wahlen
03.01.2012

Ganz schön „coole” Betten:

Eine Nacht im Zelt 50 Meter über dem Abgrund


Foto: Jochen Schweizer
Grenzerfahrung in der Steilwand: Marlene (27) und Christian (29) schlafen bei -5 Grad in einer „Portaledge”

Das war mit Abstand eine der aufregendsten Nächte meines Lebens“ – mit diesen Worten entstieg Jochen Schweizer, der Anbieter außergewöhnlicher Erlebnisgeschenke, seinem Bett in schwindelerregender Höhe in den Steinbergen von Saalfelden Leogang. Zusammen mit zwei Salzburger Gewinnern verbrachte er die Premierennacht 50 Meter über dem Abgrund, 1.300 Meter über dem Meeresspiegel und bei minus 5 Grad Celsius in den spektakulärsten seiner neuen „Coolen Betten“, einem neuen Erlebnisangebot des Geschenkexperten. Dabei können mutige Teilnehmer in so genannten Portaledges übernachten, einer Art Hängezelt für Bergsteiger, das sonst nur im Extremsport und in unwegsamem Gelände zum Einsatz kommt.


Marlene Meingast und ihr klettererfahrener Freund Christian Gruber aus Salzburg hatten eine Nacht im „coolen Bett” gewonnen – und zeigen sich im Interview begeistert von der Neuen Erfahrung:


Waren Sie sehr aufgeregt, bevor bzw. während Sie abgeseilt wurden?


Marlene: Es gab ja eine „Probe“, wir probierten die Bequemlichkeit dieser Portaleges in der Kletterhalle aus. Hier hatte ich noch ein spannendes, leicht aufregendes Gefühl. Als ich dann später ein paar Zentimeter vor dem richtigen Abgrund stand und wusste, ich muss hier über diese Kante und mich mit vollstem Vertrauen in den Gurt hineinsetzen, war mir richtig übel und Angst machte sich breit. Dank Jochen Schweizers Hilfe, der vermutlich immer noch an einer gequetschten Hand leidet, die hatte ich nämlich mit vollster Kraft zusammengedrückt, war das Abseilen bis zu den Portalege doch noch möglich. Trotzdem war mir am Abend, kurz vor dem eigentlichen Abstieg für die Übernachtung, wieder schlecht, ich hatte Angst und war mir gar nicht mehr sicher ob ich das wirklich noch mal durchziehen werde.


Was für ein Gefühl ist es, in der Steilwand zu hängen?


Marlene: Das Gefühl ist vorerst beengend, man traut sich kaum sich zu bewegen, doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran und es wurde richtig gemütlich.

 

Christian: Es ist ein durchaus befreiendes Gefühl, man bekommt die Gelegenheit abseits der Zivilisation und vom Stress die Ruhe und die Natur zu genießen.


Wie war die Nacht im Portaledge?


Marlene: Nachdem Christian gleich mal seelenruhig eingeschlafen ist, hatte ich natürlich Zeit, mir tausend Gedanken zu machen, was nicht alles passieren könnte ...  Ich hab versucht abzuschalten, na ja, das war dann wohl nix, denn man kann nicht verdrängen, dass man über dem Abgrund, in einer Steilwand hängt bzw. schlafen soll. Alles in allem sind die Gefühle gemischt, von abenteuerlich über aufregend bis zu beängstigend ist alles drin.

 

Christian: Die Nacht war sehr erholsam und entspannend. Ich habe mich wie in einem normalen Zelt gefühlt. Und da ich schon etliche Übernachtungen in Zelten verbracht habe, war es eigentlich ein sehr vertrautes Gefühl in dem Portaledge zu schlafen. Lediglich der Platzmangel macht sich ein wenig bemerkbar.


Kann man überhaupt ein- und dann ruhig schlafen?


Marlene: Klar und deutlich: NEIN!  Natürlich habe ich versucht einzuschlafen, doch funktioniert hat das nicht. Ich würde es eher ein wachsames Dahindösen nennen.

 

Christian: Ich für meinen Teil wäre sofort eingeschlafen. Aber nachdem Marlene etwas aufgeregt war, habe ich mich um sie gekümmert, so lang ich die Augen offenhalten konnte. Dann hab ich eigentlich sehr gut geschlafen.


Wie oft kontrolliert man die Sicherung?


Marlene: Ich habe die Sicherung anfangs bestimmt alle 5 min kontrolliert und wollte mich instinktiv immer irgendwo festhalten. Etwa ab Mitternacht war es dann „nur“ mehr einmal die Stunde in der ich die Sicherung im Visier hatte …

 

War die Nacht bequem?

 

Marlene: Ich muss ehrlich sagen, wenn man sich nicht bewegt und die Hand seines Partners ganz fest hält liegt es sich durchaus bequem in so einem Portalege.

 

Christian: Ja, die Nacht war super angenehm und erholsam. Auf jeden Fall zum weiterempfehlen!

 

Was denkt man im ersten Moment des Aufwachens?


Marlene: Dank meines leichten „Schlafes“ bin ich mehrmals die Nacht aufgewacht und einer meiner Hauptgedanken war: Liegt Christian noch neben mir? Nachdem ich das geprüft habe, folgte gleich die von ihm geliebte Frage: „Schatz, schläfst du schon?“. Seine Antwort war von 23:30 Uhr bis 7 Uhr morgens: „Nein Schatz, natürlich schlaf ich nicht.“ Obwohl ich wusste dass das nicht stimmt, beruhigte es mich …

 

Christian: Wann gibt’s endlich Frühstück? Und natürlich wagt man gleich einen Blick nach draußen und genießt die Landschaft sofern das Wetter mitspielt.


Stichwort Toilette:  Macht man sich da Sorgen oder wird ein „Notfall” vorher mit dem Team geklärt?


Marlene: Es wundert mich, dass das nicht die erste Frage ist, da dies vor Ort mit Abstand die häufigste war. Natürlich macht man sich Gedanken und auch der „Große“ Notfall wurde mit dem Bergteam besprochen, hierfür war das Abseilen die einzige und vermutlich sinnvollste Lösung. Für das kleine Geschäft wurden uns Utensilien zur Verfügung gestellt. Zum Glück blieb uns das Ausprobieren dieser Sachen erspart.


Warum würden Sie eine Nacht im „Adlerhorst” empfehlen?


Marlene: Für mich war es eine tolle Erfahrung, mit Sicherheit nicht die einfachste, die ich bis jetzt zu bewältigen hatte, aber mit Abstand die Mutigste! Und das macht mich stolz, ich bin über meine Grenzen hinaus gewachsen und alleine deswegen ist es dieses Abenteuer wert. Auch der Zusammenhalt als Paar wird gestärkt und das Vertrauen zueinander steigt ins Unermessliche. 

 

Christian: Für diejenigen die noch nie in einer Steilwand waren ist dies eine Gelegenheit für einen Kick und die Möglichkeit einmal in die Welt der Alpinisten zu schnuppern, ohne dabei selbst klettern zu müssen.

 

Mehr Informationen zu den „Coolen Betten” gibt es im Internet unter: www.jochen-schweizer.de

mehr Bilder ansehen
Fotostrecke
mit
6 Bildern