Wochenblatt
15.04.2012

Pjöngjang (AFP)

Nordkorea: Kim Jong Un propagiert Kampf für Sozialismus

Bei pompösen Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung hat der neue nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un seine Landsleute auf den Kampf für den Sozialismus eingeschworen. Die Feiern dauern bereits seit Tagen, unter anderem wurden am Freitag in Pjöngjang große Statuen von Kim Il Sung und und seinem Sohn Kim Jong Il enthüllt.
Foto: © 2012 AFP Personenkult in Pjöngjang
Bei pompösen Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung hat der neue nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un seine Landsleute auf den Kampf für den Sozialismus eingeschworen. Es folgte eine große Militärparade.

Bei pompösen Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung hat der neue nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un seine Landsleute auf den Kampf für den Sozialismus eingeschworen. "Wir müssen unser Militär auf jede denkbare Weise stärken", sagte Kim Jong Un in einer 20-minütigen Rede vor zehntausenden jubelnden Menschen in Pjöngjang. Es folgte eine Militärparade mit Kampfjets, Raketen und Stalin-Orgeln.

Die Nordkoreaner müssten das Ziel verfolgen, "einen mächtigen und wohlhabenden sozialistischen Staat zu errichten", sagte Kim Jong Un, der in den vergangenen Tagen mit weiteren Ämtern zum dritten Staatsführer aus der Kim-Familie aufgebaut wurde. Während sein Vater, der im Dezember 2011 gestorbene Kim Jong Il, Reden in der Öffentlichkeit gemieden hatte, trug Kim Jong Un einen umfangreichen, vorbereiteten Redetext vor. Nordkoreas Armee, mit 1,2 Millionen Mann die viertgrößte der Welt, könne "jeden Feind schlagen", sagte er.

Zu den Feierlichkeiten vom Wochenende waren ungewöhnlich viele Akkreditierungen für ausländische Journalisten ausgestellt worden. Zwei Monate lang wurde Pjöngjang von tausenden Arbeitern herausgeputzt. Bei der zweistündigen Militärparade wurden unter anderem Styx-, SA2-, SA3-, SA5-, Hwasong-, Nodong- und Musudan-Raketen aufgefahren. Militärexperten bemerkten, dass anders als bei der letzten großen Parade im Oktober 2010 auch eine Rakete der Taepodong-Klasse mit 20 Metern Länge vorgeführt wurde.

Die Feierlichkeiten fanden bei strahlendem Sonnenschein statt, tausende Soldaten mit roten Fahnen paradierten in perfektem Gleichschritt. Die Zivilisten winkten mit Papierblumen in den Farben rot, gelb und weiß oder auch mit den nordkoreanischen Blumenzüchtungen Kimjongilia in rot oder Kimilsungia in pink. "Ich erweise den Kameraden Kim Il Sung und Kim Jong Il die höchste Achtung und größte Ehre", sagte Kim Jong Un, dessen Alter nicht offiziell genannt wird, der aber wohl 29 oder 30 Jahre alt ist, in seiner ersten Rede.

Die Feiern dauerten mehrere Tage, unter anderem wurden am Freitag in Pjöngjang große Statuen von Kim Il Sung und Kim Jong Il enthüllt. Zu den Feierlichkeiten sollte eigentlich auch der Start einer Langstreckenrakete vom Typ Unha-3 zählen - sie zerbrach jedoch in der Nacht zum Freitag nach wenigen Minuten und stürzte ins Meer.

Südkoreanische Kritiker des stalinistischen Sozialismus im Norden ließen an der Grenze Ballons mit 200.000 Flugblättern aufsteigen. Darauf kritisierten sie den kostspieligen Raketenstart, während zugleich ein Großteil der Bevölkerung Nordkoreas Hunger leide. Die drei Machthaber aus der Kim-Familie wurden als "die drei führenden Verräter" des Landes bezeichnet.

Am Freitag war Kim Jong Un zum "ersten Vorsitzenden" des Verteidigungsausschusses ernannt worden. Mit dem neuen Amt wurde der Prozess der Machtübergabe nach dem Tod Kim Jong Ils abgeschlossen. Kim Jong Un ist damit nicht nur Vorsitzender des höchsten beschlussfassenden Gremiums des kommunistischen Staates, sondern auch oberster Befehlshaber der Streitkräfte und Generalsekretär der Kommunistischen Partei. Am Samstag ernannte er 70 Offiziere zu Generälen. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap soll mit den Beförderungen die Führungsspitze der Armee verjüngt werden.

Autor: Pjöngjang (AFP)

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