Wochenblatt
18.08.2012

Moskau (AFP)

Zwei Jahre Lagerhaft für Pussy Riot

Mit "Pussy-Riot-Maske" bekundet ein Unterstützer in Moskau seine Solidarität mit den drei verurteilten Musikerinnen.
Foto: © 2012 AFP Solidarität mit Pussy Riot in Moskau
Nach ihrer Protestaktion gegen Russlands Staatschef Wladimir Putin sind die drei Musikerinnen der Punkband Pussy Riot zu je zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte das Urteil "unverhältnismäßig hart".

Für eine Protestaktion gegen Russlands Staatschef Wladimir Putin sind drei junge Musikerinnen der Punkband Pussy Riot hart bestraft worden: Ein Gericht in Moskau verurteilte die Frauen im Alter zwischen 22 und 30 Jahren zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft. Das Urteil rief international scharfe Kritik hervor und löste Solidaritätsaktionen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, das "unverhältnismäßig harte Urteil" stehe "nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie".

Die Vorsitzende Richterin Marina Syrowa erklärte bei der fast dreistündigen Verlesung des Urteils, die drei jungen Frauen hätten sich des "Rowdytums" aus religiösem Hass schuldig gemacht. Sie hätten keine Reue gezeigt, die Gefühle der Gläubigen verletzt und die öffentliche Ordnung gestört. Angesichts der Schwere ihrer Vergehen müsse eine Bestrafung erfolgen. Bei der Verkündung des Strafmaßes riefen einige Zuschauer im Gerichtssaal: "Das ist eine Schande!"

Die 22-jährige Nadeschda Tolokonnikowa, die 24-jährige Maria Alechina und die 30-jährige Jekaterina Samuzewitsch waren am 21. Februar in die Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, die wichtigste Kirche Russlands, eingedrungen; vor dem Altar sangen sie ein sogenanntes Punkgebet und forderten darin die Gottesmutter Maria auf, Putin zu vertreiben, der sich kurz darauf zum dritten Mal zum Staatschef wählen ließ.

Die drei jungen Frauen sitzen seit fünf Monaten in Untersuchungshaft. Am Freitag mussten sie in einem Glaskasten im Gerichtssaal erscheinen. Zwischendurch tauschten sie ein kurzes Lächeln aus und lachten nervös. Ihre Anwälte hatten einen Freispruch beantragt, die Staatsanwaltschaf drei Jahre Haft.

Richterin Syrowa sagte, sie habe mildernde Umstände berücksichtigt, etwa dass Tolokonnikowa und Alechina kleine Kinder haben. Der Anwalt der Musikerinnen, Nikolai Polosow, erklärte: "Sie werden nicht um Gnade bitten." Putin hatte Anfang des Monats bei einem Besuch in London gesagt, die drei sollten "nicht zu hart" bestraft werden. Auf "Rowdytum" stehen in Russland bis zu sieben Jahre Haft.

Die Polizei hatte das Gebäude des Moskauer Chamownitscheski-Gerichts weiträumig abgesperrt. Der Linkspolitiker Sergej Udalzow und zwei weitere Sympathisanten der Band wurden abgeführt, als sie versuchten, die Barrikaden zu überwinden.

Merkel erinnerte daran, dass sich Russland als Mitglied des Europarats zu Werten wie Rechtsstaatlichkeit und Demokratie beklannt habe. "Eine lebendige Zivilgesellschaft und politisch aktive Bürger sind eine notwendige Voraussetzung und keine Bedrohung für Russlands Modernisierung", fügte die Kanzlerin hinzu. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton nannte das Urteil ebenfalls "unverhältnismäßig".

Das US-Außenministerium erklärte seine Sorge, das Urteil werde "negative Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit in Russland" haben, und forderte, der Prozess müsse neu verhandelt werden. Die Russlandexpertin von Amnesty International, Friederike Behr, sprach von einem "harten Schlag gegen die Meinungsfreiheit".

In Moskau wurden mehrere Unterstützer von Pussy Riot vor dem Gericht in wartende Polizeiwagen gezerrt. Auch in Samara an der Wolga gab es Festnahmen bei einer Kundgebung aus Solidarität mit den Musikerinnen.

Vor der russischen Botschaft in Berlin ketteten sich sechs Menschen aus Protest gegen die Verurteilung der drei Frauen an den Zaun der diplomatischen Vertretung. Die Protestaktion wurde von der Polizei aufgelöst. In Paris, Brüssel, London, Madrid und anderen Städten fanden ebenfalls Kundgebungen für Pussy Riot statt.

In Warschau sangen Demonstranten vor Beginn eines Protestmarsches zur russischen Botschaft das "Punkgebet", mit dem die Band gegen Russlands Staatschef Putin protestiert hatte. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew fällte eine barbusige Aktivistin der Frauenrechtsgruppe Femen mit einer Motorsäge ein großes Holzkreuz.

Die russisch-orthodoxe Kirche forderte "Milde" für die drei Frauen und äußerte die Hoffnung, dass die Musikerinnen "darauf verzichten, ein derartiges Sakrileg noch einmal zu begehen".

Autor: Moskau (AFP)

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