum nächsten springen. Hier wurde ein großartiger alpiner Lebensraum geschaffen, der alle Zoo-BesucherInnen faszinieren wird“, ist Eigentümervertreter des Landes und ressortzuständige Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. David Brenner überzeugt. Brenner sicherte gleichzeitig erneut zu, dass das Land Salzburg als verlässlicher Miteigentümer auch in Zukunft die Geschäftsführung und die rund 48 MitarbeiterInnen des Zoos konstruktiv unterstützen wird.


 
„Mit der Fertigstellung dieser Anlage hat das Zoo Salzburg Team eine weitere Attraktion für die Besucherinnen und Besucher des Zoos geschaffen“, freut sich Bürgermeister Dr. Heinz Schaden , der Eigentümervertreter der Stadt Salzburg. „ Die Investitionssumme von  € 2 Millionen  von Land und Stadt für den Bau der Tapiranlage, den Bau des Eingangbereichs Kassa Nord und der Neugestaltung der Steinbockanlage, den Bau des Haupteingangbereichs und des Gibbon-Hauses mit Außenanlage und den Bau der Raubtieranlagen  sind wirklich gut investiert. Und die Besucherzahlen  sprechen für sich : wurden 2005 rund 250.000 Zoobesucherinnen und  -besucher gezählt, konnten 2011 schon über 300.000 Zoogäste begrüßt werden. Die gute Arbeit des gesamten Zoo-Teams insbesondere bei der Adaptierung der Tierhaltung aber auch in der Forschung, bei der Einhaltung des bundesweiten Tierschutzgesetzes sowie der Teilnahme an nationalen und internationalen Forschungsprojekten und Erhaltungszuchtprogrammen tragen Früchte“. 


 
 
Zoo-Geschäftsführerin Mag. Sabine Grebner weiter „Nach rund 13 Monaten Bauzeit ist nun die neue Anlage für den Alpensteinbock fertig gestellt. Auf dem rund 1.300 Quadratmeter großen Areal wurden 760 Tonnen Natur-Kalksteine verlegt. Wie bei einem überdimensionalen Puzzle hat unser Bautrupp mit Hilfe eines Baggers Stein an Stein gelegt und diesen alpinen Lebensraum für den `König der Alpen´ aber auch für Schneehasen und Co. geschaffen.“


 
Beinahe ausgestorben


„Vor fast 100 Jahren stand es schlecht um den Fortbestand des Alpensteinbocks. Er wurde nicht nur wegen seines Fleisches gnadenlos gejagt, sondern er galt als wandelnde Apotheke“, sagte Zoo-Betriebsleiter und Kurator Rupert Eckkrammer. „Seine Gewandtheit, sich in den Felsen zu bewegen und allen alpinen Witterungen zu trotzen, beeindruckte auch die Bischöfe von Salzburg. Sie betrieben sogar eigene ‚Steinbock-Apotheken‘, in denen alle nur erdenklichen Teile des Steinbocks wie Blut, Haare, Hörner und sogar Exkremente als potenziell heilsam angeboten wurden. Am bekanntesten waren die ‚Bezoarkugeln‘ aus unverdaulichen Materialen wie Haaren aus dem Magen oder Darmtrakt. Um den Hals getragen, sollten diese Kugeln Bergsteiger schwindelfrei und unverwundbar machen.“


 
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts existierte nur noch eine kleine Restkolonie von rund 50 bis 100 Alpensteinböcken im italienischen Aostatal in der Region um den Gran Paradiso, die unter besonderem Schutz von König Viktor Emanuel II standen.


 
1906 gelang es zwei beauftragten „Wilderern“ drei Steinbockkitze im Gran Paradiso einzufangen und die Tiere über die Grenze in den schweizerischen Wildpark Peter und Paul zu schmuggeln. Es folgten weitere illegale „Fänge“. Nur wenige Jahre später wuchs der Bestand durch Nachzuchten und Ankäufen auf 109 Tiere an, der den Grundstock für zukünftige Zuchten bildete.


 
 
Eine Erfolgsgeschichte der Zoogemeinschaft


In Österreich fand 1924 die erste erfolgreiche Wiederansiedelung der Alpensteinböcke im Salzburger Blühnbachtal statt. 1936 folgten weitere in den Steirischen Wildalpen und 1953 im Tiroler Pitztal. Heute leben rund 6.500 Steinböcke in den österreichischen Alpen. Im gesamten Alpenraum wird der Bestand auf 40.000 Tiere geschätzt.


 
Seit Jahrzehnten stellt die internationale Zoogemeinschaft Alpensteinböcke für Bestandsauffrischungen in verschiedenen Alpenregionen zur Verfügung. Aus dem Zoo Salzburg stammen mittlerweile 30 Tiere, die in den vergangenen Jahren in ihrem ursprünglichen Lebensraum über der alpinen Waldgrenze ausgewildert wurden.
 

Faszination Steinbock

 


Das 18köpfige Alpensteinbockrudel im Salzburger Zoo hat prominente Paten und Förderer. Extremkletterer Thomas Huber übernahm die Patenschaft für die etwa 16 Jahre Steinbock-Geiß Genoveva. „Viele Male konnte ich auf meinen Klettertouren Steinböcke beobachten. Fast beneidenswert, mit welcher Akrobatik sie sich im steilsten Gelände hoch über der Waldgrenze bewegen“, erzählt Thomas Huber.
 
Eine besondere Initiative startete Manuela Schneider von Schneiders Bekleidung. Sie übernahm nicht nur die Patenschaft für die Geiß „Much“, sondern gründet den „Club der Steinböcke“, der die Arbeiten des Zoo Salzburg für den Erhalt des Alpensteinbocks unterstützen wird.
 
CNH Capital und Swieltelsky übernahmen die Patenschaft für die beiden imposanten Böcke „Reinhold“ und „Ares“. Die GROHAG förderte finanziell den Bau der Steinbock-Anlage.
 
„Wir bedanken uns bei allen, die uns beim Bau dieser Anlage unterstützt haben“, sagte Sabine Grebner „Rund ein Jahr haben wir diesen Bereich für unsere Tiere umgestaltet und auch einen neuen modernen Zoo-Eingang geschaffen. Die gesamten Umbaukosten lagen bei rund 370.000 €.“
 

Autor: Andrea Obele
Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: