27.01.2015, 11:15 Uhr

Schließung in Pfarrkirchen unumgänglich? ÖDP-Veranstaltung: Krankenhäuser – Rottaler Politik doktert weiter herum!

Foto: Rottal-Inn KlinikenFoto: Rottal-Inn Kliniken

ÖDP-Kreisrat und Klinik-Aufsichtsrat Josef Rettenbeck sieht zwei Optionen für Pfarrkirchen: Schließung 2020 oder Portalklinik+++Bürgermeister Wolfgang Beißmann (CSU): Mut haben, Strukturen zu verändern+++Pfarrkirchner Ärzte beklagen Patientenflucht

PFARRKIRCHEN Das Herumdoktern in der Rottaler Krankenhaus-Politik geht weiter: Wer ein ausgeglichenes Ergebnis der Rottal-Inn-Kliniken will, kommt laut Aufsichtsrat und ÖDP-Kreisrat Josef Rettenbeck um einschneidende Maßnahmen wie der Schließung des Pfarrkirchner Hauses oder der Reduktion zur Portalklinik nicht herum. Bei einem entsprechenden Kreistagsbeschluss im laufenden Jahr werde 2020 zugesperrt, erklärte Rettenbeck auf einer Veranstaltung der ÖDP-Fraktion am Montagabend, 26. Januar 2015, vor rund 60 Zuhörer im Hotel Spatzl in Pfarrkirchen.

Und alle paar Jahre grüßt das Murmeltier. Die Rottaler Kreisräte stehen ähnlich wie 2009 vor einer wichtigen Weggabel: ÖDP-Kreisrat und Klinik-Aufsichtsrat Josef Rettenbeck sieht das Rottaler Gremium vor einer Zerreißprobe. Die Rottal-Inn-Kliniken machen wieder ein Millionen-Defizit. Es geht um das Überleben des Kreiskrankenhauses Pfarrkirchen. In der Kreisstadt sei der „Kirchturm“ besonders hoch, meint Rettenbeck. Er gehe kühl an die Sache: „Mir ist ein politischer Selbstmord lieber als ein Scherbenhaufen.“

Die ökonomischen Vorzeichen erfordern Handeln: „Die Erlöse der Fallpauschalen steigen in 2015 um 2,1 Prozent, die Personalkosten um 3,0 bzw. 4,0 Prozent“, rechnet Rettenbeck vor. In Eggenfelden rechne man mit 600.000 Euro Defizit, in Pfarrkirchen mit 2,0 Millionen Euro. Es gebe grundsätzlich zwei Optionen: Pfarrkirchen schließen oder als Portalklinik führen. Wenn es zu einer harten Entscheidung kommen sollte, schlägt Rettenbeck ein Ratsbegehren vor, bei dem die Bürger entscheiden sollen.

Die von einem früheren Gutachten herrührenden Strukturen machen es laut Pfarrkirchens Bürgermeister Wolfgang Beißmann (CSU) nicht einfach. „Wir müssen den Mut haben, Strukturen zu überdenken“, appellierte er. Die Politik sollte das neue Gutachten abwarten. Ziel sei es, zwei starke Häuser aus einer fairen Ausgangsposition entstehen zu lassen. „Die Bürger haben Anspruch auf vernünftige Versorgung.“ Und: Pfarrkirchen trage mit einer entsprechenden Summe zur Kreisumlage bei und damit zur Finanzierung der Krankenhäuser.

Pfarrkirchner Krankenhaus-Mediziner sehen wegen des unterschiedlichen Angebots und der Bewertungsmethode die Klinik der Kreisstadt im Nachteil. Dabei seien die so genannten Infrastruktur-Kosten laut einer Unternehmensberatung in Pfarrkirchen bei 1 : 140 (Arzt: Patienten) günstiger als in Eggenfelden mit 5: 280. Das Haus in der Kreisstadt müsse aber die Fälle zum operativen Eingriff nach Eggenfelden abgeben, während umgekehrt keine Patienten nach Pfarrkirchen geschickt werden, wie Chefarzt Franz Schießl bemängelt. Sein Fazit: „Wer den Patienten entlässt, bekommt den Fall gut geschrieben.“

Für Pfarrkirchen bleibe meist nur ein kärgliches Rest der Fallpauschale. Schießl führt acht Gründe an, warum die „Innere Medizin“ rückläufige Patientenzahlen habe. Wichtigster Grund: Die Patienten aus dem östlichen Landkreis bleiben aus: Rettungsdienste fahren Birnbacher ins Krankenhaus nach Rotthalmünster, Egglhamer werden ins Vilshofener Krankenhaus eingeliefert.

„Wenn täglich zwei Patienten aus dem östlichen Landkreis stattdessen in die Klinik der Kreisstadt kämen“, so rechnet Chefarzt Schießl vor, „dann sind das zusätzliche 700 Patienten.“ Bei einer Fallpauschale von 2.000 Euro ergeben sich Zusatzerlöse von rund 1,4 Millionen Euro.

Chefarzt Schießl geht davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Simbacher aus Enttäuschung über die Schließung des eigenen Akutkrankenhauses sich in ein Haus östlich oder westlich der Landkreisgrenzen behandeln lassen.Krankenhaus-Arzt Dr. Hans Ziegler befürchtet bei einer Schließung des Pfarrkirchner Hauses das Damokles-Schwert der Patientenflucht: Enttäuschte Pfarrkirchner Bürger werden sich rundherum behandeln lassen, nur nicht in Eggenfelden.

Ist so ein Effekt zu befürchten? „Dann haben wir ein großes Problem“, gesteht Aufsichtsrat Josef Rettenbeck. Es sei selbstzerfleischend, wenn es Aufrufe gebe, das überlebende Krankenhaus zu meiden. „In einigen Jahren steht die Landkreis-Politik mit der Eggenfeldener Klinik vor einem ähnlichen Strukturproblem“, gibt der Pfarrkirchner Allgemeinarzt Christian Bambauer zu bedenken.


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