09.03.2017, 09:33 Uhr

Misereor Fastenaktion Fatimata Valéa Diallo aus Burkina Faso zu Gast im Bistum Regensburg

Foto: Bistum RegensburgFoto: Bistum Regensburg

Die Miseroer-Fastenaktion 2017 steht unter dem Leitwort "Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen". Die Initiative des großen katholischen Hilfwerks stellt heuer die Menschen in Burkina Faso in den Mittelpunkt. Im Bistum Regensburg ist in den kommenden Tagen die Muslimin Fatimata Valéa Diallo zu Gast und berichtet über ihre Heimat. An mehreren Informationsabenden kann man die interessante Frau kennenlernen.

REGENSBURG Fatimata Diallo kümmert sich in Zusammenarbeit mit der Organisation PASMEP um die Milchhirten in ihrer Heimat, insbesondere um die Frauen. Denn die Frauen sind in Burkina Faso die Säulen einer jeden Familie. Seit Jahrhunderten wird das Land durch ein eigenes Hirtenvolk geprägt, erzählt Fatimata Diallo. Sie wandern mit ihren Tieren über das Land und machen dort Station, wo es Wasser und Futter gibt. Durch diese Nomadentradition besuchen die Kinder keine Schulen, der Analphabetismus ist daher hoch. Lediglich zehn bis 15 Prozent der Gesamtbevölkerung in Burkina Faso besuchen eine Schule und das trifft meist nur auf die Stadtbevölkerung zu.

Kampf gegen Armut und Analphabetismus

Fatimata Diallos Projekt ist der Aufbau von sogenannten Minimolkereien. "Wir machen den Hirten klar, dass sie zusammenarbeiten müssen, wenn sie ihre Ziele durchsetzen wollen. Und wir helfen ihnen dabei, selber ihr Futter für die Tiere anzubauen, damit sie nicht ständig weiterziehen müssen", so Diallo. Mittlerweile arbeitet sie mit mehr als 40 Hirtengruppen zusammen, die jeweils etwa 30 Mitglieder haben. Durch den Anbau von Futter werden die Hirten sesshaft. Es bilden sich kleine Dörfer, die Kinder besuchen Schulen, der Analphabetismus sinkt und weniger junge Menschen flüchten in die städtischen Gebiete, um sich eine neue Zukunft aufzubauen. Dank politischer Arbeit konnten die Frauen auch einen Absatzmarkt für ihre Milchprodukte finden. Sie produzieren pasteurisierte Milch, Joghurt und "Gapale", eine Süssigkeit auf Joghurt-Zucker- und Hirsebasis. Eine große Gefahr für die aufgebauten Existenzen sind jedoch die importierten Milchprodukte. "Milch und Milchpulver sind billiger zu bekommen, als das Ergebnis unserer Arbeit."

Durch Chancengleichheit raus aus der Flüchtlingsproblematik

"Die Milchproblematik ist eine globale und europäische Problematik!", so Diallo weiter. Und man merkt, wie sie das mitnimmt, denn es macht ihre Aufbauarbeit zunichte. "Sicher steht im Handel der Gewinn im Mittelpunkt aber auch im Handel sollte man nie die Menschlichkeit vergessen", so ihr Appell. Ihre Forderung: Höhere Zölle auf Importwaren, damit die Menschen in Burkina Faso wettbewerbsfähig bleiben: "Wenn zwei Menschen kämpfen, sollten beide stets die gleiche Waffen haben. Erst dann ist ein Kampf fair!", betont Fatimata Diallo.

Täglich, so Frau Diallo, höre sie im Radio, dass wieder junge Männer auf dem Meer umgekommen seien, das sie sich als Flüchtlinge in Europa eine bessere Zukunft erhofften: "Wir sollten in unserer Heimat die Möglichkeit haben, eine bessere Zukunft für unsere Kinder zu schaffen. Dann blieben die vielen jungen Menschen auch hier!", so ihr Fazit.

Fatimata Valéa Diallo

Fatimata Valéa Diallo wurde 1967 in Barkoundouba, einem Dorf in der Nähe von Ziniaré, Burkina Faso geboren. Sie gehört zu den Peulh, ist Muslima, verheiratet und hat drei Kinder. Sie studierte Geschichte und Wirtschaftsgeschichte. Seit Mai 2016 arbeitet Frau Fatimata Valéa Diallo für den Misereor-Partner PASMEP. Hier ist sie verantwortlich für Organisationsentwicklung und Evaluierungsauswertung. Als Tochter eines Viehzüchters hält sie auch heute noch Schafe und Kühe. Für die Peulh wünscht sie sich, dass die Idee der Minimolkerei ein Erfolg wird und in verschiedenen Provinzen ähnliche Projekte realisiert werden können. Den mobilen Viehhaltern und Kleinbauern zu helfen, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern, ist ein Kampf, den sie bereits seit langem führt. Fatimata Valéa Diallo möchte den Menschen – und insbesondere den Landfrauen ihrer Volksgruppe – helfen, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dies geschieht nter anderem durch eine Verstärkung der technischen und materiellen Kapazitäten im Kampf ums Überleben. Zu ihren Aufgaben gehören: Planung, Durchführung und Monitoring der Projekte, Betreuung, Unterstützung und Beratung der Mitarbeiter vor Ort, der Gemeinden, des Koordinators, strategisches Handeln und politische Einflussnahme auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.

Burkina Faso – das Land

Im Zentrum Westafrikas, 500 km vom Atlantischen Ozean entfernt, liegt Burkina Faso (früher Obervolta) mit einer Fläche von 274.200 km². Zum Vergleich zu Deutschland, hat Deutschland eine Größe von 357.000 Quadratkilometer. Begrenzt wird es von den Ländern Mali im Norden, der Elfenbeinküste im Westen, vom Niger im Osten und von Benin, Togo und Ghana im Süden. Die Hauptstadt ist Ouagadougou mit über zwei Millionen Einwohnern. Burkina Faso wird im Allgemeinen zur Gruppe der Sahelländer gezählt. Sahel bedeutet dabei, am Rande der Sahara gelegen. Die Sahelzone zeichnet sich durch geringe Niederschlagsmengen (über 600 Millimeter/Jahr) und hohe Temperaturen aus.

Die Arbeit von Misereor

Die Förderung von Partnern und Programmen in Burkina Faso seitens MISEREOR existiert seit 1959. Aktuell fördern Misereor und KZE in Burkina Faso circa 29 laufende Projekte für einen Zeitraum von circa drei bis fünf Jahren mit einer Gesamtbewilligungssumme von circa 10,3 Millionen Euro. Im Jahre 2015 gab es elf Bewilligungen mit einer Projektsumme von fast 2,6 Millionen Euro. Der Wirkungsraum der Projekte liegt dabei vorwiegend im ländlichen Raum. Landwirtschaft, Viehzucht und Ressourcenmanagement, Wasserbewirtschaftungsprogramme und Sanitärversorgung sowie Förderung der Bürgerbeteiligung an politischen Gestaltungsprozessen stellen in Burkina Faso den Hauptfinanzierungsschwerpunkt dar.

Hier kann man Fatimata Valéa Diallo in den nächsten Tagen kennenlernen

Mittwoch, 8. März, 19 Uhr, Vortrag im Pfarrheim Teublitz (Schützenstraße 2)

Donnerstag, 9. März, 19 Uhr, Vortrag im Haus der Pfarrgemeinde Marklkofen

Freitag, 10. März, 19.30 Uhr, Vortrag im Pfarrheim Waldthurn (Vohenstraußerstraße 14)


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