Wochenblatt
06.08.2012

Oak Creek (AFP)

US-Experten: Sikh-Attentäter war "frustrierter Neonazi"

Bei einem Angriff auf einen Sikh-Tempel im nördlichen US-Bundesstaat Wisconsin sind mindestens sieben Menschen getötet worden. Nach Angaben der Polizei befand sich unter den Toten auch der mutmaßliche Schütze.
Foto: © 2012 AFP Einsatzkräfte am Sikh-Tempel
Der 40-Jährige, der am Sonntag einen Sikh-Tempel in Wisconsin überfallen und dort sechs Menschen getötet hat, war US-Experten zufolge ein "frustrierter Neonazi". Der frühere Soldat sei Kopf einer rassistischen Rockband gewesen, heißt es weiter.

Bei dem mutmaßlichen Todesschützen von Wisconsin handelt es sich nach Angaben von US-Experten um einen "frustrierten Neonazi". Der 40-jährige Ex-Soldat sei der Kopf einer "rassistischen" Rockband" namens End Apathy (Schluss mit der Apathie) gewesen, die die Überlegenheit von Weißen propagiert habe, erklärte das Rassismusforschungsinstitut Southern Poverty Law Center. Mit der 2005 gegründeten Gruppe sei der ausgebildete Fallschirmspringer Wade Michael Page auf Musikfestivals aufgetreten.

Das Institut veröffentlichte ein Foto des mutmaßlichen Attentäters während eines Konzerts. Darauf ist er mit kahlgeschorenem Kopf und in einem ärmellosen T-Shirt zu sehen, das den Blick auf seine unter anderem mit Keltenkreuzen tätowierten Arme freigibt. Im Internet existieren demnach weitere Fotos der Band, die vor nur einer teilweise sichtbaren mutmaßlichen Nazi-Flagge posierten.

Die US-Bundespolizei FBI erklärte dagegen, die Untersuchungen befänden sich noch in einer frühen Phase. Es könne sich um einen "Akt von Inlandsterrorismus" handeln. Nach US-Medienberichten nahm eine Tätowierung auf Pages Arm Bezug auf die Terroranschläge vom 11. September 2001.

"Wir untersuchen die Bedeutung seiner Tätowierungen", sagte ein Sprecher der US-Behörde für Waffen, Tabak und Sprengstoff dem Sender ABC. "Dies sind die Bestandteile des Puzzles, die uns dabei helfen werden, die Motive für eine so schreckliche Tat zu verstehen."

Der Angriff in Oak Creek in der Nähe des Lake Michigan ereignete sich am Sonntagmorgen, als die Sikhs Gottesdienst feierten - nur knapp zwei Wochen nach dem Amoklauf von Aurora mit zwölf Toten. Der Angreifer erschoss sechs Menschen, außerdem verletzte er einen Polizisten mit mehreren Schüssen, bevor er von der Polizei getötet wurde. Der Beamte und zwei weitere Menschen wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums war Page von 1992 bis 1998 in der US-Armee. Der ausgebildete Fallschirmspringer sei auf psychologische Kriegsführung spezialisiert gewesen. Er sei mit mehreren militärischen Orden ausgezeichnet worden. Ein Nachbar Pages sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Ex-Soldat habe wie ein "ziemlich normaler" und "entspannter Kerl" auf ihn gewirkt.

US-Präsident Barack Obama äußerte sich bestürzt über den Angriff und sprach der aus Indien stammenden Religionsgemeinschaft der Sikhs seine Solidarität aus. Indiens Premierminister Manmohan Singh, selbst ein Sikh, appellierte an die zuständigen Behörden, alles dafür zu tun, dass sich solche "gewalttätigen Akte" nicht wiederholten. Indische Geistliche und Politiker mutmaßten, dass eine Verwechslung mit Muslimen vorliegen könnte. Die Sikhs tragen gemäß der religiösen Vorschriften meist einen Turban und einen längeren Bart.

In den USA gehören bis zu 700.000 Menschen der Glaubensgemeinschaft der Sikh an. In den USA waren sie besonders nach den Terroranschlägen vom 11. September Anfeindungen ausgesetzt, weil sie von vielen für Muslime gehalten wurden.

Autor: Oak Creek (AFP)

Das könnte Sie auch interessieren

Mario Barth

Unglaublich

Fans sauer: Mario Barth lässt Jahn- und EVR-Fans vor der Donau-Arena stehen!

Wahnsinn! Der Komiker Mario Barth stellt sich in Regensburg als waschechter Spielverderber raus! Weil zwei Regensburger Jahn-T-Shirts trugen, durften sie nicht in die Donau-Arena! mehr ...

Brennende Gasleitung in der Landshuter Schillerstraße

Explosionsgefahr in der Schillerstraße

Knapp an der Katastrophe vorbei: Gasanlage stand in Flammen

Als die Feuerwehr am Mittwochnachmittag zu einem Kellerbrand in der Schillerstraße gerufen wurde, erlebte sie eine böse Überraschung: Eine Gasanlage stand in Flammen. Sofort wurde die Umgebung wegen der Explosionsgefahr großräumig abgeriegelt. mehr ...

mehr Bilder ansehen
Musiker Franz Lippert mit seinem Sohn Mikey.

Tragisch

Musiker ehrt toten Sohn nach Unfall mit rührendem Video

Es ist schier herzzerreißend: Der Kallmünzer Country-Musiker Franz Lippert hat bei einem schweren Unfall seinen Sohn verloren. Er hat dem 30-Jährigen auf Facebook mit einem Video gedacht. mehr ...

Ein Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung der Stadt Regensburg überprüft die Hygiene in einer Gastronomie

Lebensmittel

Eklige Zustände in einer Regensburger Bäckerei und eine Schusswaffe im Personalklo

In der Gastronomie erleben die Lebensmittelüberwacher der Stadt Regensburg so einiges. Jüngst besuchte man eine Bäckerei im Stadtgebiet. mehr ...

mehr Bilder ansehen
Blaulicht Polizei

Das Opfer wehrte sich mit einem Biss

Afghane schlug Ehrenamtliche und wollte sie auch entkleiden

Die ehrenamtliche Asylbetreuerin traf sich mit dem jungen Afghanen nachts im Bereich der Innstraße mehr ...

Der Vollposten

Der Vollposten

Checco wohnt noch Zuhause und lebt ein ereignisarmes Leben als Beamter in der Landesverwaltung für Jagd und Fischerei. Diese Position bringt ihm regelmäßig Bestechungsgeschenke ein, mit der er seine Geliebte erfreut. Als jedoch neue Gesetze zur Reformierung der Öffentlichkeitsverwaltung greifen, wird Checco auf eine Forschungsstation am Nordpol zwangsversetzt, um die Forscher dort vor Eisbären zu schützen. mehr ...