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09.08.2012 Bayern

DSV aktiv gibt Notfalltipps:

Rettung bei Bergunfällen

Übung Bergwacht und Feuerwehr
Foto: pm
In den meisten Fällen ist Bergsport eine sichere sportliche Betätigung – was aber tun, wenn dennoch etwas passiert? DSV aktiv zeigt auf, was Verunglückte in den Bergen beachten sollten.

Bewegung und Spaß an der frischen Luft: Sport in den Bergen ist gesund und fördert Kraft, Ausdauer und Koordination. Von kleinen Wanderungen bis zum schwierigen Klettersteig hat die Natur für jeden Sportliebhaber etwas zu bieten. In den meisten Fällen ist Bergsport eine sichere sportliche Betätigung – was aber tun, wenn dennoch etwas passiert? DSV aktiv zeigt auf, was Verunglückte in den Bergen beachten sollten.

 

Risiken in den Bergen nicht unterschätzen

 

Nach Angaben der Bergunfallstatistik des Deutschen Alpenvereins (DAV) ist Wandern der sicherste Sport in den Bergen. Im Sommer strömen unzählige Natur- und Sportfreunde in die Alpen und Mittelgebirge, um die Gipfel zu erklimmen. Die Wanderwege und Gipfelpfade sind dabei meist sehr gut ausgebaut und beschildert. Dennoch: Ein Ausflug in die Berge ist immer auch mit Risiken verbunden. Schnell ist man gestolpert oder ausgerutscht. Trotz eines erhöhten Sicherheitsbewusstseins in der Gesellschaft und einer steten Verbesserung der Ausrüstung, passieren täglich eine Vielzahl von Bergunglücken. Allein die Bergwacht Bayern leistet nach eigenen Angaben etwa

12.000 Einsätze im Jahr, davon circa 6.000 Rettungsdienst-Einsätze, 950 Such- und Sondereinsätze wie Toten-, Tier-, Gleitschirm- oder Drachenbergung und 5.000 Hilfeleistungen ohne umfangreiche medizinische Verantwortung.

 

Die ersten Schritte nach einem Bergunfall – Ruhig und richtig reagieren

 

Verunglückt man selbst in den Bergen oder wird Zeuge eines Bergunfalls, ist es wichtig, schnell und richtig zu reagieren. Die organisierte Rettung kann nicht immer sofort zur Stelle sein. Im Notfall ist die Hilfe jedes Einzelnen gefragt. Wer Zeuge eines Unglücks wird, sollte nicht nur aus mitmenschlichen Beweggründen helfen, sondern ist dazu auch gesetzlich verpflichtet. Verunglückte und Ersthelfer sollten zunächst Ruhe bewahren und sich orientieren – Was ist eigentlich passiert? Wo befinde ich mich am Hang? Ist eine Straße oder Berghütte in der Nähe? Können mir Kameraden helfen?

 

Alarmierung der organisierten Bergrettung

 

Ist der Verunglückte schwerer verletzt und kann weder selbst noch mit Hilfe anderer Personen geborgen und versorgt werden, sollte nicht gezögert, sondern schnell professionelle Hilfe gerufen werden. Die organisierte Bergrettung ist in Gegenden mit Mobilfunkanbindung einfach und direkt über die kostenfreien Nummern 19222 oder 112 erreichbar. Zusätzlich gibt es lokale Notrufnummern, die an den Talstationen und Berghütten aushängen. Ist kein Handy verfügbar, können Kameraden an der nächsten Berghütte Hilfe anfordern.

Eine Unfallmeldung muss immer folgende sogenannte w-Fragen beantworten: Wer ist verunglückt (Alter, Sportart, Geschlecht)? Wie viele Personen sind verletzt? Was ist passiert? Wann kam es zu dem Unglück? Wo befindet sich der Verunglückte? Wie ist das Wetter am Unfallort? Wer meldet den Unfall? Wichtig: Bei einem Hubschraubereinsatz ist es von großer Bedeutung, welche Sicht- und Windverhältnisse am Einsatzort vorherrschen. Umso genauer man beschreibt, wo man sich befindet, desto schneller kann die Bergwacht vor Ort sein.


Erstversorgung kann ausschlaggebend sein

 

Sobald die organisierte Rettung alarmiert wurde, müssen sich die Helfer um eine Erstversorgung des Betroffenen kümmern. Dabei wird keine fachmännische Wundbehandlung verlangt oder medizinisches Fachwissen vorausgesetzt – Erste Hilfe kann und muss jeder bieten, sei es durch Beruhigen der Betroffenen oder durch die Versorgung mit Verbandsmitteln. Erste-Hilfe-Sets für Bergsportler enthalten in der Regel sterile Wundauflagen, Verbandsmaterial, Pflaster, Tape, eine Verbandsschere, eine Pinzette, Kompressen, eine Rettungsdecke und ein Dreieckstuch, das vor allem zum Stabilisieren von Gelenken oder beim Schienen von Brüchen verwendet wird.

 

Bergwacht engagiert sich mit über 4.000 ehrenamtlichen Einsatzkräften

 

Nach einem Notruf rückt umgehend eine ausgebildete Einsatzgruppe der Bergwacht zur Rettung des Verunfallten aus. Die Bergwacht kümmert sich äußerst engagiert und zuverlässig um den Rettungsdienst in den alpinen Einsatzbereichen, an unwegsamen Einsatzschwerpunkten und in Höhlen. Allein in der Bergwacht Bayern engagieren sich etwa 4.200 ehrenamtliche Einsatzkräfte. Neben Bergwacht-Einsatzleitern, -Notärzten, -Rettungsassistenten und -Rettungssanitätern verfügt sie für besondere Situationen über Spezialeinsatzkräfte. Sie helfen bei Unfällen in wasserführenden Schluchten, Höhlen, nach Lawinenabgängen, bei vermissten Personen
im Gebirge und weglosen Gelände sowie in Krisensituationen. Jeder Bergwachtler durchläuft eine dreijährige Ausbildung bevor er als aktives Mitglied aufgenommen wird. Der finanzielle Aufwand der Rettungsaktionen wird nur zu einem Drittel den betroffenen Personen in Rechnung gestellt. Ein weiteres Drittel stellt der Freistaat Bayern zur Verfügung. Der Restbetrag, im Falle der Bergwacht-Bayern rund 2,4 Millionen Euro, finanziert sich über Spenden.

 

Notsituationen durch mangelhafte Kondition und Selbstüberschätzung vermeiden

 

Am sichersten wandert, wer sich gar nicht erst Notsituationen aussetzt. Natürlich können Stolperer und Unfälle überall und schnell passieren, doch durch geeignetes Schuhwerk und eine professionelle Wanderausrüstung lässt sich das Risiko bereits deutlich verringern. Niemals sollten Bergsportler mit lockerem, leichten Schuhwerk im unwegsamen Gelände unterwegs sein. Wie der DAV meldet, sind ein Großteil der Bergunfälle die Folge von mangelhafter Kondition und Selbstüberschätzung. Regelmäßige Pausen, ausreichend Trinken und energiereiche Snacks sind in den Bergen unerlässlich! Darüber hinaus sollten Bergsportler schon bei der Planung der Touren ihre Fähigkeiten nicht überschätzen und auch Wetter-und Sichtverhältnisse sowie mögliche Wetterumschwünge unbedingt einkalkulieren.

Autor: Andrea Obele
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