11.08.2010, 11:40 Uhr

Ein niederbayerischer Kinofilm Die Hummel: Zu dick zum Fliegen

Die Hummel ist das Filmdebüt des Regisseurs Sebastian Stern – er ist in Teisnach und Viechtach aufgewachsen

VIECHTACH, DEGGENDORF Die Hummel hat eigentlich Glück: Sie ist viel zu dick, um fliegen zu können – doch sie weiß es nicht und tut es deshalb trotzdem. Aber was ist, wenn die Hummel auf einmal dahinter kommt? Dann wird es Zeit, etwas zu verändern. Doch die Veränderung geht manchmal nur zäh vonstattet – und genau das beschreibt der Film des Viechtachers Sebastian Stern (31). Die Hummel ist ein bittersüßer Kinofilm, der von ganz normalen Menschen und deren ganz normalem Scheitern erzählt. Er zum Schmunzeln – aber man lacht, doch ein bisschen tut es auch weh. „Mir ist es wichtig, in meinem Film das wirkliche Leben mit einem Augenzwinkern zu erzählen“, sagt Stern. „Ich lasse mich vom Leben inspirieren, natürlich auch von Menschen die ich kenne. Aber ich habe versucht, das alles zu einer neuen Geschichte zusammen zu puzzeln.“ Es ist sein erster Kinofilm, seine Diplomarbeit. Sebastian Stern wollte einen Film machen, der die Realität abbildet, „und der in die Zeit passt. Deshalb beschäftigt er sich mit dem Scheitern und der Angst davor. Die Leute sind so sehr mit ihrer Fassade beschäftigt, dass sie selber nicht mehr dahinter blicken.“ Die Zähigkeit des Seins – Stern hat diese in eine spielerisch leichte Verpackung gesteckt. Die Uraufführung in München hat gezeigt, der Funke springt auf das Kino-Publikum über: „Das war eine sehr schöne Erfahrung für mich“, bekennt Stern offen. Der Viechtacher hat nicht nur Regie geführt, er hatte auch die Idee zum Film und schrieb das Drehbuch, unterstützt von Peter Berecz aus Wien. Drei Jahre hat er an dem Film insgesamt gearbeitet – von der Idee, über das Schreiben des Drehbuchs bis hin zum fertigen Film. 25 Tage davon wurde gedreht – vergangenen Sommer in Deggendorf. Der Film handelt vom Kosmetik-Vertreter Pit Handlos in einer niederbayerischen Kleinstadt, der seine Produkte gerne an Ex-Freundinnen verkauft. Dabei trifft er auch auf seine alte Liebe Christiane, die sich enttäuscht abwendet, als er ihr die Schönheitsprodukte unter die Nase hält. Er merkt, dass es Zeit wird, etwas zu ändern – ein schwieriger Prozess beginnt. „Deggendorf ist die ideale Kulisse für diesen Film“, sagt Sebastian Stern, der schon beim Drehbuch-Schreiben die späteren Drehorte im Kopf hatte. „Es ist klein genug, damit sich die Leute immer wieder über den Weg laufen. Und es ist groß genug, um die passenden Schauplätze zu finden: Frühlingsfest, Donau, Autobahnbrücke.“ Dabei sind es nicht die idyllischen Plätze, die Stern für seine Szenen suchte. Sondern eher die ganz netten Ecken, die allesamt leichte Schönheitsfehler haben. Frei nach der Frage, die im Film gestellt wird: „Wenn du deinem Leben eine Schulnote geben würdest, was wäre das?“ Antwort: „Eine 3- war doch früher in der Schule schon ganz gut.“ So auch die Drehorte, „die manchmal auch nur 3- sind“, wie Stern sagt. Dass der junge Regisseur mit Schauspielern wie Jürgen Tonkel oder Inka Friedrich bauen konnte, war für ihn ein Glücksfall. „Den Jürgen haben ich in München im Theater gesehen, in einer tragikomischen Rolle. Deshalb hatte ich ihn schon früh auf meiner Wunschliste an erster Stelle“, sagt Stern. Letztlich war es das Drehbuch, das Tonkel und Inka Friedrich überzeugt hat – außerdem haben beide keine Probleme damit, mit jungen Regisseuren zu arbeiten. „Beim ersten Kontakt mit diesen bekannten Schauspielern war ich schon ein bisschen aufgeregt“, gibt Sebastian Stern zu. „Aber die Arbeit mit ihnen war so einfach, weil die sehr gut sind.“ Als junger Regisseur habe er von der Erfahrung seiner Schauspieler profitiert, „weil die Szene grundsätzlich funktioniert haben und wir die Möglichkeit hatten, viel auszuprobieren.“ Mit dem Film konnte sich Stern freilich auch einen Traum erfüllen, den er schon in seiner Gymnasium-Zeit in Viechtach hatte. Damals drehte er schon Videofilme, entstand der Berufswunsch. Nach dem Abi jobbte er bei Filmproduktionen, um sich dann an der Hochschule für Film in München zu bewerben. „Es ist nicht leicht, sich durchzusetzen“, sagt er. Mit seinen Kurzfilmen und dem Drehbuch für „Die Hummel“ konnte er aber überzeugen – auch die Geldgeber für den Film. „Der erste Schritt ist gemacht“, sagt er. Nun bleibt ihm nur die Hoffnung, dass sich der Film beim Publikum durchsetzt. „Der Film hat das Potenzial, es muss halt der Funke überspringen.“ Wenn das gelingt, hat Sebastian Stern die Ideen für den nächsten Film schon längst im Kopf. Nur verraten will er davon natürlich noch nichts. Die Kino-Termine Premiere des Films Die Hummel ist am Donnerstag, 26. August, in den Kinos in Zwiesel, Deggendorf, Plattling, Passau, Bad Füssing, Simbach am Inn, Straubing und Regensburg. In Zwiesel wird auch Regisseur Sebastian Stern vor Ort sein. Zuvor gibt es Vor-Premieren, bei denen auch die Hauptdarsteller Jürgen Tonkel und Inka Friedrich dabei sein werden: 21. August um 19.30 Uhr im Lichtspielhaus Deggendorf 23. August um 19 Uhr im Cineplex in Passau 23. August um 20.15 Uhr in Simbach. 23. August um 20.30 Uhr in Waldkraiburg. Auch für die Vor-Premieren gibt es noch Karten! Außerdem geht Regisseur Sebastian Stern – teilweise mit den Schauspielern – auf Kino-Tour. Dazu kommt er am 26. August um 20 Uhr nach Zwiesel 27. August nach Vilsbiburg und am 28. August nach Wasserburg.


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