12.08.2010, 11:49 Uhr

Seehofer tankt neue Kraft im Festzelt in Übersee Ministerpräsident nimmt Brauchtums-Bad

Sichtlich angeschlagen von der Umfragen-Affäre tankte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer neue Kraft beim Jubiläumsabend der Trachtler und der Blasmusik in Übersee.

ÜBERSEE Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat‘s derzeit wahrlich nicht leicht. In der unglücklichen Umfageffäre wegen der von der Staatskanzlei in Auftrag gegebenen Resonanzstudie steht Seehofer derzeit unter Dauerbeschuss der Opposition. Auch der Koalitionspartner FDP ist stark verschnupft. Zu allem Ärger lässt jetzt auch der Bundestag wegen der parteipolitisch motivierten Umfragen einen Verstoß der CSU gegen das Parteiengesetz von der Staatsanwaltschaft prüfen. „Sollte der Bundestagspräsident eine verdeckte Parteienfinanzierung feststellen, steht Herr Seehofer in voller Verantwortung. Er hängt dann voll mit drin", sagte der bayerische SPD-Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher aktuell der Tageszeitung der Welt. Wen wundert‘s, dass Bayerns politische Spitze derzeit angeschlagen wirkt. Ein Brauchtums-Bad in den Stammlanden Altbaierns wirkt da als kurze Urlaubsunterbrechung wie eine intensive Wellness-Behandlung für das strapazierte Gemüt. Sichtlich wohl tat einem gebeugt wirkenden Ministerpräsident Seehofer denn auch der Auftritt am Mittwoch im Festzelt in Übersee. Wie als Symbol spannte sich kurz vor dem Auftritt noch ein Regenbogen über den Himmel. In der Achentalgemeinde feiern noch bis 16. August die Blasmusik ihr 200-jähriges Bestehen und der Trachtenverein GTEV d'Buchwäldler Übersee ihr 90-jähriges Gründungsfest. „Wenn sich ein Politiker zu groß ist für eine kleine Gemeinde wie Übersee mit 5.000 Einwohnern, ist er bald zu klein für große Aufgaben”, erklärte Seehofer vieldeutig zum Auftakt. Wie er weiter sagte, sei der Erfolg des einstigen „Armenhauses” Bayern in Deutschland in der tiefen Verwurzelung der Bevölkerung in Brauchtum, Tradion und Glaube zu sehen. „Wir Bayern sind Tiefwurzler und bestehen damit auch die stärksten Stürme.” Wesentliche Bestandteile dieser Tradition im Spannungsfeld zwischen Laptop und Lederhose seien die Trachten- und Blasmusikvereine mit ihrer langen Tradition. Die besondere Stärke der Süddeutschen gegenüber Nord- und Ostdeutschen habe vor kurzem sogar der neue Chefredakteur des Magins Fokus, Wolfram Weimer, bestätigt. Das Motto „Verliebtsein ins Gelingen” stellte Seehofer als Auftrag für seine Politik vor. „Wir haben nur gute Minister in Bayern, - äh, auch Ministerinnen - sonst bekomme ich gleich nach der Rede wieder eine SMS”, erklärte der Ministerpräsident. Ein Beispiel dafür sei die praxisnahe, schnelle und unbürokratische Lösung des Mückenbekämpfungsproblems in Übersee. Hier hätten Landtagsabgeordneter Klaus Steiner und Umweltminister Markus Söder zum Wohle der Bevölkerung eng zusammengewirkt. Mit seinen Investitionen im Rahmen des Konjunkturprogramms und dem Kurzarbeitergeld habe Bayern während der Wirtschaftskrise 3.000 Unternehmen unterstützt. Oberster Grundsatz sei dabei gewesen, mit Blick auf die kommende Generation keine neue Schulden zu machen. Die Bildungs-, Sicherheits- und Energiepolitik waren weitere Themen, die der Ministerpräsident mit zunehmend brüchigerer Stimme streifte. Ganz offensichtlich mehr Spaß als die hartnäckigen Kämpfe auf der Berliner Polit-Bühne machten Bayerns Landesvater die anschließenden Vorführungen der Trachtler im Bierzelt. Eine echte Überraschung hatten schließlich Bürgermeister Marc Nitschke und MdL Klaus Steiner parat. Zusammen mit Geschäftsführer Rudolf Ehrenleitner, Träger der Bürgermedaille, überreichten sie dem Ministerpräsidenten eine Original-Trachtenjoppe der Firma Chiemseer Dirndl & Tracht, bei der auch schon Landesmutter Karin Seehofer wiederholt eingekauft hat. Vor der Entgegennahme des Geschenks (Steiner: „Das ist besser als die ewigen Zinnteller und Krüge”) musste Seehofer noch eine kurze Anprobe von drei Modellen meistern. Überseer oder Reit im Winkler, hieß die Frage mit Blick auf die unterschiedlichen Farbgebungen der Jacken. Seehofer jedenfalls wählte das Modell „Übersee“ in gedecktem Blaugrün. Mehr Infos lesen Sie in unserer Printausgabe am Mittwoch nächster Woche.


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