Wochenblatt
15.04.2012

Pescara (AFP)

Trauer in Italien: Fußballer stirbt nach Herzattacke

Piermario Morosini vom Zweitligisten Livorno Calcio ist nach einer Herzattacke während des Spiels bei Pescara Calcio gestorben. Diskussionen gibt es nun um eine mögliche Behinderung des Krankenwagens vor dem Stadion durch ein im Weg stehendes Auto.
Foto: © 2012 AFP Piermario Morosini nach Herzattacke gestorben
Piermario Morosini vom Zweitligisten Livorno Calcio ist nach einer Herzattacke während des Spiels bei Pescara Calcio gestorben. Diskussionen gibt es nun um eine mögliche Behinderung des Krankenwagens vor dem Stadion durch ein im Weg stehendes Auto.

Der Calcio trägt Trauer: Piermario Morosini vom Zweitligisten Livorno Calcio ist nach einer Herzattacke während des Serie-B-Spiels bei Pescara Calcio gestorben. Der 25 Jahre alte ehemalige U21-Nationalspieler war am Samstag nach seinem Zusammenbruch umgehend ins Krankenhaus gebracht worden und lag im Koma, wenig später starb er. Umgehend wurden sämtliche Profispiele des Wochenendes in Italiens Ligen abgesagt.

"Wir haben alles getan, um den Jungen wiederzubeleben, aber er ist nicht wieder zu Bewusstsein gekommen", sagte Leonardo Paloscia, Leiter der Kardiologie des Krankenhauses Santo Spirito in Pescara. Das Spiel war beim Stand von 2:0 für Livorno in der 30. Minute abgebrochen worden. Morosinis Mannschaftskollegen standen weinend auf dem Platz, nachdem ein Krankenwagen ins Stadion gefahren worden war, um Morosinis Leben zu retten.

Die Rettungsaktion soll allerdings nicht reibungslos verlaufen sein. "Wir haben den Ernst der Situation zuerst nicht verstanden", sagte Pescaras Torwart Luca Anania, "es gab Momente großer Verwirrung und auch Verzögerung. Uns wurde gesagt, dass der Krankenwagen nicht auf das Feld konnte, weil ein Auto den Eingang blockierte."

Als Morosini in den Krankenwagen verladen wurde, soll er noch bei Bewusstsein gewesen sein. "Er hat mir in die Augen geschaut", sagte Pescaras Sportdirektor Danilo Iannascoli Italiens TV-Sender Sky Sport 24, "wir erleben hier eine Tragödie." Im Krankenhaus kämpften die Ärzte fast eine Stunde vergeblich um Morosinis Leben, gegen 17 Uhr wurde der Profi für tot erklärt.

Antonello Valentini, Generalsekretär des italienischen Fußball-Verbandes FIGC, setzte wenig später alle für das Wochenende geplanten Partien ab, darunter auch das Serie-A-Spiel zwischen Meister AC Mailand und dem FC Genua, das rund eine Stunde nach Morosinis Tod angepfiffen werden sollte. Die Fans im schon halb gefüllten Meazza-Stadion bekundeten mit anhaltendem Beifall ihr Mitgefühl. Italiens NOK-Chef Gianni Petrucci forderte derweil die nationalen Verbände auf, während aller Sportveranstaltungen am Wochenende Schweigeminuten einzulegen.

Roberto Baronio, Morosinis früherer Teamkollege bei Udinese Calcio, sagte: "Er war ein Mensch, der so viel Unglück erdulden musste. Vor einigen Jahren sind vor kurzer Zeit seine Eltern und sein Bruder gestorben. Ich kann nicht beschreiben, was ich fühle. Er war doch erst 25 Jahre alt."

Morosini hatte in der Serie A für Udinese Calcio gespielt, zudem bei Atalanta Bergamo, dem FC Bologna, Vicenza Calcio, Reggina Calcio und Calcio Padua unter Vertrag gestanden. Zwischen 2006 und 2009 absolvierte er 18 Spiele für die italienische U21-Nationalmannschaft, 2009 nahm er an der EM-Endrunde teil.

Der Fall erinnert an den beinahe tödlichen Zusammenbruch von Fabrice Muamba in der englischen Premier League. Der Profi von den Bolton Wanderers war am 17. März im Viertelfinalspiel des FA-Cups gegen Tottenham Hotspur kollabiert, nachdem sein Herz aufgehört hatte zu schlagen. Erst nach mehr als einer Stunde hatten es die Ärzte geschafft, den gebürtigen Kongolesen wiederzubeleben. Mittlerweile befindet sich der 24-Jährige auf dem Weg der Besserung.

Morosinis Tod ist das neueste Kapitel in der traurigen Geschichte von Spielern, die auf dem Feld den plötzlichen Herztod erlitten. Kameruns Nationalspieler Marc-Vivien Foé (Manchester City) starb beim Confederations Cup 2003, der Ungar Miklos Feher (Benfica Lissabon) ein Jahr später im Liga-Spiel gegen Guimaraes. 2007 kollabierte der spanische Nationalspieler Antonio Puerta in der Begegnung mit dem FC Getafe und verstarb drei Tage später. Ihm widmete Spaniens "Seleccion" den EM-Titel 2008.

Autor: Pescara (AFP)

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