07.10.2012

München (AFP)

Transplantationsmedizin in München wird neu organisiert

Nach den Vorfällen im Zusammenhang mit Lebertransplantationen am Münchner Klinikum rechts der Isar wird die Transplantationsmedizin an der Klinik neu organisiert.
Foto: © 2012 AFP "Organisatorische und kommunikative Defizite" bemängelt
Nach den Vorfällen im Zusammenhang mit Lebertransplantationen am Münchner Klinikum rechts der Isar wird die Transplantationsmedizin an der Klinik neu organisiert.

Nach den Vorfällen im Zusammenhang mit Lebertransplantationen am Münchner Klinikum rechts der Isar wird die Transplantationsmedizin an der Klinik neu organisiert. Das entschied der Aufsichtsrat am Wochenende, wie das bayerische Wissenschaftsministerium in München mitteilte. Danach soll ein selbstständiges Zentrum für Transplantationsmedizin geschaffen werden. Bislang war der Bereich an der Klinik für Chirurgie und der Medizinischen Klinik II angesiedelt.

Der Aufsichtsrat hatte auf einer Sondersitzung am Samstag "organisatorische und kommunikative Defizite" im Bereich der Lebertransplantation am Klinikum rechts der Isar festgestellt. Mit der Umstrukturierung reagierte das Gremium auf Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Vergabe von Spenderorganen. Ärzte sollen Patientendaten manipuliert haben, um schneller an eine Spenderleber zu kommen. Die Staatsanwaltschaft und die Bundesärztekammer ermitteln.

Ein Chefarzt des Klinikums soll nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" offenbar seit mehr als zwei Jahren von Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit einer Lebertransplantation gewusst haben, ohne daraus Konsequenzen zu ziehen. Der Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik habe das Gedächtnisprotokoll, das eine Organ-Schieberei an dem Klinikum entlarvt habe, weggeschlossen. Zu den Vorwürfen habe er sich bislang noch nicht geäußert.

Wegen der Vorfälle am Münchner Klinikum rechts der Isar werden laut "Focus" alle Organverpflanzungszentren Bayerns nun noch einmal überprüft. Wie das Nachrichtenmagazin berichtet, soll die Überprüfung in München, Augsburg, Würzburg, Erlangen und Regensburg noch im Oktober beginnen. Geleitet werden sie demnach von dem Wiener Chirurgen Ferdinand Mühlbacher.

Die Unregelmäßigkeiten am Münchner Klinikum waren im Zuge von Überprüfungen nach dem Organspendeskandal in Göttingen bekannt aufgedeckt worden. Ein in Göttingen tätiger Mediziner soll - wie zuvor schon in Regensburg - durch die Manipulation von Krankenakten bestimmte Patienten bei der Organspende bevorzugt haben.

Angesichts der immer neuen Manipulationsfälle bei Transplantationen drängt die CSU auf eine umfassende Neuregelung der Organspende. Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) schrieb in einem Brief an Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der der "Frankfurter Rundschau" vorlag, die bisher vereinbarten Verbesserungen reichten nicht aus, um den in der Bevölkerung entstandenen Vertrauensverlust zu beheben. Singhammer forderte sowohl eine staatliche Aufsicht über die Organisation der Organspende als auch eine Beteiligung des Staates bei der Festlegung der Richtlinien für die Organvergabe.

Autor: München (AFP)

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