28.03.2017, 00:00 Uhr

Schwarzer „Schulz-Effekt“ in Passau?

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Georg Steiner wirft das Handtuch: CSU Stadt Passau wieder mal vor Neuanfang

PASSAU Nach nur zwei Jahren ist Schluss: Georg Steiner gibt den Posten des Passauer CSU-Kreisvorsitzenden ab, die CSU steht wieder mal am Scheideweg, muss sich für die parteiinterne Wahl im Frühjahr einen neuen Chef suchen. Wundert‘s wen? Eigentlich nicht! Steiners Entscheidung ist für Kenner der Passauer Polit-Szene keine Überraschung. Schon seit Monaten deutete sich an, dass der Linzer Tourismusdirektor und Stadtrat aus Heining das Handtuch werfen könnte. Er, der die CSU hätte wieder auf Kurs bringen sollen, verzweifelte zwei Jahre lang immer wieder an engstirnigen Widerständen aus den eigenen Reihen. Statt die Passauer CSU zusammenzuschweißen, blieb sie gespalten. Steiner scheiterte an der tiefen Kluft zwischen seinem eigenen engagierten politischen Anspruch strategischer Neuausrichtung und der banalen Wirklichkeit einer Kleinstadt-Politik, der nun mal das kaputte Bankerl im Hacklberger Stadtpark näher ist, als intellektuelle Kultur-Visionen zur Stadtentwicklung. Die frustrierende Folge: Themen verpufften im Nirvana, weil keiner seiner Parteikollegen Steiners Bälle fangen konnte (oder wollte?). Das hatte Steiner bald erkannt, der Griff nach der Reißleine (auch im Hinblick auf seine eigene Reputation) war daher nur eine Frage der Zeit – und des richtigen Zeitpunkts im Sinne einer Schadensbegrenzung.

Einige in der CSU, die von Anfang an mit der Person Steiner so ihre Schwierigkeiten hatten, mögen nun hämisch grinsend feststellen: „Des hamma ja glei g’wusst, dass des nix wird!“ Doch die Zukunfts-Akzente, die Steiner als CSU-Chef gesetzt hat, sind zweifellos richtig, will die CSU endlich aus ihrem Tief kommen und wieder an die Erfolge aus glorreicheren Zeiten anknüpfen. Alte Zöpfe abzuschneiden und alte Pfründe aufzuweichen war schon immer eine Sisyphusarbeit für jeden neuen Vorstand der Passauer CSU. Bis dato hat dies deshalb noch keiner wirklich geschafft. Vielleicht hatte Steiner daher von Anfang nicht wirklich eine Chance.

Der neue Mann – wer immer das am Ende sein mag – schon? Die CSU will sich neu in Stellung bringen, mit neuen jungen Gesichtern das Ziel Kommunalwahl 2020 ins Visier nehmen, mit einem Vorsitzenden an der Spitze, der – anders als der glücklose Steiner – schon vor seiner Wahl mit der alten CSU-Tugend der Geschlossenheit von allen getragen wird. Die Frage ist nur, ob der neue Kreisvorsitzende aus der bequemen alten, etablierten Riege stammen wird, oder ob die CSU-Funktionsträger den Mut haben, ihren Delegierten einen unverbrauchten Newcomer zu präsentieren, der den Spagat zwischen bodenständiger Politik näher am Menschen und visionärer Gestaltungs-Politik schafft und so tatsächlich für eine Art „schwarzen Schulz-Effekt“ in Passau sorgen könnte. Die CSU Passau-Stadt nimmt also einmal mehr einen neuen Anlauf – mal schauen, ob‘s diesmal klappt.


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