09.11.2011, 09:33 Uhr

Nazi-Debatte: „Man kann’s nur falsch machen“

Kulturreferent Klemens Unger klingt selten konsterniert. Meistens ist er tatendrängig, ja geradezu aufgedreht. Kein Wunder, kann der Kultur-Macher ja meistens Erfolge verkünden. Diesmal jedoch geht es um ein Thema, an dem sich schon viele die Finger verbrannt haben: Um ein würdiges Gedenken für die Opfer, die in der dunkelsten Phase der Stadt ums Leben kamen – die Opfer der Nazis nämlich.

„Da kann man nur was falsch machen“, sagt Unger auf Wochenblatt-Anfrage. Gebranntes Kind scheut das Feuer: Es hat im Vorfeld eine breite Debatte gegeben über eine Bodenplatte, ziemliche Aufregung bei der Stadtrats-Oppositon – und sogar eine Demonstration vor dem Gebäude mit dunkler Vergangenheit. Es ist das Colosseum in Stadtamhof, das in den letzten Kriegstagen ein Außenlager des KZs Flossenbürg beherbergte. Jahrelang hatte man versucht, den Besitzer des Hauses, ein Münchner Senf-Manager, dazu zu bewegen, eine Gedenktafel anzubringen. Doch der Versuch scheiterte – der Mann, der in seiner Heimat auch CSU-Kommunalpolitiker ist, wollte keinen Hinweis.

Eine von der Stadtverwaltung getextete und ohne offiziellen Akt verlegte Bodenplatte dürfte nicht nur den Hauseigentümer ärgern – sondern hat auch Mitglieder des Kulturausschusses, aber vor allem Vertreter der interessierten Bürgerschaft aufgebracht. Denn von umgekommenen Opfern ist auf der Platte nicht die Rede – vielmehr heißt es einfach, in dem Haus seien KZ-Häftlinge aus Flossenbürg untergebracht gewesen: „vor dem Haus mussten die Häftlinge, durch Unterernährung und Demütigungen geschwächt, zum Appell antreten“, heißt es lapidar. Nach Aussage Ungers gebe es Argumente, warum der Text die Toten nicht erwähnt. Doch Ungers Haltung stößt bei Historikern auf Kopfschütteln. Die Regensburgerin Sylvia Seifert, die selbst jahrelang Vorstandsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg“ war, bezeichnete die Gedenkplatte als „hochpeinlich“ – nach Seiferts Ansicht sei der Text der Bodenplatte „eine Verharmlosung des Geschehens und eine Verhöhnung der Opfer“, so Seifert. Sie finde die Debatte „unwürdig.“

Der Kulturreferent indes verteidigt den ursprünglichen Text:

„Ich habe meine Mitarbeiter natürlich zur Rede gestellt, wie der Text zustande gekommen ist“, sagt Unger dem Wochenblatt. „Meine Mitarbeiter sagten, es gebe keine Sicherheit darüber, wie viele Menschen tatsächlich ums Leben gekommen sind.“ Schlimm sei es doch, wenn früher oder später eine Zahl revidiert werden müsse – „und jemand dann sagen könnte, das sind keine historischen Fakten, die ihr da vor einem Haus angebracht habt.“ Zudem stehe die Platte ja im Kontext mit einem Gedenkstein, der sich unweit des Gebäudes befinde.

Am kommenden Donnerstag soll nun über die Causa beraten werden. Normalerweise tagt der Kulturausschuss im Alten Rathaus, doch hat man ihn diesmal verlegt, wohl auch, weil mit größerem Interesse gerechnet wird.

Es liegt ein Antrag der Grünen und der ÖDP vor. Die ÖDP schreibt darin, der Text der Platte werfe „ein bedenkliches Licht auf die Erinnerungskultur unserer Welterbestadt.“ Die Grünen fordern ein Konzept für das Gedenken. Unger selbst will alle an einen Tisch holen. „Eine schnelle Lösung wird es nicht geben“, so der Kulturreferent. Der renommierte BR-Journalist Ulrich Böken etwa soll einen Flyer erstellen über das NS-Gedenken. 


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