28.02.2017, 09:42 Uhr

Kommentar der Woche

Der Narr ist nicht mehr politisch korrekt

Am Aschermittwoch ist alles vorbei! In diesem Jahr muss ich sagen, Gott sei Dank! Selten war der Fasching so langweilig.

Früher war der Fasching noch eine fast anarchistische Zeit, in der man sich Freiheiten herausnahm. Das „Normale“ galt im Rest vom Jahr, der König war abgesetzt, der respektlose Narr hatte das Zepter übernommen und stellte die Welt auf den Kopf. In München lief man „Schabernackt“ durch die Lokale, verkleidete sich als Cowboy, Indianer, Matrose, Scheich oder Mohr. Das kann man lustig finden oder nicht. Jedenfalls war das einmal unser Fasching.

Das war einmal. In Dietfurt tanzt man zwar noch den Chinesenfasching, doch in Raindorf wurde heuer der letzte „Negerball“ durchgeführt. In Fulda brauchte ein Karnevalsverein, deren Mitglieder sich als „Neger“ verkleideten, sogar Polizeischutz.

Mittlerweile wird mit dem Charme eines Schiffschaukelbremsers mit politischer Korrektheit alles regelrecht erstickt – nicht nur im Fasching. Da gibt es allen Ernstes Leute, die sitzen erhaben in ihrem Elfenbeinturm und pöbeln permanent auf alles ein, was nicht in ihr enges Weltbild passt. Man ereifert sich an altem Liedgut wie „Fuchs du hast die Gans gestohlen“. Und, was fast noch schlimmer ist: Es gibt Politiker, die knicken vor so etwas auch noch ein und setzen völlig spaßbefreit eines der bekanntesten Kinderlieder im deutschsprachigen Raum auf den Index. „Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode“, meinte einst William Shakespeare. Die einstigen Narrenhochburgen am Rhein haben sich längst in ein politisch korrektes Korsett gezwängt. Jetzt gibt es in Köln sogar die Aktion „Ich bin kein Kostüm“, da Verkleidungen jeglicher Art rassistische Typisierungen sind. Das Indianerkostüm könnte ja mit dem grausamen Kolonialismus gleichgesetzt werden. Männer, die sich als Frau verkleiden, könnten Transsexuelle diskriminieren. Sogar Steuergelder fließen in diesen bierernsten Antifasching.

Ich kann da nicht einmal mehr sagen, lasst doch die Kirche im Dorf. Denn da ist längst Hopfen und Malz verloren. Und leider ist heutzutage am Aschermittwoch auch nichts vorbei. Der ohnehin nicht mehr irrwitzige Fasching wird zwar begraben, das politische Duckmäusertum wird uns aber weiterhin drangsalieren.


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