09.04.2014, 10:07 Uhr

Protest in Weiden „Fracking? Nicht mit uns. Denkt an die WAA!"

Foto: Maria GiedlFoto: Maria Giedl

Die nördliche Oberpfalz ist als möglicher Fracking-Standort zur Förderung von Gas und Erdöl aus großer Tiefe im Gespräch. Dagegen fand am Dienstag in Weiden eine erste große Demonstration statt.

WEIDEN Der Bund Naturschutz, die Bürgerinitiative gegen die Errichtung atomarer Anlagen Weiden/Neustadt e.V. und die Grünen hatten zu dieser Demo aufgerufen. Es waren über 200 Teilnehmer dabei, was angesichts der geringen Größe Weidens und vorallem im Hinblick auf die sehr kurze Vorlaufzeit durchaus beachtlich ist.

Auch das Büfa (Bündnis für Atomausstieg und erneuerbare Energien) aus Regensburg war anwesend. Ein Experte vom Umweltinstitut München e.V. verteilte ein Infoblatt zum Thema Fracking (www.umweltinstitut.org). Mitglieder der Piratenpartei, der ÖDP und der GEW waren ebenso vertreten wie viele junge Menschen und ein Team des Politmagazins „Quer" des Bayerischen Fernsehens.

Und darum geht es: In Weiden und Umgebung wird derzeit geprüft, ob mittels Fracking Gas oder Erdöl gefördert werden kann. Es geht um eine stattliche Fläche von 2.600 Quadratkilometern. Eine englische Firma namens Rose Petroleum hat das Recht erworben (Bundesberggesetz), im Weidener Becken und seiner Umgebung (etwa bis Waidhaus, wo am Ostermontag eine weitere Demo geplant ist) ein Profil zu erstellen, das offen legt, ob Fracking dort rentabel wäre.

Rose Petroleum stellt dafür viel Geld bereit – die Aussicht auf Gas oder Öl nährt diese Investitionsbereitschaft, wie Sonja Schuhmacher vom Bund Naturschutz ausführte. Sie war eine der drei RednerInnen im Verlauf der rund eineinhalbstündigen Kundgebung. Sie gab auch zu bedenken, dass Versprechungen von Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner („Es wird kein Fracking in Bayern geben") sehr zum Misstrauen anregen, wenn diese Firma in der Region bereits hohe Investitionen leiste.

Auf der Demo wurde ein Fracking-Verbot gefordert, in Frankreich existiert ein solches bereits. Schuhmacher kritisierte ebenfalls die Entscheidung der Staatsregierung, der Firma Rose Petroleum die Erlaubnis erteilt zu haben, diese Untersuchung durchzuführen. Es sei auch zu wenig Aufklärung in der Bevölkerung betrieben worden.

Sie forderte zudem dazu auf, das Freihandelsabkommen mit den USA zu blockieren; denn über die Investoren-Schutzklausel könne es geschehen, dass die Kosten dieser Untersuchung völlig auf den Steuerzahler zurückfallen. Ihre Worte: „Haut ab, ihr Fracker!" Ein witziges Wortspiel zu einem ernsten Thema, denn in Bayern ist „Frecker" (Schlitzohr) nur fast ein Schimpfwort.

Der künftige Weidener Grünen-Stadtrat Klaus Baernklau kritisierte ebenfalls die Staatregierung, da diese im Januar 2014 der Firma die Forschungen erlaubt habe. Auch er geht davon aus, dass bei einer Eignungsfeststellung auf jeden Fall Fracking stattfinden wird. Er gab eindringlich zu bedenken, dass durch Fracking gefährliche Chemikalien ins Erdreich gepumpt werden, welche eine große Gefahr für die Qualität des Grundwassers bedeuten können.

Eine solche Kontaminierung könne jahrzehntelang anhalten. Auch würden Unmengen von Wasser und Flächen verbraucht. Die Gefahr von Erdbeben bestünde ebenfalls. Deshalb rief der Grünen-Politiker die Bundes- und Landesregierung dazu auf, Fracking gesetzlich zu verbieten.

Die dritte Rednerin, Hildegard Lindner-Hausner von der BI gegen atomare Anlagen (gegründet zu WAA-Zeiten), rief nochmals in Erinnerung, dass vor gar nicht langer Zeit von einer „Energiewende in Deutschland" gesprochen worden sei. Es solle endlich sämtliche Kraft in die Entwicklung und Ausweitung erneuerbarer Energieträger wie Sonne, Wind und deren Speichermöglichkeiten investiert werden.

Fracking hingegen stelle eine nicht kontrolierbare Angelegenheit dar, die die Lebensqualität immens gefährde. Sie rät zu Misstrauen gegenüber den CSU/CDU-Versprechen und fragt: „Warum schützt der Staat seine Ressourcen nicht?" Das Weidener Becken solle zur frackingfreien Zone erklärt werden. Ihre Nachricht an die Staatsregierung : „Fracking? Nicht mit uns. Denkt an die WAA!"

Noch ein paar Stimmen von Demonstrationsteilnehmern:  Herr Schaumberger, 54 Jahre: „Fracking ist Grundwasserverseuchung und stellt eine giftige Hinterlassenschaft für die nachfolgenden Generationen dar." Herr und Frau Geiss : „Unsere größte Angst ist das verseuchte Grundwasser. Wir informieren uns auch selbst, die örtliche Presse klärt viel zu wenig auf – aus Angst vor Protesten." Florian (19): „Hochgiftige Chemikalien werden in die Natur gepumpt. Die Natur wird im Interesse des Profits massakriert. So was geht doch nicht !"


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