22.09.2010, 14:24 Uhr

Kontroversen um geplanten Bürgerwindpark Wirbel um Chiemgauer Riesenwindräder

Im Chiemgau soll ein moderner Bürgerwindpark entstehen. Die fünf geplanten Windräder mit bis zu 180 Metern Höhe lassen die Gemüter hochkochen.

WAGING AM SEE Während die Regierung vor kurzem die Laufzeit von Atomkraftwerken verlängert hat, beschreitet man in Waging am See den entgegengesetzten Weg. Auf dem nordöstlichen Gemeindegebiet der Marktgemeinde soll in einem Waldstück nahe Kammer ein moderner Bürgerwindpark mit bis zu fünf rund 180 Meter hohen, leistungsstarken Windrädern entstehen (siehe unten). Der Wald gehört den bayerischen Staatsforsten und der Stadt Traunstein. Geplant wird die Anlage von der Green City Energy GmbH aus München. Vertreter der GmbH haben das Projekt jüngst in Otting der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Befürworter der Windkraft in unserer Region sind begeistert von dem Projekt. Doch auch die Kritiker haben bereits deutlich Stellung bezogen. Dabei handelt es sich in erster Linie um besorgte Anwohner.

Werden Urlaubsgäste verschreckt?

Sie befürchten unter anderem, dass es für sie möglicherweise durch Lärm, Sichtbehinderung und den Schattenwurf der sich drehenden Rotorblätter zu starken Beeinträchtigungen kommt.  Einige Anwohner bieten Ferien auf dem Bauernhof an und sind der Meinung, dass ein Bürgerwindpark die Landschaft arg verschandelt. Sie glauben, dass dadurch potenzielle Gäste abgeschreckt werden.

Die Kernaussage der Vertreter von Green City Energy lautet: Der mögliche Windpark soll im engen Dialog mit den Anliegern errichtet  werden. Die Bedenken der Bürger müssen ernst genommen werden. Stefan Erbacher, Projektleiter  für Bürgerwindparks bei Green City Energy, erklärte gegenüber dem Wochenblatt: „Fünf Windenergieanlagen sind das genehmigungsfähige Maximum. Die endgültige Anzahl, Nabenhöhe und die genauen Standorte werden im Rahmen der Mehrheitsfindung mit den Anliegern und in Absprache mit der Kommune getroffen.“

Vor rund vier Jahren hat der damalige Waginger Gemeinderat unter dem inzwischen verstorbenen Bürgermeister Sepp Daxenberger  im Flächennutzungsplan der Marktgemeinde ein mögliches Vorranggebiet für die Nutzung von Windkraft ausweisen lassen. Wegen dieses Vorranggebietes nahm  Green City Energy im Juni dieses Jahres Kontakt mit der Marktgemeinde Waging auf und stellte ihr die Pläne für eine Anlage mit bis zu fünf Windrädern modernster Bauart vor. Die Anlage ist als Bürgerbeteiligungsmodell gedacht und soll 13 Millionen Euro kosten.

Noch kein grünes Licht von Seiten der Gemeinde

Im Bau-, Werk- und Umweltausschuss der Marktgemeinde beschloss man, von Anfang an die Öffentlichkeit zu informieren und die Meinung der Anwohner einzuholen. Franz Röckenwagner, Geschäftsleiter der Marktgemeinde Waging betont, dass ein besonderes Abwägungsverfahren stattfinden wird.Die Marktgemeinde hat noch kein grünes Licht für das Projekt gegeben. Die Befürchtungen der Anlieger haben Vorrang und werden sehr ernst genommen. Der nächste Schritt sei jetzt, dass die Green City Energy GmbH Sprechstunden anbieten wird, um in den offenen Dialog mit den Bürgern zu treten.  Termine für diese Sprechstunden stehen noch nicht fest.

„Landrat Hermann Steinmaßl steht dem Projekt kritisch gegenüber”, erklärte ein Sprecher des Landratsamtes Traunstein. Die Befürchtungen der Anwohner müssten auf jeden Fall ernst genommen werden. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass wir in einer Tourismus-Region leben.

Gebiet ideal für die Nutzung von Windkraft

Windkraft-Pionier Jürgen Oberhauser, er hat bereits 1995 das landkreisweit erste Windrad beim Fernsehturm in Schnaitsee errichtet (aktuell gibt es fünf im Landkreis), erklärte im Gespräch mit dem Wochenblatt, dass das für dieses Projekt vorgesehene Gebiet ideal für die die Nutzung von Windkraft sei.  „Es wäre sehr schön, wenn dieser Bürgerwindpark gebaut werden könnte.” Vor allem, weil die Green City Energy GmbH ein Unternehmen sei, dem etwas am Umweltschutz gelegen ist und das den Bürgern die Möglichkeit biete, durch Investitionen direkt vom Ausbau der erneuerbaren Energien zu profitieren.

Anlage von gigantischen Ausmaßen

Der geplante Bürgerwindpark auf dem Gemeindegebiet von Waging am See könnte gigantisch werden. Nach Auskunft der Green Energy City GmbH sollen maximal fünf Windkraftanlagen mit je zwei bis drei Megawatt Leistung errichtet werden. Aus Rentabilitätsgründen sollen die Turbinen in einer Höhe von mind. 130 Metern montiert werden, was bei einem Rotordurchmesser von 100 Metern eine Gesamthöhe von 180 Metern und mehr ergibt. (Zum Vergleich: Die beiden Windräder in Palling sind je 138,5 Meter hoch und haben 1,5 Megawatt.)

Bevor der genaue Anlagentyp benannt werden kann, muss noch eine Windpotentialmessung durchgeführt werden. Die Gesamtkosten der Anlage sollen rund 13 Millionen Euro betragen.

Die Green Energy City GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der größten Münchner Umweltschutzorganisation Green City e.V. Ziel der GmbH ist in erster Linie die Umsetzung von Anlagen für erneuerbare Energien. Bisher wurden rund 150 Projekte realisiert und 160 Millionen Kilowattstunden klimafreundlicher Strom produziert.

Die GmbH agiert mit dem Geld von Bürgern für Bürger. Finanziert würde der Waginger Windpark durch Kredite und das Kapital von Bürgern vor Ort, die in das Projekt investieren und auf diesem Wege direkt vom Ausbau der erneuerbaren Energien profitieren können. In Bayern können mit Windkraft Renditen in Höhe von rund 5 bis 7 Prozent erzielt werden. Infos über die GmbH: www.greencity-energy.de bzw. unter Tel. 089-8906680.

Das ehrgeizige Klimaziel des Landkreises Traunstein

Der Landkreis Traunstein hat ein ehrgeiziges Ziel. Bis zum Jahr 2020 soll laut Energiekonzept der gesamte Energiebedarf des Landkreises in Höhe von 610 Millionen Kilowattstunden ausschließlich mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Rund 420 Millionen Kilowattstunden werden schon jetzt gedeckt. Etwa 290 Millionen Kilowattstunden mit Energie aus Wasserkraft, rund 100 Millionen Kilowattstunden mit Energie aus Biomasse und etwa 30 Millionen Kilowattstunden mit Sonnenenergie.

Im Landratsamt ist man zuversichtlich, dass das Klimaziel erreicht werden kann. Man setzt auf eine Kombination aus Wasserkraft, Bioenergie und Solarenergie sowie in erster Linie auf Energiesparmaßnahmen. Windkraft spielt laut Energiekonzept mit derzeit sieben Millionen Kilowattstunden pro Jahr nur eine untergeordnete Rolle.


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