27.03.2013, 14:26 Uhr

Glauben Im Land der Katholiban: Dorf im Landkreis fürchtet Extremisten

Die Wallfahrtskiche Maria Schnee in Aufhausen Foto: Christian EcklDie Wallfahrtskiche Maria Schnee in Aufhausen Foto: Christian Eckl

Besorgte Eltern aus dem beschaulichen Aufhausen im Landkreis Regensburg berichten über eine Pfadfinderschaft mit fragwürdigem Ruf – die Katholische Pfadfinderschaft Europas wird von der Kirche nicht anerkannt. Ein Dorf zwischen Glauben und Skepsis.

REGENSBURG _25 AUFHAUSEN Häufig kommt das wohl nicht vor, dass eine Schwester Oberin Besuch bekommt von der Kriminalpolizei. Doch im Juli 2012 rückten Kripo-Beamte im Kloster der „Dienerinnen vom Heiligen Blut“ in Aufhausen an.

Im Zusammenhang mit der Suche nach der vermissten Maria Baumer „ging ein Hinweis bei der Polizei ein, wonach sich Frau Baumer in einem Kloster im südlichen Landkreis Regensburg in Aufhausen aufhalten soll“, heißt es jetzt in einer Auskunft des für Kirchen zuständigen Kultusministeriums. „Aufgrund dieses Hinweises wurde das Kloster in Aufhausen durch Beamte der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg am 10. Juli 2012 aufgesucht und die Schwester Oberin zum Sachverhalt mit negativem Ergebnis befragt.“

Der Fall Baumer gibt seit fast einem Jahr Rätsel auf: Die junge Frau hatte sich erst zur Vorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung wählen lassen, war dann plötzlich verschwunden, obwohl sie verlobt war, das Wochenblatt begleitet den Fall seit Mai 2012. Ist die junge Frau vielleicht in erzkonservative, ja fundamentalistisch-christliche Kreise abgetaucht?

Soviel steht fest: In Aufhausen im Landkreis Regensburg geht seit geraumer Zeit die Angst um. Besorgte Eltern haben sich an den ehemaligen Oberbürgermeister von Straubing, Reinhold Perlak, gewandt. Der jetzige SPD-Landtagsabgeordnete fragte bei der Staatsregierung nach, ob man etwas unternehme: Es habe sich die Katholische Pfadfinderschaft Europas angesiedelt. In der Tat: Auch eine Homepage weist Aufhausen als neuen Sitz der dubiosen Pfadfinderschaft aus. Perlak sagt über die KPE, dass über „deren Aktivitäten große Befürchtungen innerhalb der Elternschaft bestehen“.

Ministerium: Trennung von Staat und Kirche Das Kultusministerium indes verweist auf die Trennung von Staat und Kirche: „Das Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften in Bayern ist gekennzeichnet durch die verfassungsrechtlich garantierte Religionsfreiheit“, schreibt das Ministerium allen Ernstes zurück. Gilt das aber auch, wenn Kinder und Jugendliche in sektenähnliche Strukturen gelockt werden sollen?

In der Tat ist die Katholische Pfadfinderschaft Europas umstritten. So gibt es Hinweise darauf, dass man mit dem berüchtigten „Engelwerk“ zusammenarbeitet. Dieses ist von der katholischen Kirche nicht anerkannt, fischt am rechten Rand der Kirche und wirkt mit übersteigerten Regelwerken und einem paranoiden Engelglauben wie eine Sekte. Auch in der Diözese hat man vom neuen Standort der KPE im Landkreis Regensburg gehört. „Die Katholische Pfadfinderschaft Europas ist ein Jugendverband, der nicht in die Arbeit der Jugendseelsorge des Bistums Regensburg eingebunden ist“, so Sprecher Clemens Neck auf eine Wochenblatt-Anfrage. „Der Jugendpfarrer Thomas Helm ist mit dem Thema befasst, beobachtet es und sieht es bislang als noch ungeklärtes Feld an.“

Perlak vermutet, dass die Orden in Aufhausen den neuen Standort der dubiosen Pfadfinderschaft in den Landkreis gelockt haben. Doch das Ministerium will sich dazu nicht äußern: „Über die ,Geistliche Familie vom Heiligen Blut‘ oder das ,Oratorium des Hl. Philipp Neri’ in Aufhausen liegen im Staatsministerium für Unterricht und Kultus keine Akten oder Vorgänge vor.“

Aufhausen ist seit langem auch ein Sammelbecken für dubiose geistliche Bewegungen. Der Obere der Gemeinschaft vom Heiligen Blut etwa sagte einmal wörtlich: „Die Macht des Wortes vom Blute Christi ist mir vor allem bei einem Exorzismus aufgefallen, den ich durchführte.“

Doch an wen sollen sich die Eltern nun wenden? Die frühere Sünchingerin Maria Poppenwimmer hat selbst eine Tochter an das Engelwerk verloren, sie kennt die Zusammenhänge zum KPE. „Da wird mit psychologischem Druck gearbeitet“, berichtet Poppenwimmer. „Zunächst muss man beichten, dann findet sie die Schwachstellen der jungen Menschen heraus.“ Ihre Tochter kam mit knapp 19 Jahren zum Engelwerk. Zwischenzeitlich hat sie seit neun Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr, obwohl Poppenwimmer gerichtlich das Umgangsrecht für die Enkel zugesprochen wurde. Poppenwimmers Tochter ist in den dubiosen Fundamentalisten-Kreisen abgetaucht.

Eine Beobachtung der KPE findet nicht statt Klar ist für das Bayerische Kultusministerium nur, dass es sich bei der KPE um eine dubiose Jugendbewegung handelt. Wörtlich heißt es: „Mitgliedschaftsanfragen der KPE in den 1980er-Jahren wurden vom Bayerischen Jugendring vor allem aufgrund fehlender demokratischer Strukturen abgelehnt.“

Fehlende demokratische Strukturen sind aber offenbar kein Grund dafür, genauer hinzusehen und diese mutmaßlich fundamentalistischen „Katholiban“ in der Region etwas näher unter die Lupe zu nehmen und zu beobachten.


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