Wochenblatt
04.07.2012

Genf/Berlin (AFP)

Physiker bejubeln Entdeckung des möglichen Higgs-Bosons

Sogar nüchterne Physiker ließen ihren Tränen freien Lauf: Das Kernforschungszentrum CERN hat in Genf die Entdeckung eines neuen Partikels bekanntgegeben, bei dem es sich offenbar um das langgesuchte "Gottesteilchen" Higgs-Boson handelt. Nach ihm war seit Jahrzehnten gesucht worden, seine mögliche Entdeckung gilt schon seit langem als potenzielle Jahrhundert-Sensation. Die Grafik zeigt Erklärungen zum Higgs-Teilchen und -Mechanismus mit Hintergrund zu Elementarteilchen und den vier Grundkräften der Physik.
Foto: © 2012 AFP Infografik: Higgs-Boson - das "Gottesteilchen"
Sogar nüchterne Physiker ließen ihren Tränen freien Lauf: Das Kernforschungszentrum CERN hat in Genf die Entdeckung eines neuen Partikels bekanntgegeben, bei dem es sich offenbar um das langgesuchte "Gottesteilchen" Higgs-Boson handelt.

Sogar nüchterne Physiker ließen ihren Tränen freien Lauf: Das Kernforschungszentrum CERN hat in Genf die Entdeckung eines neuen Partikels bekanntgegeben, bei dem es sich offenbar um das langgesuchte "Gottesteilchen" Higgs-Boson handelt. Nach ihm war seit Jahrzehnten gesucht worden, seine mögliche Entdeckung gilt schon seit langem als potenzielle Jahrhundert-Sensation.

Am Mittwochmorgen gab es stehende Ovationen im Genfer Kernforschungszentrum CERN, als Wissenschaftler ihre Ergebnisse der Suche nach dem sogenannten "Gottesteilchen" präsentierten. Es sei ein Teilchen entdeckt worden, das dem "lange gesuchten Higgs-Boson ähnelt", erklärte das CERN. Allerdings sei noch nicht mit letzter Sicherheit gewiss, ob es sich bei dem Fund um das seit Jahrzehnten gesuchte Higgs-Boson handelt.

"Als Laie würde ich sagen, wir haben es, aber als Wissenschaftler muss ich fragen: Was haben wir?", sagte CERN-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer in Genf. CERN-Physiker Yves Sirois sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Es könnte das Higgs-Boson sein, das wir gefunden haben, was ein Licht darauf werfen würde, wie gleich zu Beginn des Universums Materie entstehen konnte."

Nach dem Partikel war in den vergangenen Monaten mit zwei Detektoren am weltgrößten Teilchenbeschleuniger LHC gesucht worden. Bereits im Dezember 2011 wurde erste Hinweise auf einen möglichen Fund gemeldet. Seitdem wurden weitere Experimente mit dem LHC am CERN vorgenommen.

In den gesammelten Daten der Jahre 2011 und 2012 wurde das neue Teilchen mit einer Masse von 125-126 Gigaelektronenvolt (GeV) ausgemacht. Anders als noch im vergangenen Jahr liegt die Fehlerwahrscheinlichkeit der neuen Daten praktisch bei Null, genauer gesagt bei 0,00006 Prozent. Damit sind die Kriterien erfüllt, um die neue Beobachtung eine "Entdeckung" nennen zu dürfen.

Mit dem sogenannten Higgs-Mechanismus wird im Standardmodell der Elementarteilchen-Physik erklärt, wie die Teilchen - also die Grundbausteine der Materie - ihre Masse erhalten. Die Suche nach dem Higgs-Teilchen gehört zu den zentralen Forschungsvorhaben des LHC-Teilchenbeschleunigers an der französisch-schweizerischen Grenze. Mehr als hundert Meter unter der Erde lassen die CERN-Wissenschaftler dazu in dem 27 Kilometer langen Ringtunnel Protonen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen.

Namensgeber Peter Higgs, der 1964 entscheidende Grundlagenarbeit zu der Theorie veröffentlicht hatte, zeigte sich begeistert. "Ich habe nie erwartet, dass das noch zu meinen Lebzeiten passiert. Ich sollte meine Familie bitten, eine Flasche Champagner kaltzustellen", äußerte sich der zurückhaltende britische Physiker in einer Stellungnahme der Universität von Edinburgh. Der belgische Physiker Francois Englert sagte: "Ich möchte nur sagen, dass meine Gedanken bei Robert Brout sind." Englert und Brout hatten unabhängig von Higgs wichtige Grundlagenarbeit zu der Theorie geleistet. Alle drei gelten als Kandidaten für den kommenden Nobelpreis.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) erklärte in Berlin: "Die Ausdauer und Neugier der Wissenschaftler wurde belohnt. Ich gratuliere den beteiligten Arbeitsgruppen herzlich zu dieser wissenschaftlichen Sensation." Die CERN-Entdeckung gilt auch als deutscher Erfolg: Berlin finanziert seit der Gründung etwa 20 Prozent des CERN-Haushalts. Generaldirektor Heuer stammt ebenso aus Deutschland wie mehr als 700 Forscher, die an den Experimenten im Teilchenbeschleuniger LHC beteiligt waren, teilten die deutschen Wissenschaftler in einer gemeinsame Presseerklärung mit.

Autor: Genf/Berlin (AFP)

Das könnte Sie auch interessieren

Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum in München

München in Aufruhr

+++ Live-Ticker zum Drama in München +++ 9 Tote +++ Täter war ein 18-Jähriger, der sich selbst tötete

Das Resüme des Schreckensabends in München. Es gab neun Tote und 16 Verletzte darunter auch Kinder. Der Täter, ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, hat sich selbst getötet. Zum Motiv kann die Polizei derzeit nichts sagen. mehr ...

Bei dem mutmaßlichen Todesschützen von München handelt es sich um einen 18-jährigen Deutsch-Iraner aus der bayerischen Landeshauptstadt.

München (AFP)

Münchner Todesschütze erschießt neun Menschen und tötet sich selbst

Bei dem mutmaßlichen Todesschützen von München handelt es sich um einen 18-jährigen Deutsch-Iraner aus der bayerischen Landeshauptstadt. Es gebe keine Hinweise darauf, dass weitere Täter beteiligt gewesen seien, sagte Polizeipräsident Andrä. mehr ...

Facebook

Schießerei

Sollten mit diesem facebook-Post viele Leute zur Schießerei gelockt werden?

Ein facebook-Posting, das sich in den Sozialen Netzwerken verbreitet, gibt Rätsel auf. mehr ...

München, Olympia-Stadion, Olympiastadion

Pressekonferenz

Details zu den Schüssen in München: 'Amoktäter ohne jeglichen politischen Hintergrund'

Nach der schrecklichen Nacht in München hat es am Samstagmittag, 23. Juli, eine weitere Pressekonferenz gegeben. Nachdem bereits gegen 2 Uhr nachts die Verantwortlichen der Polizei vor die Presse getreten waren, gaben sie ab 11.50 Uhr weitere Details bekannt. mehr ...

Welterbe Regensburg

Ausverkauf

Ramma damma: ,Die Regensburger Altstadt ist einzigartig und unvergleichlich'

Über 30 Geschäfte beteiligen sich an der Aktion Ramma dama in der Altstadt. Das Regensburger Wochenblatt sprach mit Ingo Saar, dem Geschäftsführer von "Faszination Altstadt" über die Welterbestadt. mehr ...

BFG - Big Friendly Giant

BFG - Big Friendly Giant

Wie jeder weiß, beginnt die Geisterstunde um Mitternacht - falsch gedacht, denn in Wahrheit ist diese um 3 Uhr morgens. Das weiß auch die 10-jährige Sophie, denn sie streift nachts durch ihr Kinderheim und trifft eines Morgens den Riesen namens BFG, der sie kurzerhand entführt. Zum Glück ist er ganz lieb, aber leider gibt es noch größere Riesen und die verspeisen gerne Menschen. Daher schmieden beide den Plan, dem ein Ende zu bereiten. mehr ...