24.01.2017, 10:57 Uhr

Meinung Kommentar zur Spendenaffäre: Regensburg braucht einen Neustart

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ist in seiner Weihnachtsansprache auch auf die Spendenaffäre eingegangen. Foto: Screenshot YoutubeOberbürgermeister Joachim Wolbergs ist in seiner Weihnachtsansprache auch auf die Spendenaffäre eingegangen. Foto: Screenshot Youtube

Keiner weiß, wie ein Gericht über Joachim Wolbergs urteilt, sicher ist aber: Seine Zeit als Oberbürgermeister ist vorbei. Jetzt stellt sich die Frage, wie es weitergeht in der Stadt.

REGENSBURG Keiner weiß, was am Ende bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in der Spendenaffäre herauskommt. Doch umso mehr ich mit Menschen spreche, vom normalen Bürger bis zum Aufsichtsratsvorsitzenden, desto deutlicher wird: Der tiefe Fall von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ist eine Tragödie. Auch wenn die Unschuldsvermutung nach wie vor gilt, wiegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft schwer. Es gibt kein Zurück für ihn.

Doch gleichzeitig sagen mir viele: Bitte, richtet jetzt nicht, der Mann liegt am Boden. Man muss sehen, dass er am Ende wieder in ein normales Leben zurückfindet. Als kommunaler Wahlbeamter steht man in Wolbergs‘ Situation faktisch vor dem Nichts: Da er nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen darf, würde er am Tag nach einem Rücktritt zu einem Hartz-IV-Fall. Das Erbe seines Vaters hatte Wolbergs in den Wahlkampf gesteckt.

Er selbst kündigte stets an, er würde im Falle einer Verurteilung nach Ostfriesland gehen, wo noch ein Haus seiner Eltern steht. Aber ist es richtig, ihn mit Schimpf und Schande aus der Stadt zu vertreiben? Selbst wenn all das zutrifft, was die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, so muss am Ende doch immer noch der Mensch hinter dem Politiker gesehen werden. Der machte es niemanden leicht, ganz klar. Die Trennung von seiner Frau war etwas, das viele Regensburger mit kritischem Blick sahen, vor allem auch, weil Wolbergs seine Familie im Wahlkampf aktiv auf die Bühne holte. Doch es geht nicht nur um ihn. Es geht auch um die beiden Kinder, die in Regensburg zur Schule gehen. Es geht um Anja Wolbergs, die in einen Strudel gerissen wurde, dessen Tiefe nicht abzusehen ist.

Das hier ist kein Versuch, Wolbergs reinzuwaschen. Am Ende wird ein Richter über seine Schuld entscheiden. Unabhängig davon: Die Ära Wolbergs ist nun zu Ende. Bis Freitag wird mit Sicherheit eine Entscheidung gefallen sein. Entweder er wird vorläufig des Dienstes enthoben, oder er wird selbst Konsequenzen ziehen. Dann hätten wir bis Ostern Neuwahlen. Regensburg muss einen kompletten Neustart schaffen. Ein unbelasteter Kandidat, der Gräben schließen kann, muss es werden.


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