30.08.2017, 13:23 Uhr

Garchinger lebt einen Traum Mountainbiken ist sein Beruf

Foto: privat (Foto:Schmid)Foto: privat (Foto:Schmid)

Der Garchinger Daniel Schaefer verdient sein Geld auf dem Sattel seines Mountainbikes

GARCHING Daniel Schaefers Welt dreht sich um Mountainbikes. Schon mit 10 Jahren erlag er dem besonderen Reiz dieser Bikes und dem, was man mit ihnen machen kann. Nach einer Rennkarriere hat das geschafft, wovon so viele träumen: Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

Der Garchinger (37) ist seit 2000 selbstständig und als als Guide, Fahrtechniklehrer, Event- und Reise-Organisator, Foto- und Videofahrer, Materialtester, Berater, Netzwerker oder auch mal als Trailbauer für Industrie, Medien, Händler, Tourismus und die, die einfach Spaß am sportlich Biken haben im Einsatz.

Für diese Jobs ist er auf der ganzen Welt unterwegs. Während einer kurzen Pause in der Heimat haben wir ihn befragt.

In welchem Alter bist Du zum ersten Mal auf einem Rad gesessen?

Mit ca. sechs Jahren auf einem kleinen 20“ Stahlrad mit tiefem Einstieg, dass mir aber eineinhalb Jahre später im Wald zusammengebrochen ist.Daniel Schaefer:

Du bist Rennen in verschiedenen Disziplinen gefahren. Was hast Du alles gemacht und erreicht?

Rennen waren mir eigentlich noch nie so wichtig aber am Anfang das „einzige Tool“ etwas in die Szene zu kommen. Also hab ich mich durch fast alle Disziplinen gearbeitet. Begonnen mit Cross Country, wo ich sogar mal Vize Bayerischer Meister wurde. Dann Marathon, der längste in der Schweiz hatte 3.500 Höhenmeter auf ca. 120 Kilometern. Weiter zu den Gravity-Sparten, die mir besser im Blut lagen als das Ausdauerding. Anfangs Dual-Slalom und 4cross, da habe ich sogar ein Paar Worldcups gefahren und dann Downhill, das ich am professionellsten betrieben habe. Ca. sieben Jahre lang war ich jedes Wochenende auf Rennen, Festivals, speziellen Events wie Massenstart-Rennen, nationalen Meisterschaften oder auch mal Europaläufen in Österreich oder der Schweiz unterwegs.

Wie ließ sich das mit Schule und Beruf vereinbaren?

Das war easy! Nach der Schule oder in die Ausbildungsstätte nach Traunstein ging es mit dem Rennrad an der Alz entlang. Dann an den Wochenenden auf Rennen, was ja erfahrungstechnisch auch wie Training funktioniert und ab und zu wurde ich in der Ausbildung sogar für spezielle Events frei gestellt.

Wie hast Du das Biken zu Deinem Beruf gemacht?

Ich habe bei der Telekom gelernt und mein damaliger Mentor Gerhard Dashuber empfahl mir, anschließend ein Jahr unbezahlten Urlaub zu nehmen, um bei ihm im Shop am Bikepark Geißkopf einzusteigen und meinen ersten Winter auf La Palma auszuprobieren. Da habe ich das Potenzial des Mountainbike-Sports erkannt und meine Arbeitsstelle gekündigt.

Jeder hat ja besorgte Eltern: Ist das, was Du machst, für sie ein richtiger Beruf mit Zukunft?

Bisher hatten sie keine Bedenken.

Wie sieht Dein Berufsalltag aus?

Den gibt es nicht. Jeder Tag ist anders. Viel Autofahren – ca. 50. 000 Kilometer zwischen April und November – immer mehr Büroarbeit wie nachbereiten, ausarbeiten von Projekten wie Foto- oder Video-Produktionen, Storys und Testberichte schreiben, Sponsoren Feedback einholen, Ausschreibung für Events kreieren, Social Media aktualisieren, Mailanfragen von Kunden, Koordination mit Industrie und auch mal das Beantworten von Presseanfragen oder für irgendwelche Kataloge gehören dazu. Und ich bin glücklicher Bearbeiter meiner Buchhaltung und meiner Steuererklärung.

Der eigentliche Ablauf eines Arbeitstags spielt sich aber irgendwo in den Bergen oder vor sehenswerten Kulissen ab, wo man Reiseberichte produziert, Produktvideos dreht, Produktnews fotografiert und der Öffentlichkeit präsentiert oder testet, um der Entwicklung beizutragen. Oder ich bin mit meinen Reise- und Kursteilnehmern unterwegs, um ihnen die Welt zu zeigen und ihre Fahrtechnik zu verbessern.

All das startet meist früh am morgen, oft vor Sonnenaufgang, weil man dann das beste Licht hat. In der Mittagspause gibt´s viel Fachsimpeln mit Teilnehmern und Erfahrungsaustausch mit Industrie und Presse. Der Nachmittag kann sich je nach Aufgabe und Wetter bis 21 Uhr abends ziehen, bis man dann beim wohlverdienten Bier in der Unterkunft ankommt. Zack Duschen, zack Abendessen, zack 23 Uhr ins Bett. Am nächsten Tag dasselbe. Das läuft meist in so drei bis vier Wochenblocks, zum Glück mit gemischten Aufgaben und dann gibt´s eine mehrtägige Pause. Letztes Jahr konnte ich ca. 30 Nächte in meinem eigenen Bett schlafen.

Du kommst gerade aus Kanada und bist auf der ganzen Welt unterwegs. Wo bist Du am liebsten und warum?

Kanada und Amerika gefallen mir schon sehr gut, da die Menschen dort einfach etwas unkomplizierter sind und trotzdem unsere hohen Ansprüche verfolgen. Grundsätzlich fand ich allerdings bisher überall etwas Reizvolles, das es woanders nicht gibt und somit ist es sehr schwer, diese Frage zu beantworten. Der einzige Ort, der bisher allerdings nicht zu empfehlen ist, war Mauritius. Da mussten wir uns für unsere Bilder tatsächlich alle Fahrwege selber schaufeln, weil es keinen einzigen Trail gab.

Wo machst Du Urlaub?

Urlaub? Was´n das?

Steigst du daheim noch aufs Rad?

Eigentlich nicht. Zuhause ist mein Urlaub und da genieße ich es auch einfach mal auf der Couch zu liegen und Ruhe zu haben. Manchmal träume ich dann aber schon davon, einfach mal wieder etwas Zuhause zu fahren. Schließlich sind z.B. die Alzauen traumhaft mit mega-schönen Badebuchten ...

Welches sportliche Niveau sollten Biker haben, die Deine Dienste als Guide etc. in Anspruch nehmen wollen?

Eine komplette Ausstattung und Erfahrung mit dem Bike in den Bergen ist Grundlage. Mittlerweile konzentriere ich mich sogar mehr auf das Vermitteln von Sprungtechnik und Fortgeschrittenen-Techniken.

Was war das Gefährlichste, was Du auf zwei Rädern je gemacht hast?

Der Landeanflug auf Madeira, als unser Flugzeug nur mit einem Rad die Landebahn berührt hat, bevor der Pilot panisch durchstartete und wieder zurück nach Gran Canaria flog.

Was war Dein schönstes Erlebnis?

Letztes Jahr Marokko. Auf dieser Reise habe ich mich nicht nur in das Land verliebt.

Welche Rolle spielt Sicherheit in deinem Beruf?

Ist mir megawichtig. Auch wenn ich davon vielleicht eine andere Definition habe. Ich achte mittlerweile immer sehr darauf, früh genug aufzuhören, ein Training rechtzeitig abzubrechen oder auch mal für ein Foto diesen 12-Meter Sprung nur zweimal zu springen. Oft steht man dann als Spaßbremse da, aber lieber sitze ich mit allen gesund beim Abendessen.

Welche Reisen und Einsätze stehen als Nächstes an?

Mein Kalender ist ziemlich voll und jetzt geht´s schon wieder weiter für einen Monat erst nach Friedrichshafen, dann durch die Dolomiten, nach Kranjska Gora und Frankreich. Im November sind drei Wochen La Palma geplant und über Weihnachten soll´s nach Mexiko gehen. Mal sehen wie´s so läuft.

Wie gehst Du in einer festen Beziehung mit Deinem Job und den vielen Reisen um?

Mmh, das geht schon wenn man es will. Man muss sich einfach über seine Prioritäten klar sein.

Du hast Dein Hobby zum Beruf gemacht. Hast Du noch andere Hobbys?

Ich mag Wellenreiten, US Car´s und entspannte Zeiten mit meinen Freunden.

Wer noch mehr über Daniel wissen will, wird hier fündig: www.dansdesktop.com.


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