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13.12.2012

Damaskus (AFP)

Russland schließt Niederlage von Assad nicht mehr aus

Die russische Regierung stellt sich anscheinend auf einen Machtwechsel in Syrien ein. Der stellvertretende russische Außenminister Michail Bogdanow sagte, ein Sieg der Opposition könne "nicht ausgeschlossen" werden. Das Archivfoto zeigt Bogdanow im Gespräch mit Syriens Präsident Baschar al-Assad.
Foto: © 2012 AFP Russland rechnet offenbar mit Machtwechsel in Syrien
Auch Russland, ein wichtiger Unterstützer des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad, zweifelt mittlerweile an einem Sieg der Führung in Damaskus über die Aufständischen. Die USA warfen der Regierung in Damaskus den Einsatz von Scud-Raketen vor.

Auch Russland, ein wichtiger Unterstützer des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad, zweifelt mittlerweile an einem Sieg der Führung in Damaskus über die Aufständischen. Der russische Vizeaußenminister Michail Bogdanow sagte laut der Nachrichtenagentur ITAR-TASS, ein Sieg der Opposition über die Regierung könne "nicht ausgeschlossen" werden. Die USA warfen der syrischen Armee den Einsatz von Scud-Raketen vor.

"Man muss den Tatsachen ins Auge sehen - das Regierungsregime verliert mehr und mehr die Kontrolle über einen großen Teil des Territoriums", zitierte ITAR-TASS Bogdanow. Die wachsende internationale Anerkennung des Oppositionsbündnisses Syrische Nationale Koalition als alleinige Vertretung des syrischen Volkes kritisierte Bogdanow. Das Programm der Opposition werfe "viele Fragen" auf, ebenso ihre Ablehnung von Gesprächen mit der Assad-Regierung, die sie stürzen wolle. Bislang hatte Russland zusammen mit China alle Versuche im UN-Sicherheitsrat blockiert, Damaskus mit Sanktionen unter Druck zu setzen.

Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sieht die syrische Regierung nach eigener Aussage kurz vor dem Zusammenbruch. Der Kollaps "ist nur eine Frage der Zeit", sagte er in Brüssel. Assad solle nun einen Wandel vorbereiten, der den "gerechtfertigten Bestrebungen des syrischen Volks" entspreche. Er forderte die Regierung auf, die Gewalt in dem umkämpften Land zu beenden.

Zudem verurteilte Rasmussen den mutmaßlichen Einsatz von Scud-Raketen, den die USA und die Rebellen der Regierung vorwarfen. Dieser zeige eine "völlige Missachtung für das Leben" der Bürger. Das Außenministerium in Damaskus stritt den Raketeneinsatz hingegen "kategorisch" ab, wie der staatliche Fernsehsender al-Ichbarija berichtete.

Den Vorwurf des Raketeneinsatzes hatte ein US-Regierungssprecher in der Nacht zum Donnerstag erhoben. "In Syrien sind Scuds gelandet", sagte er. US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland sagte ebenfalls, im Syrien-Konflikt würden inzwischen auch Raketen eingesetzt. Zum Typ der Geschosse wollte sie sich nicht äußern.

Ein desertierter Offizier der Armee sagte zudem der Nachrichtenagentur AFP, dass seine Einheit mehrere Scuds in Richtung der von Aufständischen besetzten Regionen abgefeuert habe. Ein weiterer ehemaliger Armeeangehöriger bestätigte die Aussage. Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch der Armee bereits den Abwurf von Brandbomben auf die Zivilbevölkerung vorgeworfen.

Die Waffen wurden einst in der Sowjetunion entwickelt. Nach Angaben von Rüstungsexperten tragen Scud-Raketen eine Sprenglast von 3,5 Tonnen und können Ziele in einer Entfernung von 200 Kilometern und mehr treffen.

Unterdessen kam es in Syrien erneut zu Anschlägen. Bei der Explosion einer Autobombe in der Stadt Katana nahe Damaskus starben 18 Menschen, darunter sieben Kinder, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Später berichtete das Staatsfernsehen von der Explosion einer weiteren Autobombe in einem südwestlichen Vorort von Damaskus, bei der acht Zivilisten gestorben seien.

Autor: Damaskus (AFP)