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30.01.2013

Berlin (AFP)

Lammert bei Holocaust-Gedenken: Demokratie verteidigen

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat ARD und ZDF erneut für ihre Programmentscheidungen kritisiert. Er monierte am Mittwoch, dass die beiden öffentlich-rechtlichen Sender die Holocaust-Gedenkstunde des Bundestags nicht übertragen hätten. Das ZDF wies die Kritik mit Verweis auf zahlreiche Sendungen zum Thema zurück, die ARD sah das ZDF in der Verantwortung. Das Bild zeigt Lammert neben Inge Deutschkron und Bundespräsident Joachim Gauck.
Foto: © 2013 AFP Lammert kritisiert Fernsehsender
Zum Holocaust-Gedenken im Bundestag hat Parlamentspräsident Norbert Lammert zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. Die Hauptrednerin Inge Deutschkron schilderte ihre persönlichen Erlebnisse im Berlin der Nazi-Zeit.

Zum Holocaust-Gedenken im Bundestag hat Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. Sie sei nicht ein für alle Mal geschenkt, "sondern muss täglich gestaltet, mit Leben erfüllt und auch verteidigt werden", sagte Lammert. Die Hauptrednerin Inge Deutschkron schilderte ihre persönlichen Erlebnisse im Berlin der Nazi-Zeit und erinnerte an Versäumnisse im Nachkriegsdeutschland.

Wie "bitter nötig" der Einsatz für die Demokratie auch heute noch sei, hätten die NSU-Mordserie und antisemitisch motivierte Gewalt gezeigt, sagte Lammert. Mit der Gedenkstunde bekunde das Parlament auch seinen Willen, "alles zu tun, damit eine ähnliche menschengemachte, staatlich organisierte Katastrophe sich nie mehr ereignen kann".

Lammert kritisierte in dem Zusammenhang, dass die Veranstaltung nur von Phoenix, nicht aber von den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF übertragen wurde. "Noch schöner wäre es", wenn auch ARD und ZDF es "wichtig genug" gefunden hätten, das Gedenken "einer breiten Öffentlichkeit im Hauptprogramm öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten zu vermitteln".

Die Hauptrede hielt die deutsch-israelische Journalistin und Autorin Inge Deutschkron, die die NS-Zeit als jüdisches Mädchen im Untergrund überlebte. Sie schilderte, wie die Juden in Berlin beinahe täglich neuen Schikanen und Verboten ausgesetzt worden waren. "Eine Riege von Unmenschen im Reichsinnenministerium" habe offenbar nur eine Aufgabe gehabt: "Wie man Leben zur Qual macht".

Deutschkron berichtete weiter, wie die Juden schließlich systematisch aus Häusern und Fabriken geholt und aus Berlin abtransportiert wurden, und wie die übrige Berliner Bevölkerung bei solchen Aktionen weggeschaut habe: "Nur nichts wissen, was man hier tut." Die Schriftstellerin berichtete auch von dem "Gefühl von Schuld", das sie als Überlebende nie wieder losgelassen habe.

Deutschkron schilderte aber auch von den Enttäuschungen jüdischer Deutscher in der Nachkriegszeit. So habe ihr Vater, ein Pädagoge im britischen Exil, lange und vergeblich darauf gewartet, dass Deutschland ihn nach 1945 zurückhole. "Doch dieser Ruf, diese Einladung kam nicht." Ihr selbst sei nach Kriegsende oft gesagt worden, sie solle vergessen und vergeben. Sie kritisierte zudem den ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) für seine Aussage, die Mehrheit der Deutschen sei Gegner der Nazi-Verbrechen gewesen. "Ach, wäre das doch die Wahrheit gewesen", sagte Deutschkron.

Der Gedenktag erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945. Da der 27. Januar in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel, wurde die Gedenkstunde im Bundestag auf den 30. Januar verlegt. Damit fiel er mit dem 80. Jahrestag der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zusammen; an dem Tag 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler.

Autor: Berlin (AFP)