Wochenblatt
08.05.2012

Kiew (AFP)

Timoschenko will Hungerstreik beenden

Die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko will ihren Hungerstreik beenden. Das sagte ihre Tochter Jewgenija Timoschenko in Charkiw. (Archivbild)
Foto: © 2012 AFP Julia Timoschenko im Gefängnis
Die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko will ihren Hungerstreik beenden und soll am Mittwoch in ein Krankenhaus verlegt werden. Das sagte ihre Tochter Jewgenija Timoschenko in Charkiw.

Die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko will am Mittwoch ihren Hungerstreik beenden. Sie werde dann ins Krankenhaus verlegt und unter Aufsicht des deutschen Neurologen Lutz Harms wieder Nahrung zu sich nehmen, sagte ihre Tochter Jewgenija in Charkiw. Zuvor musste die ukrainische Führung einen Mitteleuropa-Gipfel verschieben, da fast alle Staatschefs demonstrativ abgesagt hatten.

Die Ex-Regierungschefin, die aus Protest gegen ihre Haftbedingungen seit dem 20. April die Nahrungsaufnahme verweigert, verbüßt eine siebenjährige Haftstrafe wegen angeblichen Amtsmissbrauchs. Timoschenko werde zunächst bis zu zwei Wochen benötigen, um sich von ihrem Hungerstreik zu erholen, sagte ihre Tochter nach einem Besuch bei ihrer Mutter im Gefängnis von Charkiw. Erst danach sei eine Behandlung ihrer Rückenschmerzen möglich.

Die 51-jährige ehemalige Ikone der "Orangenen Revolution" leidet unter mehreren Bandscheibenvorfällen, weigert sich aber, sich von ukrainischen Ärzten behandeln zu lassen. Ihrer Tochter zufolge stimmte sie einer Verlegung ins Eisenbahner-Krankenhaus von Charkiw nur unter der Bedingung zu, dass ein deutscher Arzt ihre Behandlung überwache. Harms habe ihrer Mutter den Bericht seiner deutschen Kollegen übergeben, wonach ohne rasche Behandlung bleibende Schäden drohten, sagte die 32-Jährige. "Sie hat ihrer Verlegung nur zugestimmt, weil Harms sie behandelt und ständig an ihrer Seite bleiben wird".

Laut Jewgenija Timoschenko leidet ihre Mutter an Unterkühlung und ist kaum noch bei Bewusstsein. "Sie hat stark abgenommen, dem Anschein nach rund zehn Kilo". Vor ihrem Hungerstreik wog sie ihrem Anwalt zufolge 59 Kilogramm.

Einem Bericht von "Focus" zufolge bot die ukrainische Regierung inzwischen an, dass Timoschenko rund um die Uhr von deutschen Ärzten in einem ukrainischen Krankenhaus ihrer Wahl betreut werden könne. Angebote Berlins, sie in Deutschland zu behandeln, lehnt Kiew ab. Der Neurologe Harms von der Berliner Charité hält sich derzeit in Charkiw auf, um die Behandlungsmöglichkeiten zu begutachten.

Der Fall Timoschenko wird zunehmend zu einem Debakel für Kiew. Am Dienstag verschob die Regierung mangels Teilnehmer den für Freitag und Samstag in Jalta geplanten Mitteleuropa-Gipfel. Einen neuen Termin nannte sie zunächst nicht. Zu dem Gipfeltreffen auf der Krim war ein Dutzend Staatschefs eingeladen. Fast alle hatten aber wegen der nach ihrer Auffassung politisch motivierten Inhaftierung Timoschenkos und des Umgangs der Behörden mit ihr inzwischen abgesagt, darunter auch Bundespräsident Joachim Gauck.

Seit geraumer Zeit wird zudem über einen politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine debattiert, die das Land ab dem 8. Juni gemeinsam mit Polen ausrichtet.

Autor: Kiew (AFP)

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