09.11.2017, 15:37 Uhr

Prozess vor dem Landshuter Landgericht Wenn der Opa zum schrecklichen Albtraum wird – Enkelinnen sexuell missbraucht?

(Foto:Jürgen Unterhauser)(Foto:Jürgen Unterhauser)

Ein 69-Jähriger aus dem Landkreis Dingolfing-Landau muss sich derzeit vor Gericht verantworten.

DINGOLFING-LANDAU Ohne eine Miene zu verziehen verfolgte der Mann auf der Anklagebank, was ihm die von Staatsanwalt Gerald Siegl vertretene Anklage im Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts Landshut vorwirft: Der 69-Jährige aus dem Landkreis Dingolfing-Landau soll seine beiden Enkelinnen in den Jahren zwischen 2002 und 2008 schwer sexuell missbraucht haben. Erst vor zwei Jahren wurde von der Familie Anzeige erstattet, wohl aus Scham oder weil die Opfer das Geschehene zuerst ungeschehen machen wollten.

Die im Rahmen des Ermittlungsverfahrens per Videoaufzeichnung festgehaltenen Aussagen der mutmaßlichen Opfer wurden zum Prozessauftakt vom sachbearbeitenden Kriminalhauptkommissar detailliert geschildert. „Ich will jetzt sofort heim“, hat danach die damals siebenjährige Enkelin im Jahr 2002 ihre Eltern aufgefordert, nachdem ihr Opa im Spielzimmer sexuelle Handlungen an ihr durchgeführt haben soll. „Während eines Besuchs bei den Großeltern spielte das Mädchen im Zimmer nebenan“, berichtete der Kripobeamte. Auf den Boden kniend räumte es eigenen Angaben zufolge einen Korb mit Spielsachen aus. Ihr Opa habe sich dazu gesellt und ihr zunächst beim Sortieren geholfen. Dann habe er sie erst über der Kleidung am Rücken gestreichelt und dann auf übelste Weise im Intimbereich begrapscht. Laut Beamten soll sich dieses entsetzliche „Spielchen“ etwa 15 Minuten lang hingezogen haben. Immer wieder sei das Mädchen weggekrabbelt. Doch der Angeklagte ließ dem mutmaßlichen Opfer zufolge nicht locker und kroch hinterher, bis es endlich aufstand und aus dem Zimmer lief. Warum die damals Siebenjährige so abrupt nach Hause wollte, erzählte sie nicht einmal ihrer Mutter, die nach eigenen Angaben selbst in jungen Jahren vom eigenen Vater und jetzigen Angeklagten sexuell missbraucht wurde.

Zwischen 2007 und 2008 soll dann die Cousine, die zweite Enkelin des 69-Jährigen, Opfer des alten Mannes geworden sein. Auch mit der damals circa 8 Jahre alten Schülerin soll der Angeklagte ähnliche widerwärtige Grapschereien wie mit der anderen Enkeltochter praktiziert haben, drei bis vier Mal insgesamt. Das Mädchen stellte, so seine polizeilichen Angaben, seine Oma zur Rede. Doch die Großmutter habe nicht reagiert, lediglich ihrem Mann nur wissende, vorwurfsvolle Blicke zugeworfen. „Danach war Schluss damit“, erklärte die Schülerin in der Vernehmung.

Bei einem Familientreffen vor circa drei Jahren kamen die sexuellen Handlungen auf den Tisch und es wurde Anzeige erstattet. Überhaupt soll das Zusammenleben mit dem Angeklagten nie leicht gewesen sein, schon gar nicht, wenn Alkohol im Spiel war: So hagelte es Ohrfeigen, wenn der Vater getrunken hatte. Im stark alkoholisierten Zustand soll der Angeklagte unberechenbar gewesen sein. Deswegen beschlagnahmte die Polizei auch im Zuge der ersten Vernehmung die Pistole des 69-jährigen, mitsamt Munition. Man wusste ja nicht, wie der Angeklagte auf die Vorwürfe reagieren würde, so der zuständige Polizeibeamte.

Für den Prozess, der am 23. November 2017 fortgesetzt wird, sind noch vier weitere Verhandlungstage eingeplant.


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