10.12.2012, 00:00 Uhr

Musikalischer Appell an Horst Seehofer: Unverbaute Donau könnte mal „König Horst Abschnitt” heißen

Wie Sänger Hans-Jürgen Buchner alias „Haindling” dem Ministerpräsidenten bei dessen Donau-Mission am Montag unter die Haut ging.

DEGGENDORF/VILSHOFEN Zuhören, verstehen, handeln”, unter dieser Prämisse sei er nach Niederbayern gekommen, sagte der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer am Montag. Er sei an die Donau gekommen, um sich vor Ort über die Ausbaumöglichkeiten und den Hochwasserschutz zu informieren.  Er sei dabei „völlig ergebnisoffen”, betonte Seehofer, wolle sich für und wider zu den einzelnen Ausbauvarianten anhören und danach möglichst „schnell und zugleich verantwortungsbewusst entscheiden”. Bereits zum Jahreswechsel oder spätestens in den ersten Januarwochen solle dann  die Entscheidung fallen, wie es an der Donau weitergehe.

Für ihn, so Seehofer bedeute die Donaubereisung eine Welturaufführung: „In 40 Jahren Politik habe ich so etwas noch nicht erlebt.” Aber schließlich handle  es sich beim Donauausbau um eine Generationenentscheidung, so dass der Aufwand durchaus gerechtfertigt sei. 13 Referate gab es an Bord  des Passagierschiffs „Kristallköngin” zu hören. Experten aus verschiedenen Ministerien und Behörden, aber auch Ausbaugegner und Politiker aus Anliegerkommunen entlang des Donauabschnitts zwischen Straubing und Vilshofen sowie Vertreter von Interessensverbänden kamen dabei zu Wort. Dazu legte das Schiff unterwegs zwei Stopps ein. In Deggendorf und Niederalteich konnten sich auch die vom Donauausbau betroffenen Bürgerinnen und Bürger zu Wort melden.

In Deggendorf geleitete Landrat Christian Bernreiter den Ministerpräsidenten in das am Donauufer gelegene Ruderhaus. Die Politiker mussten dabei durch ein Spalier von Rudern marschieren. Auf zahllosen Transparenten zeigten die Deggendorfer, dass sie von den Ausbauplänen an der Donau wenig begeistert sind. Im Ruderhaus übergaben Vertreter von Umweltverbänden dem Ministerpräsidenten mehr als 100000 Unterschriften gegen einen Staustufenbau. 

Prominentester Ausbaugegner im Ruderhaus war Hans-Jürgen Buchner, der Chef der Gruppe „Haindling”. Zu der Melodie von Louis Armstrongs „What a wonderful world” hatte Buchner  bayerische Verse über ein „wunderscheens Land” geschrieben. Und vorgeschlagen, dass  der unverbaute Teil des Flusses – wenn er es denn bleibe – einmal „König Horst Abschnitt” genannt werden könnte.  Seehofer zeigte sich vom Auftritt des Musikers sichtlich beeindruckt. „Das ging mir unter die Haut”, sagte der Ministerpräsident und bescheinigte dem Künstler dass er „den Nerv der Menschen getroffen hat.” 

Noch mehr Menschen als in Deggendorf warteten dann in Niederalteich  auf das Schiff mit Seehofer und seinem Tross. Mit Fahnen und Trommeln wurden der Ministerpräsident und seine Mitreisenden zum Feuerwehrhaus geleitet. Auch dort konnten die Bürger ihre Anliegen vortragen. Obwohl das Feuerwehrhaus leergeräumt worden und der Platz davor mit überdacht worden war, reichte der Platz nicht aus, um alle Menschen Schutz vor dem genau zu diesem Zeitpunkt niedergehenden Schneeschauer zu bieten. Aberauch in der Kälte hörten die Leute zu. Besonders gefeiert wurde in Niederalteich Umweltminister Marcel Huber, der sich schon vor Wochen gegen einen Staustufenbau ausgesprochen hatte. „Marcel! Wir danken Dir!”, stand auf Fähnchen zu lesen, die am Donauufer angebracht waren.

Protestiert gegen den Staustufenausbau wurde auch als das Schiff des Ministerpräsidenten Hofkirchen und  Mühlham passierte. Hofkirchens Bürgermeister  Willy Wagenpfeil , der zu dem Protest aufgefordert hatte, winkte vom Schiff aus seinem Bürgerinnen und Bürgern zu. Mit an Bord war auch Osterhofens Bürgermeisterin Liane Sedlmaier. Sie hatte an Bord ausgesprochen, was den meisten Bürgermeistern auf der Seele lag. Damit in den Gemeinden weiter geplant und gearbeitet werden könne, sei eine schnelle Entscheidung nötig, egal wie sie letzlich ausfalle.

Das versprach Ministerpräsident Horst Seehofer dann auch bevor das Schiff das Ziel in Vilshofen erreichte. „Die vielen Gutachten, die wir heute gehört haben, sie haben geholfen, machen die Entscheidung aber nicht leichter”, sagte Seehofer. „Die Gutachter nehmen uns die Arbeit nicht ab, es bleibt eine politische Entscheidung, die gefällt werden muss.” 

Seehofer machte aber deutlich, dass die Ökologie eine wichtige Rolle spielen werde, ebenso der Hochwasserschutz. Wie letztlich entschieden werde, so Seehofer, das könne er am Ende dieser Donaureise noch nicht sagen. Das werde noch einige Beratungsrunden brauchen. Sein Ziel sei aber keinesfalls „Wachstum um jeden Preis.” Und auf jeden Fall wolle man zusammen mit den Verantwortlichen vor Ort entscheiden, schließlich gehe es um deren Heimat.


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