13.02.2016, 07:39 Uhr

Interessante Ergebnisse Baugeschichtliche Erforschung: An der Stullner Stephanuskirche wurde Jahrhunderte gebaut

Foto: Gemeinde StullnFoto: Gemeinde Stulln

Sie ist ohne Zweifel das älteste Bauwerk in Stulln: die Stephanuskirche an der Hauptstraße, von den Stullnern liebevoll die "alte Kirche" genannt. Eine bauarchäologische Befundung, mit der Bürgermeister Hans Prechtl vor einem Jahr den Archäologen Dr. Mathias Hensch beauftragte, brachte interessante Erkenntnisse zu Tage. Eine Entstehung der Stephanuskirche bereits vor der erstmaligen urkundlichen Erwähnung des Ortes Stulln im Jahr 1174 ist sehr wahrscheinlich.

STULLN Als Stulln 1174 erstmalig als "Stulen" bezeugt wird, befindet es sich in der Hand des Bamberger Bischofs. "Stulen" bedeutet "Stuhl" im Sinne von "Richterstuhl". Der Name "Stulln" ist nicht aus dem Wort "Stollen" und damit nicht aus dem Bergbau abgeleitet. Denn Stulln ist älter als der Bergbau. Und gewiss auch ältere als seine erste urkundliche Erwähnung.

An der Stephanuskirche ist derzeit die Innenseite des Westgiebels zugängig. Dort ist noch das historische Mauerwerk sichtbar, während alle anderen Stellen verputzt sind. Deshalb wurde an diesem Giebel organisches Material entnommen. Getestet wurden drei im Setzmörtel eingeschlossene kleine Holzstückchen und zwei kleine Strohhalme. Eine Radiokarbonanalyse ergibt eindeutig, dass der Westgiebel der Kirche im 14. Jahrhundert errichtet wurde. Die Experten gehen aber davon aus, dass der Westgiebel nicht das älteste Bauteil ist.

Der Kernbau der Kirche ist wesentlich älter. Darauf lassen gotische Wandmalereien, das architektonische Erscheinungsbild des Kirchensaals und die Proportionen des Bauwerks schließen. Wahrscheinlich ist, dass an den älteren Kirchensaal, der im Laufe der Jahrhunderte um 80 Zentimeter erhöht wurde, im 14. Jahrhundert der Turm angebaut und in diesem Zuge auch der Westgiebel neu aufgemauert wurde. Noch heute ist auch für den Laien deutlich sichtbar, dass der Westgiebel später um rund einen Meter erhöht wurde. Fugenrisse, die seit vielen Jahrzehnten bestehen und auch nach Sanierungen immer wieder auftraten, sprechen dafür, dass beim Bau des Turmes keine ausreichende Verzahnung des jüngeren Bauteils mit dem älteren Saal stattfand. Das Dreipassfenster in der Ostmauer des Turmes und die einfachen Schlitzfenster in dieser Wandfläche sind im 14. Jahrhundert denkbar. Dagegen werden die Schlüsselscharten in der Nord-, West- und Südwand des Turmes erst im 15. Jahrhundert eingebracht worden sein. Wahrscheinlich wurden diese Scharten in der Zeit der Hussiteneinfälle von 1419 bis 1423 eingebaut.

Die alte Stullner Kirche war im frühen Mittelalter für die Gegend von großer Bedeutung. Stulln lag in Nachbarschaft zum Burgzentrum Nabburg und zu Premberg an der Naab, das zum Kapitular Karls des Großen gehörte. "Wir sind einen wichtigen Schritt weiter, aber Stulln birgt noch Geheimnisse", ist sich Bürgermeister Hans Prechtl sicher. Noch überhaupt nicht erforscht ist der Burgstall auf dem Mühlberg östlich von Stulln. Nicht auszuschließen ist, dass ein administrativer Zusammenhang zwischen Kirche und Burgstall besteht.

Weitere Detailuntersuchungen an der Stephanuskirche bleiben der nächsten Kirchensanierung vorbehalten. Denn eine archäologische Untersuchung erfordert ein großflächig vom Putz befreites Mauerwerk. Alternativ könnten auch im Außenbereich des Kirchenfundaments Bodenuntersuchungen vorgenommen werden, aus denen nähere tragfähige Aufschlüsse und Erkenntnisse zum tatsächlichen Alter der Kirche gewonnen werden könnten. "Wir bleiben dran", versprach der Bürgermeister.


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