25.04.2012, 10:59 Uhr

Kommentar der Woche Legen Sie die Karten auf den Tisch, Herr Landrat!

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Ich muss zugeben, zu Beginn der Kreisausschusssitzung war ich (fast) tief gerührt. Gerührt davon, wie der Landrat von der schweren Jugend seiner Kinder berichtete.

LANDSHUT Mit einem Vater, der Landtagsabgeordneter war und jetzt Landrat ist, war es bestimmt nicht immer einfach für den Nachwuchs. Zu Herzen ging mir auch – fast – die Stellungnahme des Ordnungsamtsleiters, der ja in Arbeit erstickt und deshalb nicht mal Zeit hat, um mit Bürgermeistern zu telefonieren, was so eine Lapalie wie die Unterbringung der Asylbewerber betrifft.

Fast wäre mir eine Träne über die Backe gekullert. Aber eben nur fast. Denn es geht hier nicht um die familiären Sorgen des Landrats. Es geht hier um Menschen, die richtige Probleme haben. Um Asylbewerber. Es geht darum, dass allem Anschein nach mit ihnen richtig Geld verdient werden kann.

Respekt, Herr Eppeneder. Sie haben am Montag immer wieder Aufklärung versprochen. Lobenswert. Nur: Gekommen ist aber nicht viel. Sie waren ganz der professionelle Politiker, dem natürlich nur daran gelegen ist, für Transparenz zu sorgen. Fraglich ist nur, warum sie nicht gleich mit der ganzen Wahrheit rausrücken? Damit zu Beispiel, dass es offenbar noch eine zweite Immobilie  gibt.

Zwar soll es jetzt eine Untersuchungskommission geben. Das aber haben die Landkreisbürger, die richtige Information in der Sache verlangen, den Kreisräten zu verdanken, die – das wurde auch am Montag deutlich – von der Wochenblatt-Schlagzeile in der letzten Woche wie vor den Kopf gestoßen waren. Diese Kreisräte von den Freien Wählern, der SPD und den Grünen und auch weiten Teilen der CSU ist Respekt zu zollen.

Diesen Respekt verdienen Sie nicht, Herr Eppeneder. Vor allem, da jetzt noch eine Immobilie im Spiel ist.

Es soll eine Untersuchungskommission gegründet werden.  Tatsächlich stimmten auch Sie, Herr Landrat, für eine solche Kommission. Allerdings wäre es wohl besser gewesen, wenn Sie am Montag gleich die ganze Sache offen dargelegt hätten. Und zwar in der öffentlichen Sitzung und nicht nur mit Schreiben an die Kreisräte, wie Sie es versprochen haben.

Schockiert hat mich auch, dass der Ordnungsamtsleiter offen zugab, dass die Arbeitsbelastung durch die Asylbewerber offenbar (zu) hoch für seine Abteilung ist. Betont nicht immer der Landkreis, dass man bereits seit letztem Jahr vorhatte, die Asylbewerber dezentral unterzubringen? Warum waren Sie nicht vorbereitet, Herr Possart? Dass Asylbewerber im Januar „angeliefert werden“, wie Sie es ausdrückten, konnte Sie doch nicht überrascht haben. Oder etwa doch?

Am Rande zu bemerken ist, dass immer mehr Details an die Oberfläche kommen. Das Wochenblatt wird mit Informationen, auch namentlich gekennzeichnet, überhäuft. Und sogar die Kreisräte werden jetzt selbst aktiv, um Licht in die Sache zu bringen. Zum Beispiel Gisela Floegel, die das Wochenblatt darauf hinwies, dass es noch eine zweite Immobilie gibt, die man sich näher anschauen sollte. Oder Hans Weinzierl (FW), der sich die Unterkünfte ebenfalls selbst ansieht.

Was kommt da noch ans Licht, Herr Landrat? Rücken Sie jetzt endlich raus mit der ganzen Wahrheit. Oder die ganze Angelegenheit wird sich noch über Wochen hinziehen. Wenn alles so legal und einwandfrei ist, wie sie immer wieder beteuern, dann sagen Sie jetzt endlich, was Sache ist!


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