20.09.2010, 16:06 Uhr

105 Zentimeter lange Waffe Degenfund führt zu Ritterbund

Ein gar nicht so alter Degen bringt Kollnburger und die Ritter von „Falkenfels zu Strupinga“ zusammen

KOLLNBURG Ein bereits während der Weltwirtschaftskrise 1929 hinter einem Felsen am Burgberg gefundener Degen hat vor einiger Zeit Bürgermeisterin Josefa Schmid aufhorchen lassen, lag doch die Vermutung nahe, dass es sich bei der etwa 105 Zentimeter langen Waffe mit einem Holzgriff und einer leicht gerundeten Spitze sowie einer fünfgittrigen Spanne und einem schildartigen Blech als Griffschutz um ein Überbleibsel aus der Kollnburger Ritterzeit handeln könnte.

Anfragen beim Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt und bei der Hermann Historica oHG in München ergaben dann zwar, dass es sich bei dem Degen nicht um ein Stück aus dem Mittelalter handelt, sondern „nur“ um einen so genannten „Schläger“, vermutlich aus dem 19. Jahrhundert, der zumeist in ritualisierten Duellen von Studentenverbindungen Verwendung fand und auch heute noch findet. Doch obwohl sich damit ihre Hoffnungen auf eine historisch wertvolle Entdeckung zerschlagen hatten, zeigte sich Bürgermeisterin Schmid keineswegs enttäuscht.

Denn zum einen hat der Degen neben einem gewissen materiellen Wert gerade wegen seines besonderen Fundorts natürlich trotz allem auch weiterhin eine große ideelle Bedeutung, die ihm inzwischen auch einen Ehrenplatz im Rathaus eingebracht hat, und zum anderen erlangte sie im Zuge ihrer Recherchen Kenntnis von dem in Straubing ansässigen „Ritterbund Falkenfels zu Strupinga“, dessen derzeitiger 13. Großmeyster „Veit der Kolmburger“ (Artur Christmann) bislang eher unbewusst auch die Geschichte des Burgdorfs mit aufrecht erhalten hatte.

Natürlich ließ es sich Schmid daraufhin nicht nehmen, Großmeyster Artur Christmann und Alt-Großmeyster Bernhard Laugwitz zu sich nach Kollnburg einzuladen, um Näheres über ihren Ritterbund zu erfahren und ihnen bei dieser Gelegenheit auch den Degen zu zeigen.

Wie Artur Christmann bei dem Treffen erläuterte, gehe es ihnen als „Rittern der Neuzeit“ nicht darum, die klischeehaften Bilder Hollywoods aus jener Zeit nachzuspielen, sondern vielmehr um die Verkörperung wertvoller Tugenden des Mittelalters wie Ehrlichkeit, Freundschaft, Achtung der Frauen, Heimatliebe oder Brüderlichkeit. Regelmäßig alle zwei Wochen treffen sich die 30 Ritter des Bundes im obersten Stock des Straubinger Gäubodenhofs zu den so genannten Kapiteln, die dem jeweiligen Anlass entsprechend nach einem mehr oder weniger strengen Zeremoniell ablaufen. Hier legt jeder seinen bürgerlichen Namen ab, tauscht seine Alltagskleidung mit einem mantelhaften Wams mit Gürtel und taucht so in eine andere Welt ein. Doch obwohl jeder Einzelne von ihnen stets streng auf die Wahrung der ritterlichen Würde bedacht ist, ist alles letztlich nur ein Spiel und gehaltvolle Kurzweil, in der alltägliche Themen wie Politik oder Religion in den Hintergrund treten sollen, wie Christmann und Laugwitz einhellig betonen.

Und dennoch ist es in der Regel nicht leicht, in den Ritterbund aufgenommen zu werden oder auch nur einem der Kapitel beiwohnen zu dürfen. Deshalb ist es auch eine hohe Auszeichnung für Bürgermeisterin Schmid, dass sie von Artur Christmann und Bernhard Laugwitz zum 44. Deutschen Rittertag nach Straubing eingeladen wurde.

Josefa Schmid bedankte sich bei „Veit dem Kolmburger“ und dem Alt-Großmeyster für diese besondere Ehre. Sie erachtete es als äußerst interessant und beachtlich, dass sich ein Straubinger Ritter durch seine Namenswahl mit Kollnburg identifiziert, und dass es in der heutigen Zeit noch Vereinigungen gibt, die sich mit dem wirklichen Leben des Mittelalters und den damals vorherrschenden Werten und Tugenden beschäftigen und diese auch nach außen tragen.

Mit einer Kachel vom Kollnburger Schloß und einem Gemeindekrügerl bedankte sie sich bei den beiden „modernen Rittern“ für ihren Besuch. Doch auch die beiden Großmeyster hatten natürlich, ganz dem höfischen Zeremoniell und ihrer Wertevorstellung entsprechend, Geschenke in Form einer Flasche „Falkenfelser Burgwasser“ und eines Buches über Burgen und Schlösser in Ostbayern und Böhmen für die Bürgermeisterin mitgebracht.

Gemeinsam mit Hans Dietl, der bei der 850-Jahr-Feier des Orts den Kollnburger Ritter Hans verkörpert hatte, statteten Christmann und Laugwitz danach in voller historischer Montur auch noch der Burganlage einen kurzen Besuch ab, ehe sie sich wieder auf den Weg zurück in „ihre Ländereien“ Straubing begaben.


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