13.11.2017, 15:38 Uhr

Paris (AFP) Frankreich gedenkt der Opfer der Pariser Anschläge


Macron und Hollande besuchen Stade de France und Konzerthalle Bataclan

Schweigeminuten, Blumen und Luftballons: Frankreich hat am Montag der 130 Toten und mehr als 350 Verletzten der Terroranschläge vor zwei Jahren gedacht. Präsident Emmanuel Macron und sein Amtsvorgänger François Hollande besuchten die sechs Pariser Anschlagsorte. Mitglieder der US-Band Eagles of Death Metal erinnerten mit einem Überraschungskonzert an die alleine 90 Toten des Angriffs auf die Konzerthalle Bataclan, in der sie damals auftraten.

Die Gedenkfeierlichkeiten begannen vor dem Fußballstadion Stade de France im Pariser Vorort Saint-Denis. Dort legte Macron gemeinsam mit dem örtlichen Bürgermeister Laurent Russier einen Kranz nieder.

Vor einem Eingang des Stadions hatte sich am Abend des 13. November 2015 während des Spiels zwischen Deutschland und Frankreich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und einen Busfahrer getötet. Er war das erste Opfer der Anschlagsserie, zu der sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte.

Im Anschluss nahmen Macron, Hollande und andere Vertreter aus Politik und Gesellschaft an Gedenkzeremonien vor Restaurants und Cafés im Zentrum der französischen Hauptstadt sowie vor der Konzerthalle Bataclan teil. Dort hatten die Dschihadisten ein Konzert von Eagles of Death Metal gestürmt und zahlreiche Besucher als Geiseln genommen.

Zudem ließ die Opfer-Organisation Life for Paris vor dem Rathaus des 11. Pariser Stadtbezirks wie schon im Vorjahr symbolisch Ballons für alle Opfer der Anschläge aufsteigen.

Bei der Gedenkfeier traten überraschend auch zwei Mitglieder der Eagles of Death Metal auf. Sänger Jesse Hughes und Gitarrist Dave Catching spielten für die 90 Toten des Bataclan unter anderem "Save a Prayer" - das Lied, das die Band kurz vor dem Angriff angestimmt hatte. Danach verteilten sie weiße Rosen an die Menge. "Wir haben gesehen, wie Menschen ihr Leben für ihre Freunde gaben", sagte der sichtlich bewegte Hughes.

Auch viele Überlebende nahmen an den Gedenkfeiern teil. "Ich bin seitdem nicht mehr im Bataclan gewesen", sagte ein Mann, der seinen Namen nur mit Patrice angab. "Aber es ist wichtig zu kommen - auch für diejenigen, die es nicht lebend hinausgeschafft haben."

Mehrere Hinterbliebene nahmen dagegen aus Protest gegen die Politik Macrons nicht an den Gedenkfeiern teil. Der Sohn des ersten Anschlagstoten, Michaël Dias, kritisierte im Sender BFMTV die Abschaffung des von Hollande eingesetzten Generalsekretariats für Opferhilfe durch die Regierung. Elisabeth Boissinot, deren Tochter Chloe in einer der Bars getötet wurde, beklagte auf Facebook, die Opfer seien "vergessen", und Macron nutze die Zeremonie, um eine "Ehrenrunde" zu laufen.

Nach Einschätzung des Inlands-Geheimdienstes DGSI bleibt Frankreich im Visier der Dschihadisten. Dessen Chef Laurent Nuñez sagte der Zeitung "Le Figaro", im Vergleich zu 2015 hätten sich die Methoden der Islamisten aber "professionalisiert". So setzten sie inzwischen deutlich stärkeren Sprengstoff ein, wie die Attentate von Barcelona und Manchester gezeigt hätten.

Als Drahtzieher der Pariser Anschläge gilt Abdelhamid Abaaoud, ein Belgier marokkanischer Herkunft. Er wurde wenige Tage nach den Attentaten bei einer Razzia der Pariser Polizei getötet. Nach Erkenntnissen der Ermittler gehörte er zu einem weit verzweigten Terror-Netzwerk, das auch für die Brüsseler Selbstmordanschläge mit 32 Toten im März 2016 verantwortlich war.

Der einzige Überlebende der Pariser Terrorkommandos, Salah Abdeslam, sitzt im Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses bei Paris ein. Dem in Belgien geborenen Franzosen soll im Dezember in Brüssel ein erster Prozess gemacht werden. Dabei geht es um Schüsse auf Polizisten bei seiner versuchten Festnahme im März 2016. Das Verfahren zu den Pariser Anschlägen ist noch in Vorbereitung.


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