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09.08.2012

Moskau (AFP)

Russland empört über Madonnas Einsatz für Pussy Riot

Der russische Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin hat US-Popstar Madonna beleidigt, die sich für die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot eingesetzt hat. "Jede frühere b." wolle "im Alter jedem moralische Lektionen erteilen, besonders bei Auftritten im Ausland", schrieb Rogosin am Mittwochabend in dem Kurznachrichtendienst Twitter. Der Buchstabe "b." steht im Russischen für "Hure". Später fügte er seinem Eintrag an die Sängerin gerichtet hinzu: "Leg das Kreuz ab oder zieh' dir eine Unterhose an."
Foto: © 2012 AFP Madonna-Konzert in Moskau
Der russische Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin hat US-Popstar Madonna beleidigt, die sich für die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot eingesetzt hat.

Die US-Popikone Madonna hat in Russland mit ihrem Einsatz für die Punkband Pussy Riot und die Rechte von Homosexuellen Empörung ausgelöst. "Jede frühere b... will im Alter jedem moralische Lektionen erteilen, besonders bei Auftritten im Ausland", schrieb Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin auf Twitter, wobei "b..." im Russischen für "Hure" steht. Ein Regionalabgeordneter drohte der Sängerin mit rechtlichen Konsequenzen.

"Leg' das Kreuz ab oder zieh' dir eine Unterhose an", schrieb Rogosin, der für seine verbalen Ausfälle bekannt ist, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Madonna hatte am Dienstag bei ihrem Konzert in Moskau die Freilassung der drei inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot gefordert. Sie sagte, sie bete für die Frauen, denen nach einem Auftritt in einer Moskauer Kathedrale wegen mutmaßlichen Rowdytums mehrere Jahre Haft drohen.

Für ihr Konzert in St. Petersburg kündigte Madonna außerdem an, die Homosexuellen in der Stadt unterstützen zu wollen. Sie rief ihre Fans im Internet auf, zur Unterstützung der Schwulen rosa Armbänder zu tragen, die vor dem Konzert verteilt werden sollten. In St. Petersburg war im März ein Gesetz in Kraft getreten, das Kundgebungen Homosexueller vor den Augen Minderjähriger verbietet und Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzt.

Der Kommunalpolitiker Witali Milonow, einer der Initiatoren des umstrittenen Gesetzes, drohte Madonna mit Konsequenzen. Sollte sie das Gesetz gegen die Verbreitung "homosexueller Propaganda" verletzen, würden "Ermittlungen eingeleitet", sagte die Sprecherin des Abgeordneten der Regierungspartei Vereinigtes Russland. Milonow bekräftige seine Haltung, dass niemand den Russen westliche Werte aufzwingen dürfe, sagte die Sprecherin.

Einige Homosexuelle hielten am Abend vor dem Konzert eine Mahnwache ab, weil ihnen Madonnas Unterstützung nicht weit genug geht. "Es reicht nicht, während eines Konzerts zwischen zwei Liedern einige Worte zur Unterstützung der Homosexuellen zu sagen", sagte der Leiter der Organisation Gay Russia, Juri Gawrikow, der Madonna "Heuchelei" vorwarf. Lieber hätte sie ihre Konzerte nach Inkrafttreten des Gesetzes in St. Petersburg absagen sollen, sagte Gawrikow.

Unterdessen kündigte die in Berlin lebende Elektro-Punk-Musikerin Peaches an, Anfang nächster Woche im Internet ein Video zur Unterstützung von Pussy Riot zu veröffentlichen. Die kanadische Sängerin sagte, sie habe gemeinsam mit der Musikerin Simonne Jones am Mittwoch in einem Berliner Park für die Videoaufnahmen 400 Menschen mit Sturmhauben versammelt. Peaches begründete ihre Aktion damit, dass sie ebenso wie Pussy Riot ihre musikalischen Wurzeln im feministischen Punk-Rock habe.

Autor: Moskau (AFP)