21.09.2010, 13:33 Uhr

Der Vogelhändler – entstaubt und mit Spaß-Garantie!

Die PaWo-Premieren-Kritik

PASSAU Wem Operettenaufführungen verstaubt und unzeitgemäß erscheinen, der sollte dem Landestheater Niederbayern einen Besuch abstatten. Bei der aktuellen Inszenierung des Operettenklassikers „Der Vogelhändler“ von Beate Vollack und Natascha Ursuliak wurden Operetten-Evergreens wie „Die Christl von der Post“ oder „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ mit einer neuen Textfassung von Markus Koch zu einer spritzigen Komödie mit Spaßgarantie vermengt. Die Handlung wurde hierbei kurzerhand ins Theater verlegt und stellte herrlich überzogen die Befindlichkeiten dieses Betriebes dar.

Die Darsteller überzeugten durchwegs mit Spielfreude und sehr gelungenen Gesangsdarbietungen. Kurfürstin Marie (Elizabeth Immelman) gibt die an der Treue ihres Ehemannes zweifelnde ehemalige Opernsängerin, begleitet von ihrer Souffleuse, der steif zickigen Adelaide (Anna Janiszewski). Weps (Evert Sooster) gefällt sich als Intendant und Regisseur in der Rolle des verkannten Genies, der von Schneck, dem Referenten des Kurfürsten (Mikolaj Jan Walerych), mit immer neuen Ideen an der Ausübung seines künstlerischen Potentials behindert wird. An der Seite von Weps: Sein Neffe und Zögling Stanislaus (Albertus Engelbrecht), welcher sich im Laufe der Handlung vom Hoppelhasen zum Kurfürst-Double und Schürzenjäger wandelt.

Harald Wurmsdobler spielt Adam, den Geliebten von Christel und seines Zeichens Tenor am Tiroler Tournee-Theater, der anfangs nichts von Heirat wissen will. Lediglich Christl ist in dieser Inszenierung das, was sie schon immer war: die Postbotin. Sehr schön, wie sie die verschiedenen Stimmungen von naiv-traurig bis selbstbewusst-energisch gesanglich umsetzt.

Auch sehr gelungen der Auftritt von Oscar Imhoff und Kyung Chun Kim, welche als Süffle-(Richard) Wagner und Würmchen (Wolfgang Amadeus) Mozart dem Intendanten Weps erscheinen. Zusammen mit Chor und Niederbayerischer Philharmonie unter Leitung von Basil H. E. Coleman wurden die beliebten Operettenmelodien sehr spritzig, mitreißend dargeboten. Insgesamt ein sehr begeisternder Operettenabend im leider nicht voll besetzten Stadttheater Passau. Den Anwesenden jedoch gefiel es, was man schon während der Aufführung sowie am langanhaltenden Schlussapplaus bemerkte.

Verfechter von werktreuen Inszenierungen seien allerdings gewarnt: Es könnte sein, dass Sie sich köstlich amüsieren. Zu erwünschten Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Regisseur, Intendanten oder Generalmusikdirektor.


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