22.09.2010, 00:00 Uhr

Großer Druck für die Retter

Es ist nicht einfach zu verkraften, wenn man plötzlich schwer verletzte oder gar sterbende Menschen bergen soll. Bei ihren Einsätzen sind die freiwilligen Helfer oft in einer schwierigen Lage. Das Wochenblatt sprach über Themen der Feuerwehren im Landkreis Schwandorf mit Kreisbrandrat Robert Heinfling.

SCHWANDORF Wochenblatt: In letzter Zeit rückt die Feuerwehr öfter mit dem Spreizer als mit der Spritze aus. Wie steht das Verhältnissen zwischen den Einsätzen bei Verkehrsunfällen und Bränden?

Heinfling: Das Verhältnis ist zwei Drittel technische Hilfeleistung und ein Drittel Brandeinsätze. Den Großteil der technischen Hilfeleistungen machen die Verkehrsunfälle aus. Das kann von der relativ einfachen Beseitigung einer Ölspur bis hin zur Bergung eines Todesopfers nach einem schwerer Unfall reichen. 

Wochenblatt: Ist die Feuerwehr in Schwandorf  für die Veränderung des Schwerpunkts ihrer Einsätze entsprechend ausgerüstet?

Heinfling: Die ganzen Feuerwehren im Landkreis Schwandorf sind stützpunktmäßig mit technische Hilfeleistungsgeräten und Brandeinsatzgeräten ausgestattet. Auf diesem Gebiet gibt es gegenwärtig keine Probleme. Selbst schwere Geräte wie Rettungsspreizer, Tauchpumpen, Motorsägen sind vorhanden.

Werden auch bei der Ausbildung der Mannschaft neue Prioritäten gesetzt?

Heinfling: Selbstverständlich setzen wir neue Prioritäten und bereiten uns auf die Einsätze bei Verkehrsunfällen vor. Die Fahrzeuge haben einen bessere Seitenaufprallschutz, eine bessere Konstruktion der Fahrgastzelle. Das heißt aber auch manchmal größerer Probleme bei der Bergung von verletzten Personen aus dem Auto. Die Fahrer sind durch die neue Technik besser geschützt, im Falle eines Unfalls kann man aber schwerer zu ihnen vordringen. Natürlich müssen wir da umdenken und solche Situationen üben. Schulungen finden alle 14 Tage statt. Wir versuchen  das realistisch an Fahrzeugen zu erproben. Bei Lastkraftwagen ist es ein wenig problematischer, solche bekommen wir schwer. Erste Hilfe Maßnahmen werden geübt. 

Wochenblatt: Bei schweren Unfällen ist die psychische Belastung selbst für hartgesottene Feuerwehrleute kaum zu ertragen. Gibt es da eine Unterstützung durch einen Psychologen oder Geistliche oder müssen Sie sich gegenseitig helfen?

Heinfling: In den letzten Jahren hatten wir schon Unterstützung durch Psychologen oder Geistliche, denn der Druck nach Einsätzen mit Schwerverletzten oder sogar Todesopfern ist vor allem auf für die jungen Kameraden eine enorme Belastung. Im Landkreis Schwandorf finden wir Hilfe bei Stadtpfarrer Karl Dieter Schmidt  aus Neuburg vorm Wald. Der kommt bei Bedarf zu den Feuerwehrkameraden, die Stressbewältigungsprobleme haben und spricht mit ihnen. Ich habe auch schon festgestellt, dass nach Einsätzen bei schweren Unfällen, vor allem bei den jüngeren Kameraden  Probleme auftreten. Da waren klare Anzeichen, dass man was unternehmen muss, um die Situation zu bereinigen. 

Wochenblatt: Welches waren die bisher schwierigsten Einsätze in ihrer Zeit als Kreisbrandrat?

Heinfling: Als Kreisbrandrat hatte ich in diesem Jahr zwei größerer Einsätze. Das war die Massenkarambolage auf der A 93 bei Schwandorf im Februar, kurz nach meinem Amtsantritt. Über 50 Fahrzeuge waren da nach einem Wetterumsturz  ineinandergekracht. Einen größeren Brandeinsatz gab es in Dieterskirchen. Besonders betroffen hat mich in meiner aktiven Laufbahn auch der Unfall eines Kameraden in meiner Heimatgemeinde Taxöldern. 

Wochenblatt: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für die Feuerwehr in Schwandorf, wie würde der lauten?

Heinfling: Mein innigster Wunsch ist, dass alle Feuerwehrkammeradinnen und Kameraden von ihren Einsätzen und Übungen immer unfallfrei und gesund wieder nach Hause zu ihren Familien kommen.


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