Wochenblatt
26.05.2012

New York (AFP)

Kindermord vor 33 Jahren: Anklage gegen geständigen Mann

Genau 33 Jahre nach dem Verschwinden des sechsjährigen Etan Patz aus New York ist der mutmaßliche Täter wegen Totschlags in einem besonders schweren Fall angeklagt worden. Etan war am 25. Mai 1979 auf dem Weg zu einer Bushaltestelle verschwunden.
Foto: © 2012 AFP New Yorker Kindermord nach 33 Jahren vor Aufklärung?
Genau 33 Jahre nach dem Verschwinden des sechsjährigen Etan Patz aus New York ist der mutmaßliche Täter wegen Totschlags in einem besonders schweren Fall angeklagt worden. Etan war am 25. Mai 1979 auf dem Weg zu einer Bushaltestelle verschwunden.

Auf den Tag genau 33 Jahre nach dem Verschwinden des sechsjährigen Etan Patz aus New York ist der mutmaßliche Täter wegen Totschlags in einem besonders schweren Fall angeklagt worden. Der 51-jährige Pedro H. wurde von einem Krankenhaus per Video zur Verlesung der Anklageschrift zugeschaltet, wie sein Anwalt mitteilte. Der Mann hatte der Polizei zufolge gestanden, als junger Mann das Kind erdrosselt zu haben.

Nach Angaben seines Anwalts befand sich H. in psychiatrischer Behandlung. Sein Mandant sei schizophren und leide unter einer bipolaren Störung, sagte Verteidiger Harvey Fishbein. Richter Matthew Sciarrino ordnete eine Untersuchung der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten an. Als nächsten Gerichtstermin legte er den 25. Juni fest.

Der kleine Etan war am 25. Mai 1979 auf seinem Weg zu einer nur 100 Meter von der elterlichen Wohnung entfernten Bushaltestelle verschwunden. Mit großer Anteilnahme verfolgten die Menschen in den USA und anderen Ländern damals die Suche nach dem Jungen. 2001 erklärte ein Richter Etan schließlich für tot.

Im April hatte die New Yorker Polizei überraschend neue Ermittlungen in dem Fall aufgenommen, am Donnerstag verkündeten sie den Durchbruch. Pedro H. gestand demnach, den damals Sechsjährigen an einer Bushaltestelle angesprochen und ihm eine Limonade versprochen zu haben. Dann habe er den Jungen in den Keller eines Ladens im Stadtteil Manhattan gelockt, in dem er arbeitete. Dort habe H. das Kind erdrosselt und die Leiche anschließend in einem Plastiksack in den Müll geworfen. Das Motiv war zunächst unklar.

Der mutmaßliche Täter arbeitete laut einem Bericht der "New York Times" unweit der damaligen Wohnung von Etans Familie im New Yorker Viertel Soho. Kurz nach der Tat sei er in den Nachbarstaat New Jersey gezogen und habe dort bis zuletzt gelebt. Der aus Puerto Rico stammende Mann, Vater einer Tochter im Teenageralter, ist der Polizei zufolge nicht vorbestraft.

Die Ermittler waren dem mutmaßlichen Täter durch einen anonymen Hinweis auf die Spur gekommen. New Yorks Polizeichef Ray Kelly sagte, der Mann habe vor Verwandten und Freunden einmal davon gesprochen, dass er in New York ein Kind getötet habe. Im Zuge des Medienrummels um die Wiederaufnahme der Ermittlungen im Fall Etan Patz habe sich der Hinweisgeber dann an die Polizei gewandt.

Laut Kelly führte Pedro H. nach seinem Geständnis die Polizei in der Nacht zum Donnerstag an den Tatort, wo sich mittlerweile ein Brillengeschäft befindet. Die Eltern Etans, die noch heute in derselben Wohnung in Soho wohnen, seien von der Polizei informiert worden. Kelly bezeichnete es aber als "sehr unwahrscheinlich", dass Teile der Leiche jemals gefunden würden.

Autor: New York (AFP)

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