22.08.2012 Deutschland

Kommentar

Warum Katherina Reiche Recht hat: Homos sind anders als Heteros – und das ist gut so!

"Keine Zuklunft mit Katherina Reiche"
Foto: Screenshot Facebook
Die CDU-Politikerin und Staatssekretärin im Umweltministerium, Katherina Reiche, hat sich in der Bild-Zeitung eindeutig für den Schutz der Ehe ausgesprochen. Dafür erntete sie massive Kritik, vor allem im Internet. Doch auch für ihre Position gibt es gute Argumente.

Ausgerechnet: Katherina Reiche, CDU, hat sich gegen eine absolute Gleichstellung homosexueller, eingetragener Lebensgemeinschaften ausgesprochen. Warum ausgerechnet Reiche? Sie dient unter Peter Altmaier, seines Zeichens Bundesumweltminister. Der sagte kürzlich in der Bild am Sonntag, er lebe gerne als Single und habe bedingt Probleme mit seinen 140 Kilo Lebendgewicht. Dafür wurde Altmaier ebenso im Internet verhöhnt wie jetzt Reiche – und zwar, weil er verschwieg, dass er offenbar asexuell lebt, aber schwul ist.

 

Nun hat Katherina Reiche zudem ein uneheliches Kind, was sie offenbar nach der Meinung zahlreicher Kommentatoren auf Internet-Seiten wie Facebook nicht dazu ermächtigt, sich gegen eine absolute Gleichstellung homosexueller Paare aussprechen zu dürfen. All diese Aspekte sind es, die den „Shitstorm" aber eigentlich noch unerträglicher machen, die über Reiche und auch Altmaier hereingebrochen ist.

 

Zunächst einmal fällt die Intoleranz gegenüber anderen Meinungen auf, mit der den beiden begegnet wird. Der eine muss unbedingt zu seiner Sexualität stehen, die doch eigentlich Privatsache sein sollte. Die andere muss unbedingt für alle Rechte sein, die – manche! – Homosexuelle einfordern.

 

Doch dabei reden jene angeblichen Verfechter der Rechte Homosexueller auch an vielen vorbei. Es gibt nämlich gar nicht so viele Homosexuelle, die gleiche Rechte wie Ehepartner wollen. Bundesweit haben gerade einmal 23.000 gleichgeschlechtliche Paare den Bund fürs Leben geschlossen – zu deutsch: Ein schwindend geringer Anteil aller mutmaßlich homosexuell veranlagter Menschen in diesem Land! Viele Schwule und Lesben leben anders als klassische Ehepaare. Nicht jeder, der für die absulte Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare eintritt, spricht automatisch für Homosexuelle! Und im Umkehrschluss: Nicht jeder, der diese Rechte ablehnt, spricht automatisch gegen sie!

 

Geht man davon aus, dass etwa fünf Prozent der Bevölkerung homosexuell veranlagt ist, dann entspricht dies ungefähr vier Millionen Menschen. Die Lebensrealität dieser Menschen scheint allerdings mit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft schlicht und ergreifend gar nicht erfasst worden zu sein. 

 

Politisch muss sich eine Gesellschaft um jene kümmern, die schwach sind. Das sind Kinder, denn Erwachsene können meistens für sich selbst sorgen. Ist nicht das wahre Thema in dieser Gesellschaft, dass viel zu viele Menschen in den Genuss von Privilegien kommen, die nichts, aber auch gar nichts mit ihrer tatsächlichen Lebenswirklichkeit zu tun haben? Warum kann ein Manager Ehegatten-Splitting in Anspruch nehmen, wenn seine Ehefrau den ganzen Tag shoppen geht? Das ist blanker Unsinn – darum muss sich Politik kümmern.

 

Statt neuer Rechte sollte man dafür sorgen, dass jene, die Rechte genießen, auch gerechterweise in den Genuss dieser Rechte kommen. Lieber sollte man den vielen hunderttausenden Alleinerziehenden in dieser Gesellschaft mehr Rechte einräumen, sich um sie kümmern, ja, ihnen auch Geldleistungen zukommen lassen. Dem Rechtsanwalt, der einen Studenten liebt und ihn ehelicht, sollte man steuerliche Vorzüge verwehren.

 

Homosexuelle haben lange für ihre Rechte in diesem Land gekämpft. Der Staat hat Verbrechen an ihnen begangen. Schwule wurden in KZs umgebracht, statt sie nach dem Krieg zu rehabilitieren, wurden viele Opfer einer doppelten Verurteilung. Lange war Homosexualität strafbar, noch länger wurden Schwule und Lesben ungerecht behandelt, bis heute gibt es gerade wieder unter jungen Menschen viele Formen des Mobbings. Das sind die wahren Probleme, um die man sich in dieser Gesellschaft kümmern muss. Ob man das Ehegatten-Splitting deshalb auf eingetragene Lebenspartnerschaften ausdehnen muss, ist dafür wirklich mehr als nebensächlich …

Autor: Christian Eckl
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