26.10.2017, 09:27 Uhr zuletzt aktualisiert vor

B15n-Anbindung an die Autobahn verzögert sich weiter Millionenpoker um B15n-Anschluss


Erst hatte es geheißen, 2019 soll die B15neu bei Essenbach an die A92 angeschlossen werden. Im Mai war dann plötzlich davon die Rede, dass sich der Anschluss, für den eine Grundwasserwanne nötig ist, bis 2020 verzögert. Aktuell will man bei der Autobahndirektion Südbayern von einem fixen Fertigstellungstermin überhaupt nichts mehr wissen. Nicht etwa, weil technische Probleme vor Ort eine Vorhersage unmöglich machen würden. Vielmehr findet nach Wochenblatt-Informationen hinter den Kulissen ein nervenaufreibendes Pokerspiel mit der verantwortlichen Baufirma statt. Die Einsätze: Zeit und richtig viel Geld.

LANDSHUT Offiziell will man sich seitens der Autobahndirektion Südbayern lieber bedeckt halten, was das Millionen-Projekt angeht. Der Grund: Eine unbedachte Äußerung in der Öffentlichkeit könnte gravierende juristische Folgen haben. Nur so viel bestätigt der Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, Josef Seebacher: „Wir können derzeit nicht seriös sagen, wann der Anschluss fertiggestellt wird.“

Derzeit wird mit harten juristischen Bandagen gekämpft. Es geht nach Wochenblatt-Informationen – stark vereinfacht gesagt – darum, dass das spanische Bauunternehmen offenbar aus Vorgaben des Vertrages aussteigen will, weil die aus seiner Sicht nicht haltbar sind.

Die Autobahndirektion will das natürlich auf keinen Fall zulassen. Schließlich sind es Steuergelder, die hier verbaut werden und eine längere Bauphase bedeutet massiv höhere Kosten.

Zu solchen Auseinandersetzungen mit Baukonzernen kommt es im Zusammenhang mit Großbaustellen immer wieder. Der Grund: Bei den Ausschreibungen kalkulieren die Unternehmen knallhart, um ein günstiges Angebot abgeben zu können. Nach dem Zuschlag kommt dann das sogenannte Nachtragsmanagement ins Spiel. Das ist mittlerweile ein eigenes Studienfach, wie Seebacher erklärt. Dabei geht es um Leistungen, die ursprünglich im Vertrag nicht vorgesehen waren. Da tauchen zum Beispiel auf einer Baustelle plötzlich unvorhergesehene Schwierigkeiten auf, die eine Einhaltung des Zeitlimits unmöglich machen oder weitergehende Leistungen erfordern. So etwas bedeutet dann aber auch praktisch immer viel höhere Kosten als ursprünglich eingeplant. Der Auftraggeber wiederum versucht, auf die Einhaltung des Vertragswerkes zu pochen. Kommt es zum Streit zwischen Auftragnehmer und -geber, geht es auf Baustellen dann schon mal quälend langsam vorwärts, um den Vertragspartner unter Druck zu setzen.

Gearbeitet wird derzeit immerhin am künftigen B15neu-Anschluss bzw. der Grundwasserwanne bei Ohu, so viel steht fest. Erst vor Kurzem fanden Betonarbeiten statt. Fakt ist aber auch, dass eine Fertigstellung im Jahr 2019 und wohl auch 2020 Utopie ist. Wie zu erfahren war, finden derzeit gerade intensivste Verhandlungen zwischen Bauunternehmen und Autobahndirektion statt.

Vorsichtshalber macht man sich bei der Behörde in München – wo man hofft, wieder in „eine gemeinsame Spur zu finden“ – aber schon mal darüber Gedanken, wie die B15 neu über ein Provisorium an die A92 angeschlossen werden könnte.


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