19.06.2012 Eschweiler

Proteste im Internet:

Unternehmer disst Abiturienten – "70 Prozent werden Hartz IV"


Abiturient am Städtischen Gymnasium in Eschweiler zu sein, das ist momentan ganz schön spannend. Doch die Zukunft scheint wohl nicht so rosig zu sein, das meint zumindest ein ortsansässiger Unternehmer. Der nämlich geht davon aus, dass eh 70 Prozent der Abiturienten in Hartz IV landen werden.

Aber von Anfang an: Wie Journalist Patrick Nowicki in der Eschweiler Zeitung berichtet, wollte sich der aktuelle Abiturjahrgang eine Hüpfburg für den Abistreich ausleihen. Deshalb schickte Maik Luu an einen Elsdorfer Unternehmer die Anfrage, ob denn so etwas kostengünstig möglich sei. Der Abiturient formulierte seine Frage höflich und bat um ein Angebot. Als Antwort bekam er dann das: "Hallo, Herr Luu, da Sie offensichtlich kein Geld haben, würde ich vielleicht von meinem Luxusdenken etwas abrücken. Wir sind Vermieter und machen das beruflich für unseren Lebensunterhalt mit dem Ziel, nicht da zu stehen, wie Sie offensichtlich stehen!" Bereits an dieser Stelle fragt man sich, welche Kinderstube der Firmeninhaber genossen hat. Als Tipp gibt er dann noch den Rat weiter, doch fünf Euro von jedem Partyteilnehmer einzusammeln.

 

Das will Maik Luu natürlich nicht auf sich sitzen lassen und schreibt zurück. Wieder sehr höflich, man wolle ja nichts umsonst, sondern lediglich gute Konditionen. Und dann schlägt der Firmeninhaber zurück: "Bettelanfragen" beantworte man entsprechend, seine Preise seien "traumhaft" und überhaupt seien Studenten aus wirtschaftlichen Gründen eh nicht Zielgruppe des Unternehmens, "70 Prozent werden Hartz IV". Es muss eigentlich nicht erwähnt werden, dass dieser Anbieter seine Hüpfburg nicht zu guten Konditionen an die Abiturienten herausrückte.

 

Die Abiturienten allerdings machten im Gegenzug die Antworten des Unternehmers öffentlich – und der sieht sich jetzt auf Facebook einer Front gegenüber, die es nicht gut mit ihm meint: "Das ist eine echte Frechheit, was Sie da abziehen", bekommt das Unternehmen auf Facebook gesagt. "Ein Hoch auf die neue Medienwelt, sodass solche Firmen nicht weiter überleben können. Mal schauen, was nun die Regionalsender daraus machen. Falls es ein nächstes Mal gibt, ein wenig weniger Arroganz", rät ein User, und ein anderer fragt „Wie dumm muss man eigentlich sein, um solche Aussagen zu machen?“ Und ein weiterer: "Hoffentlich springen einige Ihrer Kunden ab. So arrogant und dumm kann man eigentlich nicht sein."

 

Maik Luu indes ist jetzt richtig im Stress, nicht nur, dass am Freitag, 22. Juni, die Party stattfinden soll, nein, nun muss er sich auch noch um Presseanfragen aus der ganzen Republik kümmern. Als die Mails des Unternehmens kamen, habe er sich persönlich angegriffen gefühlt. "Ich habe kein Einser-Abi gemacht, um mich dann wegen einer kleinen Anfrage so dermaßen herabwürdigen zu lassen", so Luu gegenüber dem Wochenblatt. "Alle Schüler sind zwar jung, aber potentielle Kunden und verdienen Respekt." Rund 150 Euro hätten die Abiturienten investieren können, was der Unternehmer hätte haben wollen, wissen sie nicht, ein entsprechendes Angebot blieb aus. Und dann muss Maik Luu auch schon wieder weiter, die Presse, denn er hat Eschweiler nun berühmt gemacht!

 

Ach ja, eine Hüpfburg haben die Abiturienten mittlerweile auch bekommen, kostenfrei, von einer Firma, bei der wohl andere Sitten herrschen ...

Autor: Ursula Hildebrand

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort:

Das könnte Sie auch interessieren

Baby, Babyfüße

Kinderwunsch

Paar hofft 17 Jahre auf Nachwuchs und bekommt Sechslinge

Vergeblich hofft ein Paar 17 Jahre lang auf Nachwuchs. Am 11. Mai erfüllte sich der Wunsch - und das gleich sechs Mal. mehr ...

Straubing Spiders Wette

In Straubing kommt es am Mittwoch zum witzigsten Pas de deux aller Zeiten

Wette verloren: Jetzt werden zwei harte Footballer plötzlich ganz weich

Regenbogen-Tutu, Einhorn-Haarreif und Primaballerina-Outfit - wegen einer verlorenen Wette müssen zwei Spieler der Straubing Spiders am kommenden Mittwoch richtig leiden ... mehr ...

Steinkreuz

Ermittlungen laufen

Schrecklicher Unfall: 89-jährige Frau tot in Bullenstall gefunden

Samstagnachmittag, 27. Mai, wurde die Polizei in Eichstätt verständigt, dass eine 89-jährige unter Demenz leidende Frau seit einiger Zeit vermisst wird. Familienangehörige und die Dorfgemeinschaft hatten sich kurz nach 16 Uhr bislang vergeblich auf die Suche nach ihr gemacht. mehr ...

Kreuz

Tödlicher Unfall

Motorradfahrer kommt zu Sturz und verstirbt an der Unfallstelle

Der 18-jährige Motorradfahrer kam in einer Linkskurve auf das rechte Bankett und stürzte, sein Sozius wurde mittelschwer verletzt. mehr ...

Bengalisches Feuer der 60er-Fans im Jahn-Stadion

Sicherheit

Polizei greift hart durch: Stadionverbot für Löwen-Fans, die Bengalisches Feuer zündeten

Die Polizei zieht eine Bilanz zum Mega-Einsatz beim Spiel des Jahn gegen die 1860er-Löwen: "Fans", die schon am Bahnhof Bengalisches Feuer zündeten, bekamen Stadion-Verbot. Doch im Stadion machten die 60er dennoch Radau. Die Polizei ist indes zufrieden mit dem Verlauf. mehr ...

Song to Song

Song to Song

In Austin, Texas ist die Musikszene ein erotisches Haifischbecken. Die Wege zweier Paare kreuzen sich in diesem Biotop der ausgefallenen Charaktere. Faye ist Musikerin und will hoch hinaus. Sie beginnt eine Affäre mit Musikunternehmer Cook. Doch der fördert sie nicht und sie verliebt sich in Songschreiber BV. Der ahnt nichts von der vorigen Verbindung von Faye und Cook. Der Unternehmer angelt sich indes die Kellnerin Rhonda. mehr ...