18.04.2017, 00:00 Uhr

OB Duppers kreative Chance

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Passaus frei werdender Winterhafen bietet eine Menge Potenzial für die Stadtentwicklung.

PASSAU Nicht selten müssen sich OB Jürgen Dupper und seine Rathaus-Riege den Vorwurf gefallen lassen, er würde die Stadt Passau nur verwalten statt gestalten. Dass er Zukunftsinvestitionen lieber auf dem Altar seiner eisernen Sparpolitik opfern würde. Dass im Rathaus fantasievolle Kreativität der einzelnen Köpfe nicht unbedingt gefragt sei. Dass Ideenlosigkeit den Beamten-Alltag bestimmen würde. Nun, ob diese Vorwürfe stimmen, mag dahingestellt bleiben. Aber dass zur Halbzeit der zweiten Amtsperiode von OB Dupper der Baubeginn einer Dreifachturnhalle als wuchtiger Meilenstein gefeiert wird, ist schon bezeichnend. Dabei hätten OB Dupper und sein Team jetzt die Chance, die Unkenrufer Lügen zu strafen: Plan frei für das Racklauer Hafengelände!

2018 könnte der Winterhafen für die Stadtentwicklung Passaus von entscheidender Bedeutung werden: die riesige Halbinsel in der Donau wird freigemacht, hier könnte sich Passau frei entfalten. Das hat man seit Jahren im Rathaus gewusst – aber Pläne liegen dafür offenbar keine in der Schublade, weil’s offenbar keiner am Schirm hatte.

Das war früher eben anders: ehemaliges Bundeswehrgelände, Exerzierplatz, Lokschuppenareal – da haben kreative Stadtentwickler im Rathaus ganz selbstständig und in Eigeninitiative einfach mal ihrer Zukunftsvorstellung freien Lauf gelassen und Pläne gefertigt, wie Passau mal aussehen könnte. Auch wenn vielleicht vieles davon aus unterschiedlichen Gründen nie umgesetzt wurde oder werden konnte, aber immerhin hat man sich vorher Gedanken gemacht und nicht erst, wenn es ein Stadtrats-Ausschuss befiehlt.

Heute muss ein Stadtrat Alois Ortner erst ein Entwicklungskonzept für eine Fläche wie den Winterhafen einfordern – und die Ideen dazu gleich mitliefern wie z. B. Wohnbebauung mit Wasserblick oder Touristenattraktion Wassertaxi. Tatsächlich steckt in dem außerordentlichen Gelände eine Menge Potenzial. Wie schön so was sein kann, kann man sich donauabwärts in Linz ansehen, wo die Stadtväter ebenfalls eine Brache an der Donau zum Wohnpark mit sensationellem Flair entwickelt haben. Aber in Passau gibt es bis dato nix Konkretes, weil das Grundstück ja nicht der Stadt gehört – und deshalb kann man die Hände getrost weiter in den Schoß legen. Nun, das ist aber beileibe kein Grund, nicht einfach mal darüber nachzudenken und Ideen zu entwickeln für den Fall der Fälle.

Aber wie auch immer: Der Winterhafen zusammen mit dem ebenfalls seit Jahren in der Schwebe stehenden Bahngelände gleich gegenüber wäre eine Chance, dass die Ära Dupper doch noch als eine kreative in die Stadtanalen eingehen könnte. Dass man im Rathaus nicht nur die Gegenwart gut verwalten, sondern auch die Zukunft gut gestalten kann. Er müsste den Ball nur aufnehmen – auch wenn er von der CSU zugespielt wurde.


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