13.11.2017, 16:59 Uhr

Landgericht Regensburg Schwangere Frau erstochen: War es der Vater des ungeborenen Kindes?

Der 40-jährige Angeklagte kam dem Ehemann des Opfers sofort als möglicher Täter in den Sinn. (Foto: vb)Der 40-jährige Angeklagte kam dem Ehemann des Opfers sofort als möglicher Täter in den Sinn. (Foto: vb)

Nuschelnd und äußerst leise gibt der 40-jährige Heizungsbauer seine letzte Adresse an. Er ist kaum zu verstehen, die Mikrophonanlage im Sitzungssaal 104 im Landgericht Regensburg funktioniert nicht. Sein Verteidiger Michael Haizmann ist dagegen sehr gut zu verstehen – wenn er auch nicht viel sagt. „Er wird sich derzeit nicht äußern“, gibt er nach der Verlesung der Anklageschrift durch die Staatsanwaltschaft bekannt. Mord mit Schwangerschaftsabbruch wird dem 40-Jährigen vorgeworfen.

REGENSBURG Der Angeklagte soll im November 2015 eine Beziehung zu einer 45-jährigen verheirateten Frau begonnen haben. Nur fünf Monate nach dem Beginn der Beziehung soll das Liebespaar zu einer künstlichen Befruchtung nach Tschechien gereist sein. Die 45-Jährige wurde tatsächlich schwanger, der Vater soll der Angeklagte gewesen sein. Im Verlaufe der weiteren Beziehung und der Schwangerschaft soll es immer wieder zum Streit zwischen den beiden gekommen sein. Die 45-Jährige soll die Beziehung daraufhin beendet haben. Durch das Amtsgericht Straubing soll sogar ein Kontaktverbot gegen den Angeklagten verhängt worden sein. Angeblich durfte er seiner Ex-Freundin nicht näher als 100 Meter kommen. Trotz des Kontaktverbots soll der 40-Jährige seine im sechsten Monat schwangere Ex am 14. September 2016 gegen Mittag in ihrem Haus im Landkreis Straubing-Bogen aufgesucht haben. Er soll sie mehrmals geschlagen und mit zwei verschiedenen Messern attackiert haben. Dazu soll er zwei Messer mit einer Klingenlänge von 29 Zentimeter und elf Zentimeter verwendet haben. Ganze acht Mal soll er zugestochen haben.

„Extrem viel Blut auf dem Boden“

Sein angebliches Ziel: Seine Ex-Freundin und sein ungeborenes Kind töten. Er soll schließlich von seinem Opfer abgelassen haben, damit sie bei Bewusstsein und langsam sterben könne. Die Geschädigte wurde schließlich von ihrem Ehemann gefunden. Sie verstarb noch am selben Tag in einer Klinik. Das ungeborene Baby starb vermutlich nur kurz nach der Tat. Der erste Verhandlungstag gegen den 40-Jährigen fand am Montag, 13. November, vor dem Landgericht statt. Mehrere Polizeibeamte, die damals unmittelbar danach am Tatort eintrafen, traten in den Zeugenstand. Per Funk wurden die Polizeibeamten zu dem Anwesen gerufen. Es wurde ihnen außerdem mitgeteilt, dass die Nachbarin gesehen hat, wie ein dunkel gekleideter Mann vom Tatort flüchtete. Vor Ort trafen sie nur noch auf den Ehemann des Opfers. Die 45-jährige Frau war bereits mit einem Rettungswagen abtransportiert worden. Der Ehemann erzählte den Polizeibeamten, dass seine Frau noch bei Bewusstsein gewesen war, als er sie auf dem Boden liegend fand. „Bitte hilf mir“, soll sie ihn angefleht haben. „Im Durchgang zum Wohnzimmer war extrem viel Blut auf dem Boden“, erzählte einer der Polizeibeamten.

Der Prozess gegen den 40-Jährigen geht weiter am Montag, 20. November. Das Urteil wird im Januar 2018 erwartet.


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