06.03.2012, 15:40 Uhr

Entrümpelungscontainer mit pikantem Inhalt Ekelbuch mit Bildern nackter Buben in Container vor Pfarrhof

Zwischen den Seiten mit Nacktfotos liegen Bilder von Ministranten. Das gleiche Buch spielte im Michael-Jackson-Prozess eine Rolle.

BURGHAUSEN Keine Sekunde länger wollte der Finder des Buchs dieses „Objekt” in seinen vier Wänden haben. Er übergab das Fundstück unverzüglich der Wochenblatt-Redaktion.

Im Zuge von Sanierungsarbeiten im Burghauser Pfarrhof war am Faschingssonntag ein Container vor dem Gebäude abgestellt und darin befanden sich, nach Angaben des Zeugen, verschiedene alte Möbelstücke und mehrere Bücher. Interessiert „fischte” der Mann eines der Bücher heraus und war angewidert von dessen Inhalt.

Das Buch mit einem abgegriffenen blauen Leinenumschlag trägt den Titel „The Boy – A Photographic Essay” und zeigt auf über 200 Seiten hunderte von Fotos mit Knaben in allen möglichen Posen. Auf einigen dieser Fotos sind die Jungen völlig nackt abgebildet und deren Geschlechtsteile deutlich zu sehen.

Zwischen die Bilderseiten hat der unbekannte Besitzer ausgeschnittene Fotos von Ministranten und weiteren Knaben gelegt. Einige dieser Ausschnitte stammen offensichtlich aus der kirchlichen Zeitschrift „Leuchtfeuer Ministrant”. Ein komplettes Exemplar dieser Zeitschrift aus dem Jahr 1979 befindet sich zwischen den letzten beiden Buchseiten. Laut Impressum wurde „Leuchtfeuer Ministrant” von der Bischöflichen Arbeitsstelle für Jugendseelsorge in Düsseldorf gemeinsam mit dem Arbeitskreis für Ministrantenbildung herausgegeben.

Das Buch „The Boy – A Photographic Essay”, das laut Internet der homoerotischen Literatur zugeordnet wird, ist in Deutschland nicht verboten. Exemplare des Buchs, das 1964 erstmals erschienen ist, werden für mehr als 200 Euro gehandelt. Der fragwürdige Bildband spielte sogar 2005 im Kindesmissbrauchs-Prozess gegen die Pop-Ikone Michael Jackson eine Rolle. Jackson hatte dieses Buch ebenfalls besessen. Es war 1993 bei einer Durchsuchung seiner Zimmer auf der Neverland Ranch in Kalifornien von der Polizei beschlagnahmt worden. Die Staatsanwaltschaft versuchte mit diesem und einem weiteren Buch Michael Jacksons mutmaßlichen Hang zur Pädophilie zu belegen. (Hier der Link zum entsprechenden Artikel der Süddeutschen Zeitung)

Das zuständige Bistum in Passau reagierte offen und schnell auf den pikanten Fund. Die Bistums-Justiziarin Antonia Murr vermittelte kurzfristig einen Termin zwischen Wochenblatt-Redaktionsleiter Mike Schmitzer und dem Bistums-Missbrauchsbeauftragten Ludwig Limbrunner. Bei einem Treffen in Altötting nahm Limbrunner das Buch in Augenschein. Zweifel an der Authentizität des Funds äußerte er dabei nicht. Auch für Limbrunner deutet alles darauf hin, dass das Buch jemandem gehört hat, der in Zusammenhang mit dem Burghauser Pfarrhof gestanden habe. Allerdings, so der Geistliche, ließe sich der Band keiner Person mehr zuordnen, da weder handschriftliche Notizen noch irgendwelche anderen Hinweise in dem Buch vorhanden seien.

Limbrunner vermutet, dass das Buch seit den frühen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr in Gebrauch war und irgendwo im Pfarrhof gelagert wurde. Beim Ausräumen hätten Handwerker das Machwerk dann ans Tageslicht befördert und unbedacht in den Müllcontainer geworfen. Dementsprechend fiel auch die offizielle Stellungnahme des Bistums zu dem unangenehmen Fund aus:

„Das Bischöfliche Ordinariat hat den Fund selbstverständlich ernst genommen. Der Bischöfliche Beauftragte in Fällen von sexuellem Missbrauch hat die Unterlagen persönlich in Augenschein genommen. Mit Missbrauch hat das Buch eindeutig nichts zu tun. Das hat die eingehende Überprüfung der durchweg über 30 Jahre alten Zeitungsausschnitte und Bilder durch den Beauftragten ergeben. Mehr kann die Diözese nicht kommentieren.”


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