18.06.2012

Los Cabos (AFP)

Scharfe Töne vor G-20-Gipfel: EU will keine Belehrungen

Scharfe Töne kurz vor Eröffnung des G-20-Gipfels: Die EU verwahrte sich beim Treffen der führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) in Mexiko gegen Belehrungen in Sachen Krisenbekämpfung.
Foto: © 2012 AFP G-20-Tagungsort in Mexiko
Scharfe Töne kurz vor Eröffnung des G-20-Gipfels: Die EU verwahrte sich beim Treffen der führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) in Mexiko gegen Belehrungen in Sachen Krisenbekämpfung.

Im Streit über Wege zur Stärkung des Wachstums haben sich die Europäer beim Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer (G-20) gegen "Belehrungen" verwahrt. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso verwies im mexikanischen Los Cabos auf den Ursprung der Krise in den USA. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte die "gemeinsame Linie" der Europäer.

"Ehrlich gesagt, wir kommen nicht hierher, um uns Belehrungen in Sachen Demokratie oder in Sachen Wirtschaftspolitik anzuhören", sagte Barroso kurz vor Beginn des Gipfels auf die Frage eines kanadischen Reporters nach der Glaubwürdigkeit der EU. Er setzte hinzu, die Krise habe ihren Ausgang schließlich in Nordamerika genommen.

Verschiedene EU-Vertreter, darunter auch Merkel, hatten sich bereits im Vorfeld des Treffens dagegen gewehrt, Europa die alleinige Schuld an der Schwäche der Weltwirtschaft zu geben. Das Krisenmanagement der Europäer dürfte zu einem der Hauptthemen des Gipfels werden, insbesondere die USA fordern mehr Einsatz und auch mehr Geld für Wachstumsmaßnahmen.

Merkel betonte in Los Cabos, die Bemühungen um Wachstum und Beschäftigung stünden "ganz oben" auf der Agenda des zweitägigen Gipfels. Dazu werde aber "jeder Kontinent" seinen Beitrag leisten müssen. Die Europäer würden ihre Probleme "entschlossen angehen". Dazu gehörten Strukturreformen, Haushaltskonsolidierung und Wachstumsimpulse.

Um das Thema dürfte es auch bei einem Sondertreffen zwischen US-Präsident Barack Obama und den europäischen G-20-Mitgliedern am Abend gehen. Merkel besprach sich auch mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao und betonte dabei, wie wichtig das Vertrauen der Chinesen in den Euro sei.

Auf der G-20-Tagesordnung stehen darüber hinaus auch eine weitere Regulierung der Finanzmärkte, Bemühungen um einen freieren Welthandel und Beschlüsse zur Entwicklung ärmerer Länder. Merkel forderte ebenso wie der russische Präsident Wladimir Putin einen entschlossenen Kampf gegen Protektionismus. Dieser sei schädlich für das weltweite Wachstum.

Im Tauziehen um die Aufstockung der Krisenmittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellten einflussreiche Schwellenländer Bedingungen. Die so genannten BRICS-Staaten verlangten unter anderem IWF-Reformen, ehe sie die von ihnen erwarteten Beiträge leisten. Die BRICS sind Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, sie gehören zur Gruppe der G-20. Die Verdoppelung der IWF-Krisenmittel auf rund 800 Milliarden Dollar war grundsätzlich bereits im April beschlossen worden.

Die G-20-Mitgliedsländer stehen zusammen für fast 90 Prozent der Wirtschaftsleistung weltweit und zwei Drittel der Weltbevölkerung. Der Gipfel in Los Cabos ist der siebte in diesem Format.

Autor: Los Cabos (AFP)

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