17.01.2014, 11:02 Uhr

Geburtsstation Zwiesel "Wir kämpfen mit aller Macht für den Erhalt"

Foto: L. WandtnerFoto: L. Wandtner

Die Geburtsstation am Zwieseler Krankenhaus ist seit 1. Januar geschlossen. Doch Vorstand und Landkreis arbeiten daran, zum 1. Juli die Wieder-Eröffnung hin zu bekommen. Wie das gehen soll, erklärten Landrat und Vorstand der Presse.

ZWIESEL Klarer als Landrat Adam und Krankenhaus-Vorstand Schmitz kann man sich nicht zur Zukunft des Geburtsstation erklären: „Wir versprechen, mit aller Macht am Erhalt der Geburtshilfe in Zwiesel zu arbeiten“, erklärten sie vergangene Woche unisono. Mehr, so machen sie aber auch deutlich, können sie nicht versprechen: Denn die Station soll zwar am 1. Juli 2014 wieder eröffnet werden – ob das tatsächlich klappt, steht aber noch in den Sternen.

„Es wird eine Herkulesaufgabe“, so Christan Schmitz, der sich zuversichtlich zeigt. Die vergangenen Wochen seit der vorübergehenden Schließung am 1. Januar habe man dazu genutzt, ein Konzept auf die Beine zu stellen. Dieses nennt sich „Aktionsplan“ und wird die Struktur und Finanzierung der Geburtsstation auf neue Beine stellen.

Krankenhaus nimmt viel Geld in die Hand

Abhängig ist die Wiedereröffnung zu einem wesentlich Teil davon, mindestens fünf Hebammen zu finden. Um das zu erreichen, hat das Krankenhaus das Finanzierungsmodell völlig neu überarbeitet. Bisher rechneten Hebammen direkt mit der Krankenkasse ab. "Doch damit können Hebammen nicht existieren", weiß Krankenhaus-Vorstand Schmitz. "Also müssen wir die Schwächen im System ausgleichen." Das könnte so aussehen: Ab 1. Juli soll immer eine Hebamme direkt am Krankenhaus Dienst haben. 12 Stunden soll eine Schicht dauern, dafür würde die Hebamme garantiert mit 300 Euro vergütet. Bei fünf Hebammen fielen im Monat 12 Schichten – das bedeutet also einen Mindestlohn von 3600 Euro im Monat. "Mit diesem Modell betreten wir Neuland", so Schmitz.

Ebenfalls neu aufgebaut werden muss das ärztliche Personal. "Wir brauchen einen Chefarzt, der bereit ist, hier in Zwiesel etwas ganz Neues aufzubauen", sagte Landrat Michael Adam. Also wünsche man sich eine enge Verbindung zur Region, eine langfristige Perspektive in der Zusammenarbeit und die Bereitschaft, sich mit dem Haus zu identifizieren. Dazu soll ein Fachärzte-Team auf die Beine gestellt werden. Untätig war man in der Hinsicht bislang nicht: Mit zwei möglichen Chefärzten ist man schon in Verhandlung, ebenso mit weiteren fünf Ärzten, die für die Station gewonnen werden könnten.

Adam kritisiert den politischen Willen Berlins

Klar distanziert sich Landrat Michael Adam von Vorwürfen, die Geburtsstation in Zwiesel sei aus betriebswirtschaftlichen Gründen geschlossen worden. "Ich will die Geburtsstation in Zwiesel unbedingt erhalten, beziehungsweise neu eröffnen", machte er deutlich. Allerdings seien die Rahmenbedingungen äußerst schwierig: "Es ist der politische Wille in Berlin, dass kleine Geburtsstationen wie die unsere in Zwiesel nicht mehr betrieben werden können", sagte er. "Deshalb bin ich davon überzeugt, Zwiesel ist nicht die erste und bestimmt nicht die letzte Geburtsstation, die geschlossen werden muss."

Dem trete er aber entschieden entgegen. "Meiner Meinung nach gehört eine Geburtsstation in den Landkreis, das zählt zu dem Angebot, das wir leisten müssen." Gewinne seien damit nicht zu machen, das Defizit sei aber überschaubar und werde deshalb in Kauf genommen. Deshalb gab er gemeinsam mit Vorstand Schmitz das Versprechen ab, alles zu tun, um die Geburtsstation für Zwiesel zu retten. Denn, so Adam: "Sonst ist das Krankenhaus Zwiesel ein Ort, in dem nur noch gestorben wird."

Mehr zum Thema lesen Sie im Bayerwald Wochenblatt am Mittwoch, 22. Januar 2014.


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