Wochenblatt
01.08.2012

Berlin (AFP)

Neues Transplantationsgesetz in Kraft getreten

Der Bedarf an Spenderorganen liegt in Deutschland weit über der Zahl der tatsächlich verpflanzten Organe. Mit Abstand am öftesten wurde 2011 Nieren transplantiert, gefolgt von Leber, Herz und Lunge.
Foto: © 2012 AFP Organstransplantationen in Deutschland
Organspenden sollen in den deutschen Kliniken künftig besser koordiniert werden. Durch das neue Transplantationsgesetz, das jetzt in Kraft getreten ist, werden zugleich Lebendspender, die einem Angehörigen eine Niere geben, besser abgesichert.

Organspenden sollen in den deutschen Kliniken künftig besser koordiniert werden. Durch das neue Transplantationsgesetz, das jetzt in Kraft getreten ist, werden zugleich Lebendspender, die einem Angehörigen eine Niere geben, besser abgesichert. Kritikern halten die neuen Regelungen wegen des jüngsten Organspendeskandals an der Göttinger Universitätsklinik allerdings für unzureichend und fordern mehr Kontrolle.

Mit dem neuen Transplantationsgesetz werden unter anderem die rund 1400 Kliniken mit Intensivstationen, die für Organtransplantationen in Frage kommen, verpflichtet, einen Transplantationsbeauftragten zu berufen. Dieser soll unter anderem potenzielle Organspender melden und deren Angehörige beraten. Zudem werden Lebendspender, die einem Angehörigen eine Niere oder einen Teil ihrer Leber spenden, besser abgesichert. Sie haben künftig unter anderem Anspruch auf Lohnfortzahlung für sechs Wochen. Bisher mussten sie für den Eingriff zum Beispiel Urlaub nehmen.

Eine weitere Neuerung im Transplantationsgesetz - die Regelung zur sogenannten Entscheidungslösung - tritt erst zum 1. November in Kraft. Versicherte werden von ihrer Krankenkassen künftig regelmäßig über die Organspende informiert und zur Abgabe einer Erklärung über ihre Organspendebereitschaft aufgefordert. Auch Behörden sollen verstärkt Informationsmaterial zur Organspende verteilen, damit sich mehr Menschen mit dem Thema befassen.

Der Ärzteverband Marburger Bund dringt indes auf eine weitreichende Reform des Transplantationsgesetzes, um einen Skandal wie in Göttingen in Zukunft zu verhindern. Der Vorsitzende Rudolf Henke sprach sich im NDR für ein Mehraugenprinzip aus. Statt wie bisher nur ein Arzt sollten künftig mehrere Mediziner die Daten eines potenziellen Organempfängers gegenzeichnen, um Missbrauch zu verhindern.

Nach Angaben des medizinischen Vorstands der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Günter Kirste, ist bislang auch die Finanzierung der Transplantationbeauftragten unklar. Die neuen Regelungen seien aber generell "ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", sagte Kirste im RBB.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betonte im RBB, mit dem neuen Transplantationsgesetz würden die Abläufe bei Organtransplantationen künftig besser dokumentiert und damit kontrollierbarer.

Der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer (BÄK), Hans Lilie, erwartet von den neuen Regelungen mehr Sicherheit. Die Befugnisse der Kontrollkommission würden deutlich gestärkt, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Die Koordinierungsstelle Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), Krankenhäuser und Transplantationszentren seien verpflichtet, der Prüfungskommission alle Unterlagen über Organvermittlungen vorzulegen. Ein Missbrauch könne aber niemand hundertprozentig verhindern, sagte Lilie mit Blick auf den jüngsten Organspende-Skandal.

Zwei leitende Ärzte sollen am Göttinger Uniklinikum Daten von Patienten manipuliert haben, so dass diese bei Organtransplantationen bevorzugt wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bestechlichkeit und wegen des Anfangsverdachts von Tötungsdelikten. Geprüft wird, ob durch die Bevorzugung von Patienten möglicherweise andere nicht rechtzeitig eine Spenderleber erhalten haben und deshalb gestorben sind.

Autor: Berlin (AFP)

Das könnte Sie auch interessieren

Nackedei in der Altstadt unterwegs

Polizei nahm ihn mit:

Nackedei auf Sightseeingtour in der Passauer Altstadt

Am 28. August gegen 11 Uhr, griff die Polizei einen bekennenden Nudisten aus dem Raum Passau auf, der splitterfasernackt durch die Altstadt flanierte. mehr ...

Eine nette und außergewöhnliche Geste hat sich Tim Östreicher aus Ratingen für die 2. Wachabteilung der Feuerwehr Ratingen einfallen lassen.

Dankbarkeit

Tolle Geste: Brandopfer bedankt sich bei der Feuerwehr für seine Rettung

Eine nette und außergewöhnliche Geste hat sich Tim Östreicher aus Ratingen für die 2. Wachabteilung der Feuerwehr Ratingen einfallen lassen. Die 2. Wachabteilung hatte Dienst, als der junge Ratinger Bürger bei einem Wohnungsbrand in arge Bedrängnis geriet. mehr ...

Konrad F. (Name geändert, richtiger Name der Redaktion bekannt) kann nicht mehr lachen: Seit Monaten wird er von einem Stalker aus demselben Dorf verfolgt und beschuldigt, der Mann zu sein, der die Sparkassen-Filiale in Bernhardswald überfallen hat.

DNA-Analyse schließt ihn aus

"Sie sind doch der Bankräuber!": Stalker hält Landkreisbürger für Täter aus Bernhardswald

Konrad F. (Name geändert, richtiger Name der Redaktion bekannt) kann nicht mehr lachen: Seit Monaten wird er von einem Stalker aus demselben Dorf verfolgt und beschuldigt, der Mann zu sein, der die Sparkassen-Filiale in Bernhardswald überfallen hat. Dass er es nicht ist, hat er mittlerweile Schwarz auf Weiß. Trotzdem hören die Beschuldigungen nicht auf. mehr ...

Energydrink

Vemma

Pyramidensystem: US-Handelsbehörde stoppt Vemma

Der Vertrieb des Energydrinks Verve wurde am 21. August 2015 gestoppt mehr ...

Windrad ohne Blätter

Riesen-Baustelle in Weihbüchl

Landshuter Windrad bekommt seine Flügel

Das erste Landshuter Windrad in Weihbüchl steht kurz vor der Vollendung. Lassen es die Windverhältnisse zu, dann werden im Laufe des Freitags die gigantischen Rotorblätter montiert. mehr ...

mehr Bilder ansehen
Hitman: Agent 47

Hitman: Agent 47

46 Klone hat es gebraucht, bis der perfekte Auftragskiller erschaffen wurde: Agent 47. Stark, schnell, intelligent und nur durch die letzten zwei Nummern des Barcodes identifizierbar, der ihm in den Nacken tätowiert wurde. Seine neue Mission ist es, einen Konzern daran zu hindern, die Forschungsergebnisse seiner Erschaffung herauszufinden und damit eine Armee von Tötungsmaschinen aufzubauen. Dazu verbündet er sich mit einer jungen Frau. mehr ...