Wochenblatt
18.06.2012

Frankfurt/Madrid (AFP)

Nur kurze Erleichterung über Wahlausgang in Griechenland

Die konservative Nea Dimokratia (ND) wurde am Sonntag mit knapp 30 Prozent stärkste Kraft, gefolgt vom Linksbündnis Syriza mit fast 27 Prozent und der sozialdemokratischen Pasok mit gut 12 Prozent. ND und Pasok (33 Sitze), die beide grundsätzlich zu den Sparverpflichtungen stehen, kämen zusammen auf 162 Sitze und könnten eine pro-europäische Koalitionsregierung bilden.
Foto: © 2012 AFP Infografik: Das griechische Parlament
Die Sorge um die Zukunft der Euro-Zone insgesamt hat die anfangs gestiegenen Aktienkurse an den europäischen Börsen schnell wieder gedrückt und ließ die Zinsen für Anleihen der Schuldenländer Spanien und Italien steigen.

Die Erleichterung über den Wahlausgang in Griechenland ist schnell verflogen: Die Sorge um die Zukunft der Euro-Zone insgesamt drückte die anfangs gestiegenen Aktienkurse an den europäischen Börsen schnell wieder und ließ die Zinsen für Anleihen der Schuldenländer Spanien und Italien steigen. Die Börsen schlossen uneinheitlich - der Dax leicht im Plus.

Nach dem Wahlsieg der konservativen Nea Dimokratia (ND) in Griechenland, der als Votum für ein Festhalten an den internationalen Sparauflagen gewertet wurde, verzeichneten Europas Börsen am Morgen zunächst deutliche Kursgewinne. Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte um 1,21 Prozent zu, auch in Paris und Madrid stiegen die Kurse. Sie folgten damit der Entwicklung in Asien.

Doch bereits am späten Vormittag begann sich die Stimmung zu drehen, vor allem in den Schuldenländern Spanien und Italien. Die Renditen für spanische Staatsanleihen stiegen auf über 7,0 Prozent und damit auf einen neuen Rekordstand. Investoren verlangten für den Kauf bereits ausgegebener Schuldenpapiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren 7,078 Prozent Rendite. Auch italienische Staatsanleihen verloren erneut an Wert, ihre Renditen kletterten auf 6,044 Prozent.

Die Rendite gibt Auskunft, wie hoch die Nachfrage nach Staatsanleihen und wie hoch der Risikozuschlag ist, den die Investoren verlangen. Je niedriger die Nachfrage und je niedriger der Preis, den sie für die Schuldpapiere bieten, desto höher ist die Rendite. Sie ändert aber nichts am Zinssatz, den Spanien oder Italien auf diese Anleihen zahlen muss, denn dieser wird bei der Ausgabe der Papiere festgelegt. Die Rendite gibt aber einen Hinweis darauf, wie hoch der Zinssatz für die nächsten auszugebenden Anleihen sein könnte.

Entsprechend stark fielen die Kurse in Madrid und in Mailand. Die Börse in Madrid schloss mit 2,96 Prozent im Minus; vor allem die Bankenwerte zogen den Index nach unten. In Mailand ging die Börse mit einem Minus von 2,85 Prozent aus dem Handel. Auch hier hatten vor allem die Kurse der Bankaktien nachgegeben.

Mit einem kräftigen Plus von 3,6 Prozent konnte noch die Börse in Athen vor den anderen Marktplätzen schließen. Die Börsen in Frankfurt, London und Paris notierten um den Vortageskurs. Der Dax schloss mit 0,30 Prozent leicht im Plus und 6248,20 Punkten. In London kletterte der FTSE-100 bis zum Abend um 0,22 Prozent auf 5491,09 Punkte. In Paris gab der CAC 40 um 0,69 Prozent nach und notierte bei 3066,19 Punkten.

Auch die Wall Street reagierte zunächst verhalten: Die Kurse kletterten nach anfänglichen Verlusten ins Plus und fielen dann wieder ins Minus; knapp zwei Stunden nach Öffnung lag der Dow Jones bei 12.747,15 Punkten und damit 0,16 Prozent unter dem Stand vom Freitag. Der Nasdaq blieb von Anfang an leicht im Plus. Ausschlaggebend für die Entwicklung war nach Angabe von Händlern nicht die Entwicklung in Europa, sondern positive Nachrichten in den USA.

Die US-Ratingagentur Fitch versicherte, sie drohe nun nicht mehr damit, die Kreditwürdigkeit der Euro-Staaten weiter abzusenken. Das Wahlergebnis in Griechenland vom Sonntag habe das Risiko verringert, dass Griechenland die Euro-Zone verlasse, erklärte Fitch. Diese Möglichkeit hatte die Ratingagentur im Mai veranlasst, mit einer weiteren Abstufung der Kreditwürdigkeit zu drohen.

Autor: Frankfurt/Madrid (AFP)

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