Wochenblatt
08.07.2012

Krimsk (AFP)

Mehr als 170 Tote bei Überschwemmungen in Russland

Bei den schweren Überschwemmungen im Süden Russlands sind jüngsten Angaben zufolge mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen.
Foto: © 2012 AFP Überschwemmungen in Russland
Bei den schweren Überschwemmungen im Süden Russlands sind jüngsten Angaben zufolge mehr als 170 Menschen ums Leben gekommen. Allein im Bezirk Krimsk seien 130 Leichen geborgen worden, sagte ein Polizeisprecher.

Nach den schweren Überschwemmungen in Südrussland am Wochenende ist die Zahl der Toten auf mehr als 170 gestiegen. Allein im Bezirk Krimsk wurden 159 Leichen geborgen, wie ein Polizeivertreter im Moskauer Krisenstab sagte. Russlands Präsident Wladimir Putin versprach den Betroffenen in der Region Krasnodar bei einem Besuch vor Ort Hilfe und kündigte eine genaue Untersuchung des Krisenmanagements der Behörden an. Die Bewohner, die in der Nacht zum Samstag von den Wassermassen überrascht worden waren, warfen den Behörden Versagen vor.

Am stärksten betroffen war der Bezirk Krimsk, wo nach offiziellen Angaben vom Sonntag 139 Leichen geborgen wurden, darunter ein einjähriges und ein zehn Jahre altes Kind. Die meisten Opfer waren Rentner, die im Schlaf vom Wasser überrascht wurden. Zwei Tote wurden in der Hafenstadt Noworossijsk am Schwarzen Meer gefunden, neun weitere im Badeort Gelendschik. Die Suche nach möglichen weiteren Opfern geht weiter.

Die örtlichen Behörden sprachen von der schlimmsten Naturkatastrophe in der Region seit Jahrzehnten. Im Bezirk Krimsk, der 60.000 Einwohner hat, waren demnach mehr als 12.000 Menschen und 4000 Wohnungen von dem Unglück betroffen. Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums sind weiterhin knapp 29.000 Menschen ohne Strom.

Putin, dessen Sommerresidenz 200 Kilometer südlich der Unglücksregion nahe der Schwarzmeerstadt Sotschi liegt, flog mit einem Hubschrauber über die Unglücksregion und verglich die Überschwemmungen mit einem "Tsunami". Er versprach den Betroffenen neue Häuser sowie finanzielle Unterstützung in Höhe von zwei Millionen Rubel (50.000 Euro) pro betroffener Familie. Putin kündigte eine genaue Untersuchung des Krisenmanagements der Behörden durch die russische Ermittlungskommission an.

Der Kreml veröffentlichte im Internet Aufnahmen aus einer Krisensitzung örtlicher Verantwortlicher, an der Putin am Samstagabend teilnahm. Dabei fragte er den Bezirkschef von Krimsk, Wassili Krutko, in strengem Ton, wann die Behörden von der Katastrophe erfahren hätten und wie sie die Bevölkerung informiert hätten. Krutko berichtete, er habe am Freitagabend um 22 Uhr eine erste Warnung erhalten. Die Bevölkerung sei im Fernsehen gewarnt worden.

Bewohner der Unglücksregion berichteten dagegen, sie seien nicht gewarnt worden. Die Überschwemmungen hätten sie zwischen zwei und vier Uhr morgens im Schlaf überrascht. Viele vermuteten, dass die Öffnung von Sperren an einem Stausee die Katastrophe auslöste, was die örtlichen Behörden zurückwiesen. Im Fernsehen wurde gezeigt, wie Putin den Gouverneur von Krasnodar, Alexander Tkaschew, fragte, wo die Wassermassen herkamen. "Es hat geregnet", antwortete dieser. Über den Kurznachrichtendienst Twitter verlangte Tschakew ein Ende der "dummen Gerüchte" über menschliches Versagen.

Ermittler räumten jedoch unterdessen ein, dass das wiederholte Ablassen von Wasser aus dem Stausee zur Katastrophe beigetragen haben könnte. "Über einen Zeitraum von 13 Stunden wurden wiederholt in automatisierter Form begrenzte Mengen Wasser abgelassen", sagte ein Sprecher der regionalen Ermittler, Iwan Sengerow. Es habe aber kein groß angelegtes Ablassen von Wasser gegeben, und es sei unklar, welchen Zusammenang es mit den Überschwemmungen gebe.

Bewohner von Krimsk berichteten, sie glaubten den Behörden nicht. "Es regnet hier ständig, aber so etwas hat es noch nie gegeben", sagte Irina Morgunowa. "Eine sieben Meter hohe Welle hat alles zerstört."

Autor: Krimsk (AFP)

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