12.06.2012

Breslau (AFP)

Polen kann nach Remis weiter vom Viertelfinale träumen

Zwei Blitztore haben Tschechien bei der Fußball-EM zurück ins Spiel gebracht. Petr Jiracek (3., l.) und Vaclav Pilar (6.) sorgten für die frühe Entscheidung gegen Griechenland, das nun vor dem Aus steht.
Foto: © 2012 AFP Jiracek (l.) und Pilar treffen für Tschechien
EM-Mitgastgeber Polen hat sich ein 1:1 gegen Russland erkämpft und damit die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale gewahrt. Selbiges gilt für Tschechien, das nach einem Sieg über die Griechen ebenfalls weiter vom Viertelfinale träumen darf.

Ein Traumtor von Jakub Blaszczykowski lässt EM-Gastgeber Polen weiter auf den Viertelfinal-Einzug hoffen. Der Dortmunder Flügelspieler rettete seiner Mannschaft im brisanten Duell mit dem Erzrivalen Russland im zweiten Gruppenspiel ein 1:1 (0:1) - und dennoch steht Polen gegen Tschechien am Samstag in Breslau mit dem Rücken zur Wand. Ein Sieg: K.o.-Runde, kein Sieg: das Aus. Russland reicht schon ein Unentschieden gegen Griechenland für den Einzug in die Runde der letzten Acht.

Immerhin haben die Polen ihr Schicksal nach Blaszczykowskis stürmisch umjubeltem Ausgleichstreffer (57.) selbst in der Hand. "Kuba" fasste sich in einer teils turbulenten zweiten Halbzeit aus 18 Metern nach Zuspiel von Lukasz Piszczek ein Herz - eine Dortmunder Co-Produktion. Alan Dsagojew (37.) hatte Russland mit seinem dritten Treffer bei der EM in Führung gebracht. Hätte sie Bestand gehabt, wäre die Sbornaja bereits durch gewesen.

Die historische Belastung des Duells hatte sich vor dem Stadion in schweren Ausschreitungen entladen. An ihrem Nationalfeiertag marschierten Tausende Fans der Russen Stunden vor dem Anpfiff entlang der Weichsel zur Arena - eine blanke Provokation, auf die viele Polen mit wüsten Beschimpfungen reagierten. Flaschen flogen, die Polizei schritt ein und wurde auch attackiert. Sie musste Tränengas und Wasserwerfer einsetzen, der Marsch wurde aufgelöst.

Im Nationalstadion setzten sich die Provokationen fort. Während die Nationalhymne vor dem Anpfiff des souveränen Schiedsrichters Wolfgang Stark (Ergolding) abgespielt wurde, rollten russische Anhänger ein riesiges Banner aus, das die halbe Fankurve bedeckte: "This is Russia", stand da, abgebildet war ein furchterregender Krieger. Die polnischen Fans reagierten mit einem Pfeifkonzert und lautstarken "Polska"-Rufen.

Im ersten Spiel der Gruppe A haben zwei Blitztore aus der Bundesliga Tschechien bei der EM zurück ins Spiel gebracht. Der Wolfsburger Petr Jiracek (3.) und sein künftiger Vereinskollege Vaclav Pilar (6.) führten die Tschechen mit zwei Treffern innerhalb von drei Minuten zu einem 2:1 (2:0) gegen Griechenland. Nach dem Debakel zum EM-Auftakt gegen Russland (1:4) haben die Tschechen wieder alle Chancen, einen der ersten beiden Plätze in der Gruppe A zu erreichen und ins Viertelfinale einzuziehen. Der Gegner dort käme dann aus der deutschen Gruppe B. Griechenland steht nach dem 1:1 im Eröffnungsspiel gegen Polen dagegen vor dem Aus.

Tschechiens Weltklassetorhüter Petr Cech hatte die Begegnung gegen den Europameister von 2004 zum "wichtigsten Spiel der Vorrunde" erklärt. Cech ließ die Griechen mit einem seltenen Patzer aber auch noch einmal herankommen. Nach einem Missverständnis mit Vordermann Tomas Sivok bekam der Champions-League-Sieger vom FC Chelsea den Ball nicht zu fassen, der eingewechselte Theofanis Gekas schaltete blitzschnell und erzielte den Anschlusstreffer (53.). Danach drängte Griechenland vor 41.000 Zuschauern energisch auf den Ausgleich - ohne Erfolg.

Der Patzer von Cech stand im krassen Gegensatz zu der Ernsthaftigkeit, mit der die Tschechen in das Spiel gegangen waren. Angetrieben von mehr als 20.000 Anhängern im Stadion von Breslau, die zunächst den ungeliebten Nationaltrainer Michal Bilek ausgepfiffen hatten, legten sie ein Höllentempo vor und trafen schnell zwei Mal. Bis zum Gegentreffer hatten sie die Begegnung im Griff, dann drohte Ungemach: Die Souveränität war dahin, Griechenland, mit Kostas Fortounis vom 1. FC Kaiserslautern in der Startelf, witterte seine Chance, doch die Angriffe verpufften zumeist schon vor dem Strafraum.

Autor: Breslau (AFP)

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