07.10.2012 Regensburg

Medizin

Organskandal: Verdacht auf fahrlässige Tötung in Klinik rechts der Isar


Die Vorwürfe gegen Mediziner des Transplantationszentrums des Münchner Klinikums rechts der Isar reißen nicht ab: Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen vier Chirurgen, der Tatvorwurf lautet auf fahrlässige Tötung wegen ärztlichen Kunstfehlers. Zwischenzeitlich wurde die Abteilung auf Betreiben des Wissenschaftsministers Wolfgang Heubisch ausgelagert und ein Interims-Chef bestimmt.

In dem Fall geht es um den Patienten Siegfried K. aus Bayern. Der an Hepatitis erkrankte Mann, damals 68, erhielt am 13. Juni sowie am 26. Juni jeweils eine Spenderleber und starb beim zweiten Eingriff auf dem OP-Tisch. Die Witwe Roswitha K., 56, sagte dem SPIEGEL, ihrem Mann sei es während der letzten Jahre gutgegangen; dennoch habe einer der Chirurgen bei Routineuntersuchungen wiederholt eine Transplantation vorgeschlagen: "Die Ärzte haben meinen Mann regelrecht zur Transplantation gedrängt." Roswitha K. hat schon im Juli Strafanzeige erstattet – also viele Wochen bevor das Transplantationszentrum einräumte, dass Mitarbeiter Labordaten gefälscht und in mindestens vier Fällen falsche Angaben gegenüber der Zuteilungsstelle für Spenderorgane (Eurotransplant) gemacht hatten. Infolge der Manipulationen kamen die Chirurgen bevorzugt an Organe.

 

Der Tod Siegfried K.s bringt die Münchner Ärzte jetzt in Erklärungsnot. Denn offenbar haben sie übersehen, dass der Patient wegen einer schweren Herzkrankheit für eine Transplantation gar nicht hätte in Frage kommen dürfen. Die gerichtliche Leichenöffnung durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität München hat erbracht, dass K. einen vergrößerten Herzmuskel hatte (Herzgewicht 581 Gramm). Im Protokoll steht: "Das heißt, Herr K. war schon längere Zeit herzkrank, auch wenn er es selbst nicht bemerkt haben sollte. Bei Personen mit einem derartig vergrößerten Herzen kann es jederzeit zum unerwarteten Herzstillstand kommen, insbesondere in körperlichen Belastungssituationen, wie es eine Operation darstellt."

 

Das Klinikum rechts der Isar stellte gegenüber dem SPIEGEL dazu fest: Die Ärzte hätten Herrn K. auch am Herzen untersucht und "keine Hinweise auf relevante Vorerkrankungen" gefunden. Man könne mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen", dass bei der Organvergabe an Herrn K. gegen Richtlinien verstoßen wurde.

 

Aufgrund der Vorfälle bei Lebertransplantationen am Klinikum rechts der Isar hat Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch als Aufsichtsratsvorsitzender eine Sondersitzung des Aufsichtsgremiums einberufen. In der Sitzung des Aufsichtsrats wurden organisatorische und kommunikative Defizite im Bereich der Lebertransplantation am Klinikum rechts der Isar festgestellt. Deshalb hat der Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung organisatorische Verbesserungen beschlossen.

Der Aufsichtsrat beauftragt in Abstimmung mit dem Ärztlichen Direktor den Vorstand des Klinikums, die Transplantationsmedizin aus der Klinik für Chirurgie und der Medizinischen Klinik II herauszulösen und ein selbständiges Zentrum für Transplantationsmedizin am Klinikum rechts der Isar der TU München einzurichten.

Damit die Versorgung der Patienten lückenlos gewährleistet bleibt, wird mit sofortiger Wirkung Professor Eberhard Kochs, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, zum kommissarischen Leiter des Zentrums bestellt. Es soll zeitnah eine Leitung berufen werden. Erste Gespräche mit einer externen Persönlichkeit wurden bereits aufgenommen.

Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch betont: „Der Aufsichtsrat behält sich weitere Schritte abhängig von den Ergebnissen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sowie der Prüfungskommission der Bundesärztekammer vor.“ 

Autor: Spiegel / pm

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort:

Das könnte Sie auch interessieren

Schwerer Unfall

Drama nach dem Lorenzer Faschingszug: Fußgänger schwebt nach Unfall in Lebensgefahr

Am Freitag, 24. Februar, gegen 20.30 Uhr, kam es im Bereich der Nachfeier des Lorenzer Faschingszuges zu einem schweren Verkehrsunfall. mehr ...

mehr Bilder ansehen
Simon Brunner

Game-Show für die Härtesten

Wird Simon Brunner aus Teisendorf Ultimate Beastmaster?

Vergessen Sie Ninja Warrior. Mit Ultimate Beastmaster, präsentiert von Sylvester Stallone, kommt das härteste Hindernisrennen der Sportgeschichte nach Deutschland. Mit dabei: Simon Brunner aus Teisendorf. mehr ...

Bilder + Bilder + Bilder

Weiberfasching 2017 im Straubinger SIN

Weiberfasching in Straubing – so feierten die Damen im The Sin. mehr ...

mehr Bilder ansehen
Hähnchen

Kurioses aus dem Polizeibericht

Landshut: Das Hähnchen am Heckscheibenwischer

Einen seltsamen Humor hat ein 19-jähriger Autofahrer, den die Polizei am Donnerstag in Landshut kontrollierte. Der junge Mann hatte ein Hähnchen an seinen Heckscheibenwischer gebunden. mehr ...

BMW Dingolfing Freisprechungsfeier1

Festakt in der Stadthalle

BMW Dingolfing spricht 133 Auszubildende frei: Linda und Manuel waren die Besten!

Am Donnerstag haben 133 Auszubildende aus 11 unterschiedlichen Ausbildungsberufen des BMW Group Werks Dingolfing ihre Facharbeiterbriefe erhalten. mehr ...

Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste

Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste

Paris ist für seine Snobs bekannt. So gehören auch Christine und Pierre Dubreuil zur Oberschicht. Die Eheleute hassen sich leidenschaftlich. Pierre zieht am liebsten über Gutmenschen und seine intellektuellen Nachbarn her. Als ein unerwartet harter Winter einbricht, wird die Luxus-Wohnung der Debreuils beschlagnahmt. Obdachlose sollen einziehen. Während Pierre auf die Barrikaden geht, sieht seine Frau eine Chance zur Veränderung. mehr ...