19.08.2015, 15:59 Uhr

Jobcenter Zurück in die Arbeit, zurück ins Leben – ein neues Programm hilft Langzeitarbeitslosen

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"Langzeitarbeitslos" – wer diesen Stempel trägt, hat es schwierig, wieder einen Fuß ins Arbeitsleben zu bekommen. Dabei sind es oft Schicksale wie Krankheit, Unfälle oder die Aufgabe, Kinder alleine großzuziehen, die einen Menschen in diese prekäre Situation gebracht haben.

ABENSBERG Langzeitarbeitslos ist per Definition jemand, der seit mehr als einem Jahr arbeitslos ist – je länger diese Arbeitslosigkeit dauert, desto schwieriger wird es, diese Menschen wieder in Lohn und Brot zu bringen. Das wissen auch Michael Sturm und David Wierzioch, Geschäftsführer und stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters des Landkreises Kelheim in Abensberg. Umso mehr freut sie ein neues Förderprogramm, das das Jobcenter mit Unterstützung des Bundes und des Europäischen Sozialfonds (ESF) ab September anbieten kann. Ziel ist es, Langzeitarbeitslose, die bisher weit vom Arbeitsmarkt entfernt waren, wieder in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis zu bringen und damit diesen Menschen eine Chance zu geben, wieder im Leben Fuß zu fassen und nicht mehr das Stigma "langzeitarbeitslos" zu tragen.

"Harte Fälle" wieder ins Berufsleben integrieren

Doch nicht jeder kann an diesem neuen Programm, das das Jobcenter Kelheim in Kooperation mit dem Jobcenter des Landkreises Regensburg durchführt, teilnehmen. Mindestens zwei Jahre muss ein "Kunde" oder eine "Kundin" arbeitslos sein, das 35. Lebensjahr muss er oder sie vollendet haben und er oder sie darf keinen verwertbaren Berufsabschluss besitzen. Dann ist eine Förderung nach dem ESF-Programm möglich. Anton Stark vom Jobcenter ist Betriebsakquisiteur, er geht auf Arbeitgeber zu und versucht diese "harten Fälle" wieder in das Berufsleben zu integrieren. "Die Arbeitgeber sollten den Menschen sehen und ihm eine Chance geben", meint Sturm.

Als Anreiz wird dieser Arbeitgeber, der an diesem Programm teilnimmt, vom Jobcenter – beziehungsweise von den ESF-Mitteln – gefördert. In den ersten sechs Monaten übernimmt das Jobcenter ganze 75 Prozent, in den darauf folgenden neun Monaten 50 Prozent und weitere drei Monate 25 Prozent der Lohnkosten. Bei Intensivfällen – das heißt, wenn ein Langzeitarbeitsloser vorher mehr als fünf Jahre ohne Arbeit war – ist der Zuschuss an den Lohnkosten noch höher: In den ersten zwölf Monaten erhält der Arbeitgeber 75 Prozent Förderung, in den weiteren zwölf Monaten 65 Prozent und dann noch einmal zwölf Monate 50 Prozent Lohnkostenzuschuss.

Insgesamt mehr als 50 Fälle hat Stark ab September zu vermitteln und geht fleißig Klinkenputzen bei potentiellen Arbeitgebern in der Region. Vor allem Mittelständler seien bereit, an diesem neuen Programm teilzunehmen, berichtet Stark. Die Gefahr, dass es sich bei den zu vermittelnden Langzeitarbeitslosen um "billige Arbeitskräfte" für die Arbeitgeber handelt, sehen die drei Verantwortlichen nicht, schließlich müsse der Arbeitgeber auch das Risiko tragen. Als Unterstützung und "Brücke" zum Jobcenter vermittelt ein Coach, der den "Kunden" im neuen Betrieb besucht und das "zarte Pflänzchen" aufpäppeln soll, wie Sturm erklärt.

Freudentränen über eine neue Arbeit

Das Ziel ist klar: "Es soll in Arbeit einmünden. Ziel ist es, den Kunden bis zur Rente nicht mehr zu sehen", so Stark. "Dieses Projekt ist für das Jobcenter ein Segen", ist sich Wierzioch jetzt schon sicher. Er kennt Situationen, bei denen Langzeitarbeitslose vor Freude zu weinen anfangen, weil sie wieder eine Arbeit haben. "Die Dankbarkeit ist groß", so Wierzioch. Aber es müsse Bereitschaft zur Eigeninitiative da sein – der Zuschuss sei nur ein Türöffner. "Überzeugen müssen die ’Kunden‘ selbst durch gute Arbeit", stellt Strak klar.

Interessierte Arbeitgeber können sich bei Herrn Stark unter der Telefonnummer 09443/ 4998873 beim Jobcenter in Abensberg melden, interessierte Langzeitarbeitslose sollen ihren Arbeitsvermittler ansprechen.


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